30 Tage Nintendo Switch – lohnt es sich?

Laura Szabo
Specials Diverses

Der Hype und die Erwartungen waren groß. Als erster echter Hybrid zwischen Heimkonsole und Handheld wurde die Nintendo Switch angekündigt und sollte alles besser machen als die enttäuschende Wii U. Der erste wichtige Schritt: ein ambitioniertes und riesengroßes Zelda-Abenteuer direkt zum Launch am 3. März.

Einen Monat lang haben wir gespielt, getestet und geprüft. Nun verraten wir euch, für wen sich der Kauf einer Nintendo Switch schon jetzt lohnt – und wer lieber noch warten sollte.

 

Was taugt die Hardware?

 Die Nintendo Switch ist sehr gut verarbeitet. Sie besticht durch schlichtes, modernes Design ebenso wie durch komfortable und angenehm simple Haptik. Vor allem der Wechsel zwischen stationärer Konsole und Handheld funktioniert auffallend unkompliziert. So schließt ihr die Station, die im Grunde lediglich als Halterung mit Ladefunktion und ohne sonstige Elektronik fungiert, per Netzteil und HDMI-Kabel an euren Fernseher an. Die eigentliche Konsole, die an ein Tablet erinnert, steckt ihr in die Station, um am Fernseher zu spielen – fertig! Als Controller fungieren zwei sogenannte Joy-Cons. Der Clou: Die vielen Steuerungsmöglichkeiten. Ihr könnt entweder mit einem Joy-Con pro Hand spielen und dabei eure Hände bequem in euren Schoß legen – was an die Wii-Steuerung mit Wiimote und Nunchuck erinnert – oder ihr steckt die Joy-Cons an den mitgelieferten Grip, um einen „vollständigen“ konventionellen (und nicht kabellosen) Controller in den Händen zu halten.

Nintendo Switch

Die Joy-Cons

Möchtet ihr unterwegs oder in einem anderen Zimmer spielen, nehmt ihr einfach die Switch aus der Ladestation – das Bild wechselt binnen Sekunden vom Fernsehbildschirm auf den Bildschirm der Switch. Nun könnt ihr entweder die Joy-Cons seitlich an der Switch befestigen – oder ihr stellt die Switch auf eine ebene Fläche, etwa auf einen Tisch, und spielt mit einem Joy-Con pro Hand, wobei ihr die im Lieferumfang enthaltenen Handschlaufen optional an den Joy-Cons befestigen könnt. Uns hat vor allem begeistert, wie tadellos und schnell dieser Wechsel vonstattengeht. Die Switch, die Joy-Cons und die Handschlaufen lassen sich sekundenschnell anbringen und wieder abnehmen, alle Einzelteile rasten (bis auf die Switch selbst, siehe weiter unten) sicher und fest ein. Ebenfalls hervorragend: Nehmt ihr die Switch mit, entfernt ihr einfach das Netzteil von der Station und ladet die Switch unterwegs per Netzteil direkt an der Steckdose auf.

Von der Heimkonsole zum Handheld: Joy-Cons an die Switch, fertig!

Die Switch macht als Heimkonsole und auch als Handheld Spaß. Technikfetischisten müssen sich jedoch im Klaren sein, dass die Switch in Sachen Leistung nicht an die PS4 oder Xbox One heranreicht. Als Handheld aber ist sie mit ihrem tollen 720p-Display und der komfortablen Haptik kein Vergleich zum Wii U-Gamepad oder zum Nintendo 3DS, sondern kann mit aktuellen Tablets mithalten. Helligkeit und Lautstärke lassen sich direkt am Gerät regeln.

Wer genau hinsieht, entdeckt jedoch den ein oder anderen Kritikpunkt. Das Display ist nicht entspiegelt und zerkratzt mit der Zeit selbst bei vorsichtiger Handhabung durch das bloße Herein- und Herausnehmen aus der Station. Zudem rastet die Switch nicht sicher und fest genug in der Station ein, weshalb ihr diese samt Switch so im Regal platzieren solltet, dass keine Berührungs- oder Stoßgefahr besteht. Unterwegs lässt sich die Switch ohne Station nicht stabil und sicher aufstellen, da auf der Rückseite lediglich ein zu kleiner Standfuß zu seitlich angebracht wurde.

