Agents of Mayhem Review

Xbox One Tests Reviews PS4 PC
Verfolgen
8.3

Sehr gut

Agents of Mayhem Review
Agents of Mayhem

Ein Auto, ein Computer, ein Mann – außerdem eine Frau und ein fliegender Stützpunkt voller liebenswürdiger Verrückter. Sie wurden für Verbrechen verurteilt, die sie tatsächlich begangen haben. Sie wissen, dass sie nicht die Guten sind, denn Wissen ist der halbe Sieg und sie lieben es, wenn ein Plan funktioniert. Dies sind die Agents of Mayhem.

So oder so ähnlich würde wahrscheinlich das Intro zu Agents of Mayhem klingen, wenn es tatsächlich eine der kitschigen Actionshows aus den 80er Jahren wäre, die sich Developer Volition eindeutig als Vorbild genommen hat. Mit dem typischen Humor, der schon die letzten Teile der Saints Row-Reihe ausmachte, versucht sich der Developer an einem neuen Franchise und greift dabei doch immer wieder in die alte Trickkiste.

Agents of Mayhem ist nicht Saints Row. So viel sollte vorweg klargestellt werden. Es wäre unfair, Agents of Mayhem dafür zu verurteilen, dass es nicht Saints Row 5 geworden ist, auch wenn viele Fans der Serie das sicherlich gehofft hatten. Nichtsdestotrotz haben beide Spiele grundsätzlich dieselbe konzeptionelle Grundausrichtung und an manchen Stellen ist daher ein Vergleich angebracht.

Agents of Mayhem

Im Kampf dürfen wir frei zwischen drei Agenten hin- und herwechseln. Tanks wie Yeti eignen sich besonders, um Schaden aufzusaugen, falls mal ein paar mehr Gegner auf uns zukommen.

In Sachen Spielmechanik kann Agents of Mayhem durchaus mit einigen guten Neuerungen auftrumpfen. Aus unserem Kader von zwölf Agenten schicken wir jeweils ein Team von drei Kämpfern in die Schlacht gegen die Terrororganisation LEGION, welche die Stadt Seoul in Südkorea bedroht. Mit einem simplen Dreh am Mausrad wechseln wir selbst mitten im Kampf die Spielfiguren durch und können so nahtlos Gebrauch von ihren individuellen Mayhem-Fähigkeiten machen.

Agents of Mayhem

Jeder Charakter kann 20 Spielstufen aufsteigen und seine Fähgkeiten verbessern. Haben wir das Maximum erreicht, dürfen wir mittels Verbesserungskernen nochmals 20 Superagentlevels draufpacken.

Dabei spielt sich tatsächlich jeder Agent individuell anders und es ist für den Erfolg wichtig, ein ausgeglichenes Team zusammenzustellen. Manche Charaktere sind besonders gut darin, feindliche Schilde oder Rüstungen zu durchbohren. Andere spezialisieren sich aufs Hacken oder machen Extraschaden gegen Bosse. Das Gegnerdesign ist deutlich variabler als die Horden von gleich aussehenden Zin-Truppen aus Saints Row 4, was die Kämpfe an sich deutlich abwechslungsreicher gestaltet. So will es vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden wohl überlegt sein, wie wir am besten gegnerische Nahkämpfer, Sniper oder Shocktrooper anpacken. Wer es eher gemütlich mag, kann die Schwerigkeitsschraube aber auch ganz weit nach unten drehen und wird dann selten Probleme bekommen.

Agents of Mayhem

Kein Charakter ist wie der andere. Red Card – der deutsche Vertreter in MAYHEMSs internationalem Kader – ist begeisterter Fan des FC Rüdesheim und lässt seine Aggressionen nur zu gerne an LEGIONs Truppen aus.

Durch persönliche Missionen lernt man im Laufe des Spiels jeden Agenten auch etwas näher kennen. Diese charakterspezifischen Missionen sind zwar nicht zwingend für die Hauptstory erforderlich, lohnen sich aber, denn hier kommen meist die witzigsten und verrücktesten Momente zustande, die den Charme des Spiels ausmachen. Man könnte meinen, dass bei zwölf spielbaren Figuren der eine oder andere Charakter zu kurz kommt. Doch jede/r Agent/in ist einzigartig, interessant und abgedreht genug, dass es mir persönlich schwer fiel, mich auf einen Favoriten festzulegen.

Eher blass bleiben bis auf wenige Ausnahmen allerdings die Kapitelbosse, die für LEGION arbeiten und uns das Leben schwer machen sollen. Dafür sind alle Nebencharaktere, die man auf der ARK, unserem mobilen Stützpunkt, ansprechen kann, liebevoll gestaltet und werden von ihren Synchronsprechern gut zum Leben erweckt. Besonders die Chefin von MAYHEM – Persephone Brimstone – ist als ehemalige Angehörige der Führungsebene von LEGION ein äußerst interessanter Charakter. Geheimtipp! Schaut euch unbedingt die Mayhem-Datenbank in ihrem Büro an. Denn neben freigespielten Zwischensequenzen wird hier auch in animierter Form Persephones Hintergrundgeschichte erzählt.

