Meine Reise durch die Cosplay-Galaxis mit Cosplay-Videos

Cosplay ist, wie einige von euch bereits wissen, etwas womit ich mich seit einem Jahr intensiv beschäftige. Ich besuche seit Mai 2018 diverse Manga- und Anime-Conventions, verschiedene Events sowie Messen wie AnimagiC, Roleplay Convention RPC, ComicCon Stuttgart, Japantag, Gamescom, Dokomi in Düsseldorf sowie CCXP in Köln und drehe dort Cosplay-Videos.

Einige von euch haben mich über die sozialen Medien gefragt, warum wir das tun. Das lässt sich ganz einfach beantworten. All die Jahre begegnete ich bei meinen Messen- und Convention-Besuchen im Rahmen von Berichterstattungen für TVGC ganz vielen netten und wunderbaren Menschen, genauer gesagt Cosplayern. Ich bewunderte und bewundere es wie viel Aufwand, Schweiß, Blut, Liebe in Details und Geld in manchen Cosplays steckt.

Cosplay Gamescom 2014

Cosplay Gamescom 2014

Die Welt der Mangas und Anime hat mich schon von Kindesbeinen an stets fasziniert. Als ich im Jahr 2013 zum ersten Mal in Bonn Cosplayer getroffen habe, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Ich war sofort geflasht und konnte es nicht glauben zu sehen, wie meine Lieblingscharaktere aus der Anime-, Manga- und Comic-Welt zum Leben erweckt wurden. Da kam mir die Idee in den Sinn, Cosplays in einem Video festzuhalten und Menschen weltweit daran teilhaben zu lassen. Die Idee hatte sich in meinem Kopf wie eine Klette festgesetzt, so dass sie in meinen Gedanken immer mehr Farbe angenommen hat. Bei der Umsetzung haperte es an einer Sache, woran es immer hapert – nämlich meiner Behinderung. Für die von euch, die es nicht wissen: Ich leide an der unheilbaren Erkrankung Muskeldystrophie und bin seit Jahren zur Fortbewegung auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Hinzu kommt, dass ich in der Bewegung der Arme und Hände stark eingeschränkt bin. Wie soll ich da eine Kamera halten, geschweige denn den Auslöser drücken?

Cosplay Video-Dreh mit Action Cam auf AnimagiC 2016

Cosplay Video-Dreh mit Action Cam auf AnimagiC 2016

Ziemlich schnell kam mir der Gedanke, dass es nicht funktioniert. Das hat mich sehr deprimiert, weil es nicht das erste Mal war, dass eine Sache, die ich mir vorgenommen hatte, an meiner Behinderung scheiterte. Irgendwann dachte ich mir, dass diese Gedanken nur Dämonen oder eher Ängste sind, die in meinem Kopf herumschwirren und mich an meinem Erfolg hindern wollen. Daher habe ich mich im Jahr 2016 dazu entschieden, mich meinen Ängsten zu stellen und meinem Motto treu bleiben, das heißt: einfach machen. Ich habe mir bei Amazon eine Action Cam gekauft und mich für die AnimagiC in Bonn akkreditiert. Dann habe ich mit der Action Cam, die ich auf dem Tisch von meinem Elektrorollstuhl befestigte, Aufnahmen gemacht und zur Kameraführung den Elektrorollstuhl verwendet, in dem ich einfach herumgefahren bin.

Daraus ist mein erstes Cosplay-Video entstanden:

Zugegeben war die Qualität alles andere als hoch und das Bild hat viel gewackelt, aber ich hatte es geschafft. Ich habe mich meinen Ängsten gestellt.

Die Angst davor zu scheitern war nämlich nicht meine einzige Angst. Hinzu kamen noch die Angst vor großen Menschenmengen und vor Abweisung. Ich habe mich bewusst den Ängsten gestellt und war sehr stolz auf mich. Leider war es für zwei ganze Jahre das einzige Cosplay-Video das ich gedreht habe. Das war der Tatsache geschuldet, dass ich danach in der heißen Endphase meines Studiums stand und anschließend ins Berufsleben gestartet bin. Seit November 2016 arbeite ich als IT-Consultant in der Tochtergesellschaft einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und ich bin dort für die Massendatenanalysen zuständig. Da blieb mir wenig Zeit für Freizeit und ich hatte mich komplett in die Arbeit gestürzt. Nach einer Weile fühlte ich mich ausgelaugt und in mir wuchs der Wunsch, einen guten Ausgleich zur Arbeit zu schaffen. Ich wollte etwas Kreatives machen, was mir auch Spaß macht und mir hilft, mich persönlich weiterzuentwickeln. Meine Ängste vor Menschenmengen waren nämlich immer noch präsent und sie haben mich auch im Arbeitsleben eingeholt. Da dachte ich mir: Warte mal, hattest du nicht ein Projekt, das du nicht weitergeführt hast? Richtig, Cosplay-Videos.