Aufgrund des zu seitlich angebrachten Standfußes steht die Switch ohne Ladestation recht instabil

Sauer aufstoßen mussten wir auch angesichts des Akkuproblems. In der Station wird die Switch automatisch geladen, im mobilen Betrieb geht ihr nach etwa drei bis vier Stunden der Saft aus. Das größte Manko ist allerdings der mitgelieferte Grip, der die Joy-Cons nicht während des Spielens auflädt – dazu müsst ihr sie an der Switch befestigen und diese in der Ladestation parken. Zwar lässt sich die Switch in einen Sleep-Modus versetzen, so dass ihr nach einmaligem Druck auf den Powerknopf sofort euer pausiertes Spiel weiterspielen dürft – allerdings könnt ihr die Konsole nicht über die Controller ein- und ausschalten, sondern nur direkt am Gerät. Vielen Spielern missfallen auch die Joy-Cons selbst – vor allem für große Männerhände sind sie zu klein geraten und manche Knöpfe lassen sich eher umständlich erreichen.

Die anfänglich gemeldeten Verbindungsprobleme mit den Joy-Cons sollen laut Nintendo mittlerweile behoben worden sein. Solltet ihr Probleme haben, könnt ihr euch hier an den Nintendo-Support wenden.

Die meisten der genannten Hardware- und Designmängel lassen sich durch den Erwerb von Zubehör beseitigen. Mehr dazu verraten wir euch im nächsten Abschnitt.

 

Welches Zubehör brauche ich?

Eure erste Anschaffung sollte das „Carrying Case & Screen Protector“-Set von Nintendo sein. Für etwa 20 Euro erhaltet ihr eine Schutzfolie und eine Tasche. Eine absolut obligatorische Investition, da die Switch ohne Schutzfolie ausgeliefert wird und der Bildschirm sehr anfällig für Kratzer ist. Ein Reinigungstuch ist leider nicht enthalten. Wollt ihr die Folie wirklich frei von Fingerabdrücken und Staubkörnern anbringen, solltet ihr euch separat ein Tuch besorgen. In der gepolsterten Tasche finden die Switch, mehrere Spielmodule sowie die Joy-Cons samt Handschlaufen Platz. Praktisch ist der in der Tasche befindliche „Aufsteller“, mit dem ihr die Switch unterwegs sicher und stabil auf einer ebenen Fläche positionieren könnt. Aufgrund des zu kleinen und unglücklich platzierten Standfußes (siehe „Hardware“) eine echte Wohltat.

Wer nicht nur zwischendurch zockt, sondern mit der Switch viele lange Abende vor dem Fernsehbildschirm verbringt, wird um die Anschaffung von Controller-Zubehör nicht herumkommen. Entweder ihr kauft euch die Joy-Con-Aufladehalterung von Nintendo, die genauso aussieht wie der mitgelieferte Grip, eure Joy-Cons jedoch während des Spielens auch auflädt – oder ihr investiert in den Pro Controller von Nintendo, den wir euch wärmstens ans Herz legen, da er wirklich hervorragend verarbeitet ist und sehr gut in der Hand liegt.

Teurer Spaß, aber obligatorisch für Vielspieler: Der 70 Euro teure Pro Controller

Wer offline mit anderen spielen möchte, muss langfristig in ein zusätzliches Paar Joy-Cons investieren. Zwar funktionieren einige Spiele wie 1-2 Switch auch mit einem Paar Joy-Cons, dies wird jedoch nicht bei allen Spielen der Fall sein.

Fazit: Insgesamt ist es zwar verständlich, dass Nintendo den Preis der Konsole so niedrig wie möglich halten will und zu diesem Zweck weder Spiel noch Zubehör beilegt – dafür sind die etwa 330 Euro für die Switch eine Milchmädchenrechnung. Das original Zubehör von Nintendo stellt keine optionale, eventuelle Kaufüberlegung für beinharte Fans und Sammler dar, sondern ist eine obligatorische Investition für jeden, der eine Switch haben möchte. Somit solltet ihr für Konsole (330 Euro), ein Spiel (60 Euro), Tasche und Folie (20 Euro), Aufladehalterung (30 Euro) und Pro Controller (70 Euro) mit über 500 Euro Anschaffungskosten rechnen – ein Preis, für den ihr aktuell locker eine PS4 oder Xbox One samt mehrerer Spiele bekommt…

 

Laura Szabo
Zockt seit 1988, begann mit einem Atari ST und einem Sega Game Gear. Hält Silent Hill für das ideale Reiseziel und die Ocarina für das schönste Instrument. Braucht regelmäßig neue Regale für neue Bücher, Comics, Filme, CDs und Games.

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