Songs of Araiah Review

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Songs of Araiah Review
Songs of Araiah

Wenn ihr die Wahl hättet zwischen ewigem Leben in einem goldenen Kerker oder für eure Überzeugungen zu sterben, was würdet ihr tun? Diese Frage stellt die Visual Novel Songs of Araiha an den Spieler, die seit 13. Oktober auch über Steam Greenlight erhältlich ist.

Zu Beginn des Spiels schlüpfen wir in die Rolle des 17-jährigen Jason, der aus seinem Heimatdorf davonläuft. Denn in der Welt von Araiah bedeutet der 17. Geburtstag eine rituelle Brandmarkung mit dem Zeichen des lebendigen Gottes/Diktators des Reiches. Doch Jason glaubt nicht an die Göttlichkeit des Herrschers und die Weigerung, sich dem Ritual zu unterziehen, hat nur eine Folge: Tod durch den Strick!

Doch Jason hat andere Pläne. Tief im Wald steht ein altes Herrenhaus, um das sich Legenden ranken. Ein wunderschöner Vampir soll hier leben und im Austausch für etwas Blut Wünsche erfüllen. Jasons Plan ist daher Unsterblichkeit zu erlangen.

Als der Protagonist an der Tür von Melissa, der mysteriösen Bewohnerin des Hauses, steht, verspricht sie ihm die Erfüllung seines Begehrens. Die Sache hat nur einen Haken. Im Gegenzug muss sich Jason verpflichten ihr den Rest seines Lebens, seines unsterblichen Lebens, zu dienen.

Nach kurzem Zögern willigt Jason ein – mit dem Hintergedanken, dass er jede Menge Zeit hat, sich einen Weg zur Flucht zu überlegen – und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Trotz der ersten Anzeichen entpuppt sich Melissa nicht als Vampir sondern als Magierin der alten Göttin Araiah und als die vielleicht schlechteste Köchin der Welt. Ihr Hass für das religiöse Regime auf dem Kontinent verbindet die beiden. In allen sonstigen Belangen sind sie allerdings wie Wasser und Feuer.

Songs of Araiah

Hat eine gute Chemie mit dem Protagonisten: Melissa, die unsterbliche Magierin.

Songs of Araiah hat einen äußerst interessanten Handlungsverlauf. Auf der einen Seite haben die beiden Protagonisten durch ihre Eigenheiten eine extrem gute Chemie. Während sich die beiden die Spitzen um die Ohren hauen, bleibt auch der ein oder andere Witz auf Kosten der Konventionen von Visual Novels nicht aus.

Aber immer wieder sprechen die beiden in ruhigen Momenten auch philosophische Themen an, wie die Dekonstruktion von religiösen Ideen, die Gaia-Theorie oder Nihilismus. Das klingt sehr trocken, ist es aber faktisch nicht, denn die Erzählung schafft es immer wieder diese Ideen auf die persönlichen Gefühle und Erfahrungen der Protagonisten zu bringen. Die erwähnten Comedy- und Slice of Life-Elemente dienen zur Auflockerung. Mehrmals nimmt die Handlung auch dramatische Wendungen, die ich hier nicht unbedingt preisgeben möchte, um das Spielerlebnis nicht zu ruinieren. Es lohnt sich, so viel sei gesagt.

Songs of Araiah

Wechseln sich in einem guten Rhythmus ab: Gehaltvolle, tiefgründige Unterhaltungen und Comedy.

Was die technische Umsetzung betrifft, muss man zwischen Grundsätzlichem und der Re-Mastered Edition unterscheiden. Grundsätzlich gibt es drei Dinge zu beachten. Im Gegensatz zu den meisten Visual Novels gibt es keine abzweigenden Handlungspfade. Die Story ist komplett linear. Außerdem ist das Spiel komplett auf Englisch gehalten und es besitzt keine Sprachausgabe. Schließlich ist die Spielzeit mit unter zehn Stunden recht begrenzt. Aber das alles sind Dinge, die mich persönlich nicht gestört haben. Für ein kostenloses Doujin-Game aus dem Jahr 2008 ist das vollkommen in Ordnung. Die Charaktermodelle, die Musik und vor allem die Story sind das wert.

