Rise of Nightmares

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Rise of Nightmares
Rise of Nightmares

Wer kennt nicht folgenden Klappentext auf den üblichen Sleazy Slasher Direct to DVD Filmen aus der Videothek “ Eine Gruppe jugendlicher verirrt sich auf dem Weg zu einer Party in einem Wald der ein dunkles Geheimnis birgt“. Ändert man die Gruppe Jugendlicher zu einem Pärchen, so hat man dann auch gleich die Story zu Rise of Nightmares auf dem Schirm.

In Rise of Nightmares seid ihr Josh, ein amerikanischer Youngster mit einem kleinen Alkohol- sowie Beziehungsproblem. In einem Zug der quer durch Rumänien tingelt, ja die osteuropäischen Regionen sind mächtig im kommen was Torture Porn angeht, werdet ihr von eurer Freundin zur Rede gestellt, als euch ein Flachmann aus dem Mantel kullert. Verdammte Alkis, nicht mal das können sie verheimlichen. Eure Freundin zieht daraufhin von dannen und nach einer kurzen Rekapitulationsphase stellt ihr fest “ Verdammt ich lieb Dich“ und so macht ihr euch auf den Weg, das Herz eurer Holden zurückzugewinnen. Leider werden wir auf dieser Herzensmission von einer Kartenlegerin der Marke „Braindead, Lionell your mother ate my Dog“ aufgehalten die unheilvolles zu berichten hat. Nach diesem Intermezzo finden wir uns in blutverschmierten Waggons wieder, die zu allem Überfluss auch noch entgleisen. Willkommen in Rise of Nightmares dem grotesken Kinect Metzler mit Alptraumgarantie.

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Treue tvgc.de Leser haben es zur gamescom mitbekommen. Ich war mehr als nur begeistert von Rise of Nightmares und konnte den Release kaum noch abwarten. Nun durfte ich als Spieleimporteur friedliche Stunden mit diesem Titel verbringen und könnte fast 1 zu 1 meine Preview wiederholen, was aber nicht Sinn der Sache wäre, daher werden wir doch gleich etwas auf die Features eingehen und schauen ob man mit Rise of Nightmares Kalorien verbrennen kann.

Rise of Nightmares ist ein Kinect Titel an dem sich wohl die Geister scheiden werden. Einerseits ein neues Konzept ohne bunte Minispiele und Tanzeinlagen, so dass nichtmals ein Kevin Butler aus dem Sony Lager wagen würde, hier die Kinect Kritikkeule zu schwingen. Auf der anderen Seite die Spieler, die wohl peinlich berührt sein werden von Rise of Nightmares. Denn das große Problem bei diesem SEGA Titel ist die Bereitschaft der Spieler, mordlüsternde Bewegungen auf den Bildschirm zu übertragen ohne dabei in einen seelischen Zwist zu geraten. So stellte ich bei meinem Test fest, dass es manchen Spielern eine gewisse Überwindung kostete, eben die Bewegungen einer Heckenschere oder geschwungenen Axt zu simulieren ohne sich dabei an die Stirn zu fassen oder ein „Komm lass uns was anderen spielen“ verbal zu entrichten.

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Rise of Nightmares ist daher selbst für volljährige Spieler nicht unbedingt allgemein geeignet. Denn anders als die Distanz in anderen Shooter, wo man teilweise in einem Panzer sitzt und einfach nur auf entfernte Ziele schiesst, muss man sich hier direkt mit Gegnern und den aus Schlägen und Tritten resultierenden Konsequenzen auseinander setzen. Hier gebe ich auch zu, dass ich Rise of Nightmares tatsächlich eher geniessen konnte, als ich alleine war. Bei einer Gruppe von Spielern hat man ständig das Gefühl im Nacken “ Was denken meine Freunde von mir, wenn ich diese Axt in den Schädel der Zombiekrankenschwester ramme und noch netterweise nachtrete oder nachschlage“?.

Das Problem ist ebenfalls, dass die Gewalt sehr drastisch ist und eben nicht auf der Comedy Schiene fährt. Es gibt ja immer die Waagschale für Blut und Gewalt in Spielen, will man es absolut Comichaft übertreiben, so lässt man es einfach suppen. Will man aber einen gewissen Realitätsgrad erhalten, so reicht es, zwar viel Blut spritzen zu lassen, aber dieses in einem eher realistischen Ausmaß zu präsentieren, sprich dezenteres Rot. So splattert es in Rise of Nightmares zwar ordentlich, aber es wirkt eben doch recht nachvollziehbar, was die gesamte Bewegungskillermechanik nochmals auf ein bis dato unerreichtes Level des Makabren führt.  Von der Gewaltschraube kann man Rise of Nightmares eigentlich nur mit Manhunt vergleichen. Das Team der House of the Dead Serie hat es hier nochmals geschafft, den eigenen Bodycount nochmals um ein paar Levels zu erhöhen.

Die Kinectsteuerung funktionierte zumindest in meinen Spielsessions fast ausnahmslos flexibel und wirklichkeitsnah. Das einzige Manko ist allerdings ab und an eine gewisse minimale Verzögerung zwischen Handbewegung und digitalisierter Attacke. Am Anfang mag dies noch recht häufig auffallen und störend wirken, allerdings hat man ein gewisses Gespür für diese Art des Lags nach circa 30 Minuten im Blut. Wie schon in unserer Preview erwähnt, ist Rise of Nightmares ein sportlich sehr aktives Spiel, was recht schnell zu Ermüdung führen kann, da man permanent auf Achse ist. Seien es der Laufschritt, das verschiedene Kombinieren von Bewegungen zu Combos oder aber Deckungsspielchen. Man kann sogar einen Falcon Punch aus dem Anlauf starten, wenn man ein bisschen die Bewegungen abpasst und koordiniert. Türen werden in Rise of Nightmares nicht auf die herkömmliche Art und Weise geöffnet, sondern man tritt diese durch Fussbewegungen ein. Dazu ein konstantes Schwingen der Arme und permanentes Ausholen von Schlagbewegungen führen zu einem recht schnellen Kalorienabbau. Schade dass SEGA hier keinen Kalorienzähler mit in das Spiel eingebaut hat, es wäre auf jeden Fall ein sehr witziges Gimmick gewesen und hätte für ordentlichen Japano Charme gesorgt.

Im Spiel selber hat man es ab und an auch mit SAW Fallen zu tun, denen man durch schnelles reagieren entkommen muss. Als Beispiel seien hier stellvertretend für das Niveau der Gemeinheiten die Pfeilfallen erwähnt. Diese verbergen sich hinter Türen, die man unachtsam öffnet. Danach startet ein realistisch kleines Zeitfenster, um sich im eigenen Zimmer auf den Boden zu schmeissen und der Falle auszuweichen. Hierbei bitte Vorsicht walten lassen, denn ich habe mir beim ersten Mal in die Hocke gehen, aus Versehen das Knie unter das Kinn gerammt, was schmerzhaft war.

Rise of Nightmare ist ein kleines mutiges Kinect Projekt aus dem Hause SEGA, welches auf eine merkwürdige Art und Weise eine gewisse Faszination ausübt und in keiner Kinect Sammlung fehlen darf. Solange ich es noch darf, gebe ich trotz kleiner Macken eine klare Empfehlung für Rise of Nightmares raus, kaufen solange die Zombies noch frisch sind.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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