Agents of Mayhem

In den hochwertig animierten Cutscenes wird auch den nicht spielbaren NPCs Leben eingehaucht.

Wo wir schon beim Thema Zwischensequenzen sind, die sind verdammt gut gelungen. Der Zeichentrick-Look passt richtig gut zur Atmosphäre des Spiels. Wäre Agents of Mayhem ein Cartoon, würde ich mir diese Show keines Falls entgehen lassen. Als Computerspiel hat es jedoch tatsächlich auch ein paar Schwächen.

Obwohl die englische Sprachausgabe gut gelungen ist, wird Deutsch nur als Untertitelsprache angeboten. Viele der Wortwitze verlieren dabei etwas in der Übersetzung. Wer der englischen Sprache nicht zumindest teilweise mächtig ist, dem wird wohl allein dadurch etwas an Spielspaß verloren gehen, dass man ständig auf die Untertitel schauen muss.

Was allerdings wesentlich mehr stört, ist das Leveldesign. An allen Ecken und Enden werden Assets wiederverwendet. Vor allem in den unterirdischen Verstecken von LEGION macht sich das bemerkbar. Wenn man zum gefühlt hundertsten Mal den gleichen generischen Korridor abgelaufen ist, hat man irgendwann die Nase voll.

Agents of Mayhem

Irgendwann nervt es einfach nur noch, wenn man schon wieder in einen Tunnel abbiegt, der genauso aussieht wie das letzte Dutzend.

Ein ähnliches Problem haben auch die Open-World-Elemente des Spiels. Seoul ist wesentlich kleiner als beispielsweise Steelport. Allerdings wirkt die Stadt steif und leblos, nicht mehr als ein Hintergrund, vor dem die Story-Missionen spielen. Auch hier wird konsequent auf Recycling gesetzt. Haben wir einen LEGION-Außenposten erobert, so wird dieser auf kurz oder lang vom Feind zurückerobert. Auf der einen Seite hilft das, dem Spieler einen dynamischen Konflikt zwischen MAYHEM und LEGION zu suggerieren.

Auf der anderen Seite täuscht es aber nicht darüber hinweg, dass man in den Nebenmissionen ständig dasselbe macht. Dementsprechend stellt sich auch nie das Erfolgserlebnis ein, das man aus Saints Row kannte, sobald man ein Viertel zu 100% erobert hatte. Selbst Straßenrennen werden irgendwann langweilig, weil man die drei Streckenvariationen blind fahren kann und einem Claymores Wortwitz, der bei jedem Rennstart eingespielt wird, zu den Ohren herauskommt.

Die Anpassungsmöglichkeiten für den Geschmack des Spielers sind ebenfalls begrenzt. Zwar lassen sich für unsere Agenten neue Skins freispielen, dies bleibt jedoch weit hinter den Optionen zurück, mit denen wir unsere Spielfigur in Saints Row 4 ausstatten konnten. Denn dort führte mein erster Weg grundsätzlich in ein Kleidungsgeschäft, wenn ich ein neues Spiel begann.

Agents of Mayhem

Vorbesteller durften sich über zusätzliche Kostüme für die zwölf Agenten plus Johnny Gat als 13. Bonusagenten freuen.

Immerhin bietet Agents of Mayhem nach erledigter Hauptstory ein echtes Feature zur Wiederholung von Storymissionen an, etwas das mir in den letzten beiden Saints Row-Teilen stets gefehlt hat. Dafür hat sich Volition diesmal gegen einen Coop-Modus und damit für ein reines Singleplayer-Konzept entschieden. Wer also darauf gehofft hatte, gemeinsam mit einem Freund Chaos in Seoul zu stiften, wird enttäuscht sein.

Agents of Mayhem kann nicht ganz mit seinen direkten Vorgängern mithalten. Dabei ist allerdings trotzdem ein verdammt spaßiges, unterhaltsames und qualitativ hochwertiges Action-Spiel herausgekommen, das sich wahrlich nicht im Schatten des großen Bruders Saints Row verstecken muss. Ein paar kleinere Mankos gibt es, doch die trüben den Spielspaß kaum.

Gut

  • abgedrehter Humor
  • jeder Agent macht Spaß und besitzt eine einzigartige Spielweise
  • Schwierigkeitsgrad ist extrem variabel und schützt so vor Frust
  • extrem liebevoll gestaltete Cutscenes und Nebencharaktere
  • vielfältiges Gegnerdesign
  • tolle Hommage an die Action-Shows und Cartoons der 80er und 90er

Schlecht

  • extremes Recycling im Leveldesign
  • Open-World-Elemente wirken steif und leblos
  • kein Koop-Modus
  • wenig Customization
8.3

Sehr gut

Michael Lucas
Historiker mit einem Faible für Fantasywelten, RPGs, Anime und MLP.

Kennwort verloren