Nun ist der Anlass für diesen Test allerdings die am 13. Oktober erschienene Re-Mastered Edition auf Steam. Was hat sich also in den neun Jahren getan? Nun, die gezeichneten Hintergründe und die Auflösung sind besser. Das ist aber auch schon alles, was es an Positivem zu berichten gibt.

Während das ursprüngliche Spiel in der Ren’Py Engine geschrieben ist, die speziell für Visual Novels ausgelegt ist, hat man sich bei der Umsetzung der Re-Mastered Edition für eine web-basierte Programmierung entschieden. Die Darstellung im Browser tut dem Spiel wirklich keinen Gefallen.

Songs of Araiah

Sieht abgesehen von den Hintergrundgrafiken nicht wirklich schlechter aus: Die Version 1.01 in der Ren’Py Engine aus dem Jahr 2008.

Es geht schon damit los, dass ich das Spiel beim Test nicht aus der Steamoberfläche starten konnte, sondern nur aus dem Ordner heraus. Braucht man etwas länger zum Lesen, hört die Hintergrundmusik einfach auf, nachdem der Titel beendet ist, statt wie in der alten Version einfach von vorne zu beginnen.

Die als „new, minimalistic UI“ angepriesene Benutzeroberfläche sieht ganz ehrlich schlechter aus als die Standardoberfläche der Ren’Py Engine. Zudem lässt sie einiges an Funktionalität vermissen, die für Visual Novels eigentlich zum Standard gehört. Eine Skip-Funktion? Eine CG-Galerie für freigeschaltete Grafiken? Oder auch einfach nur ein Speichermenü? Fehlanzeige! Alles Features, die in der alten Version vorhanden waren.

Songs of Araiah

Die CG-Galerie der alten Version. Wie ein Speichermenü oder eine Skip-Funktion fehlt sie in der ‚verbesserten,‘ kostenpflichtigen Neuauflage.

Womit kann die Re-Mastered Version dann auftrumpfen? Bonus Content vielleicht? Na ja, Soundtrack ist nicht schlecht. Die Wallpapers, die tief in unserem Steamordner verborgen sind, ersetzen eigentlich nur die nicht vorhandene Galerie und das Musikvideo ist einfach nur das alte Intro, das in dieser verschlimmbesserten Version nicht mal zum Spielstart abgespielt wird. Das grenzt schon fast an Frechheit, die Features der kostenlosen Version herauszuschneiden und als Bonus Content zu vermarkten.

Songs of Araiah ist ein durchaus unterhaltsamer Titel für Fans des Genres – mit einer guten Story, Charakteren und Hintergrundgeschichte. Ist die Re-Mastered Edition ihre 14,99€ wert? Nein, aus meiner Sicht nicht. Wenn euch die Story interessiert, dann empfehle ich euch persönlich den Download der kostenlos verfügbaren Version 1.01 in der ursprünglichen Engine. Wenn euch das Spiel gefällt, oder ihr es bereits damals schon gespielt habt, dann kann man sich die Anschaffung der Steam-Version immer noch überlegen, um damit die Entwickler zu unterstützen. Von einem blinden Kauf hingegen kann ich euch nur abraten.

Gut

  • gute Story mit philosophischen Ansätzen
  • wunderschön gezeichnete Grafiken und Charaktere
  • relevante Wendungen in der Story
  • glaubwürdige Charakterinteraktionen
  • gut durchdachte Welt

Schlecht

  • keine Sprachausgabe
  • zu kurze Spielzeit
  • Re-Mastered Edition z.T. schlechter umgesetzt als das kostenlose Doujin Game
  • komplett lineare Story
7

Gut

Michael Lucas
Historiker mit einem Faible für Fantasywelten, RPGs, Anime und MLP.

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