Im Vergleich zum Jahr 2016 hatte sich in meinem Leben sehr viel getan. Ich hatte nun persönliche Assistenz und war damit viel selbstständiger und unabhängiger. Das bedeutete im Endeffekt, dass ich mehr Möglichkeiten hatte und viel flexibler war als meine Zeit ohne Assistenz. Ich war fast zwei Jahre lang nur noch zuhause oder auf der Arbeit. Mehr war da nicht drin. Ich wollte aber trotzdem selbst die Videoaufnahmen machen und wollte dabei keine Hilfe. Im Hinterkopf hatte ich noch mein Video von 2016. Dieses Gewackle und die schlechte Bildqualität gingen mir tierisch auf die Nerven. Daher habe ich mir als erstes eine gute Kamera geholt. Ich entschied mich für eine Systemkamera von Sony, die Alpha 6000. Die Entscheidung fiel mir sehr leicht, da diese Kamera sehr handlich ist und so gut wie nichts wiegt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Kamera über WLAN und Fernauslöser gesteuert werden kann.

So begann meine Testphase. In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten bestellte mir neue Teile im Internet und probierte sie mit der Kamera aus. Ich hatte als oberstes Ziel höchste Bildqualität und kein Gewackel.

Am Ende entschied ich mich für einen Kameraslide und einen Kamerakopf, den ich auf den Slide montierte. Damit konnte ich die Kamera nach rechts und links bewegen, schwenken oder 360 Grad drehen. Das Gute an dem Kamerakopf ist, dass das Bild weniger wackelt. Damit war es mir zudem möglich aufzunehmen, während ich den Rollstuhl fahre und die Kamera bewege. Dadurch ergeben sich schöne Videoeffekte ohne, dass das Bild so stark wackelt.

Im Mai 2018 begann meine Reise mit dem neuen Equipment durch die Cosplay-Galaxis und die dauert zum Glück bis heute an.

Hier findet ihr meine Cosplay-Videos in chronologischer Reihenfolge:

Roleplay Convention RPC Köln 2018:

Dokomi Düsseldorf 2018:

Hier hatte ich etwas gemogelt und meine Assistentin hatte die Aufnahmen gemacht, da mein Kamerakopf am Abend vor der Dokomi abgebrochen war. xD

Japantag Düsseldorf 2018:

Am Japantag hatte ich einen ferngesteuerten Kamerakopf getestet, aber die Aufnahmen haben mir nicht gefallen, da die Kamerabewegungen zu mechanisch waren. Daher habe ich mich irgendwann dazu entschieden, das Video auf Youtube als nicht gelistet einzustellen.

Kerun Con Köln 2018:

Comic Con Stuttgart 2018:

AnimagiC Mannheim 2018:

Gamescom Köln 2018:

Mein erfolgreichste Video mit 17.200 Aufrufen.

EPICCON Münster 2019:

Japantag Düsseldorf 2019:

Falls ihr in einem Video von mir mitwirken möchtet bzw. in einem Video von mir sein möchtet, bekommt ihr an folgenden Orten die Chance dazu:

Dokomi Düsseldorf 08.06.2019
CCXP Cologne – Comic Con Experience 27.06.2019 – 29.06.2019
Comic Con Stuttgart 29.06.2019
Animagic Mannheim 02.07.2019
Gamescom Köln 20.08.2019 – 24.08.2019
– Frankfurter Buchmesse – 16.10.2019

Mittlerweile drehe ich seit genau einem Jahr Cosplay-Videos und es macht mir immer noch großen Spaß. Es ist toll, so viele nette und kreative Menschen kennenzulernen, die eine Vision haben, die sie verfolgen und es ist mir jedes Mal eine Freude ihre Cosplays in meinen Videos gut in Szene zu setzen. Das Jahr hat mir sehr viel gegeben. Mittlerweile ist meine Angst vor großen Menschenmengen wie in Luft aufgelöst und mein Auftritt ist viel souveräner geworden. Daher möchte ich mich bei allen Cosplayern und Unterstützern bedanken, da das alles ohne sie gar nicht möglich gewesen wäre. Ohne euch gäbe es nämlich keine Cosplay-Videos. Ich freue mich, euch auf den nächsten Conventions zu treffen.

Wie denkt ihr eigentlich über Cosplay? Wie findet ihr die Videos? Seht ihr eine Entwicklung darin? Welches Video ist euer Favorit und warum? Hinterlasst mir gerne eure Meinung in den Kommentaren. Ich freue mich auf eure Anregungen!

Alireza
Der an Muskeldystrophie erkrankte CEO verbrachte seine Kindheit mit Commodore 64, SNES, Gameboy und Sega Mega Drive. Seine Begeisterung für IT und Technik ist von früh an nicht zu stoppen gewesen. Das Thema Gaming-Inklusion von Menschen mit Behinderung wurde von ihm ins Leben gerufen.

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