Duke Nukem Forever

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Eines gleich vorweg um den Hatern genügend Stoff für Anfeindungen zu geben; ich werde Duke Nukem Forever 10 von 10 möglichen Punkten geben. Wer damit leben kann, kann diese Seite mit gutem Gewissen wieder schließen, alle anderen die wissen möchten warum ich diesen recht außergewöhnlichen Schritt wage, sei diese Review empfohlen.

Über eine Dekade der Running Gag der Vidospielszene und der Medien zugleich. Gefühlte tausend Engine Wechsel, eine Million freche Ausreden von George „We spend the money on Strippers“ Broussard und die Auflösung von 3DRealms. Kann so ein Flickenteppich überhaupt noch dem jetzigen Zeitgeist entsprechen und die gehypten Vorstellungen übertreffen? Nein das kann Duke Nukem Forever in keinster Weise. Die Grafik in Duke Nukem Forever ist weder bahnbrechend, noch schaffen es die Level Layouts, den Charme von Duke Nukem 3D einzufangen. Zumindest was die Erkundungstour im Vorgänger ausmachte und die damit verbundene Detailverliebtheit. In Duke Forever gibt es keinerlei großartige Geheimareale zu entdecken, in welchen man zum Beispiel einen am Galgen baumelnden Mönch findet (Ein Zombie hing am Glockenseil lässt schön grüßen) oder irgendwelche kryptischen Botschaften, in welchen uns der Levellord keck fragt, was wir hier eigentlich zu suchen haben.

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Nein Duke Nukem Forever definiert den Begriff Schlauchlevel und Sterilität. Alles ist fein säuberlich gegliedert von Punkt A nach Punkt B und zwar auf direktem Wege, so wie es unsere Eltern uns zu Schulzeiten immer eingetrichtert haben „Komm direkt und ohne Umwege nach Hause“. Selbst die Musik ist absolut unscheinbar, mal abgesehen vom phänomenalen Intro Song, den ich ab und an sogar nebenher in der Endlosschleife laufen lasse. Wie sieht es denn mit der Gewalt aus, welche den Vorgänger auf den Index setzte? Duke Nukem Forever ist relativ harmlos. Ja richtig gehört, der Duke ist im Angesicht seines Ursprunges, dem Actionfilm Helden Klischee, eher zahm und begnügt sich damit, Gegnern höchstens einmal den Kopf von den Schultern zu treten, was dann aber im Vergleich zu anderen Titeln eher gemässigt präsentiert wird.

Aber dann ist der Duke doch ein Reinfall aller erster Güte, so wie es uns fast die gesamte Videospiel Journalistenriege und ihre fleißigen Reviewkommentatoren weiss machen wollen. FALSCH! Duke Nukem Forever überzeugt auf ganzer Linie, nicht vom grafischen Aspekt, sondern aus soziokulturellen Gesichtspunkten. Was die meisten Reviews hier in einem Anfall aus fast schon infantilem Nörgeln vergessen (ja es gab tatsächlich einige Reviews die dem Spiel 50% gaben, während es andere richtige Rotztitel auf immerhin 60% brachten), ist die Tatsache dass gerade Duke Nukem Forever ein Produkt für die Fans ist, die schon fast ihr halbes Leben oder sogar noch länger auf diesen Titel warten. Hier geht es nicht um grafischen Anspruch, sondern darum, dass eine Ära hiermit ihr endgültiges Ende in einem positiven Sinne gefunden hat.

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Ich kenne kein Spiel, welches die Videospieler so zusammengeschweisst hat, wie Duke Nukem Forever. Nintendo, Sony und Microsoft versuchen mit ihren Konsolen ein Gemeinschaftsgefühl bei den Spielern zu entwickeln, was selten wirklich fruchtet. In Foren hauen sich grenzdebile Fanboys zu irgendwelchen Titeln die Schädel ein, ob es auf der PS3 besser aussieht oder auf der Xbox360. Duke Nukem Forever hat das fast schon einmalige Kunststück geschafft, dass sich sonstige Fanboys zusammengerissen haben und sich stattdessen gegenseitig erzählten, was sie wohl tun werden wenn sie das Spiel dann endlich in ihren Händen halten dürfen. Ich bin wahrlich kein Freund von GameStop, aber ich musste wirklich lachen als eine sehr gute Freundin von mir sagte „Ich gehe mir nie Spiele kaufen, aber für Duke Nukem Forever stehe ich um 10 Uhr auf der GameStop Matte“.

Dies ist genau das Phänomen, welches wir Europäer sehr häufig in Akihabara sehen, wenn es mal wieder in Japan heisst, dass eine neue Konsole in den Händlerregalen liegt. Und genau diese Erfahrung können einige der „Besserwisser“ (Hater genannt) einfach nicht verstehen. Sämtliche Reviews die ich mir ansah, strotzten nur so vor Nörgelei auf dem allerhöchsten Niveau. Ich zitiere einen amerikanischen Freund von mir „Now that it was finally coming out, everyone had to get the hate cap in on it. Its becoming more about how much you could hate Duke Nukem Forever and not anything to do with the game itself at all“. Zumal deren Tendenz schon von vorneherein dem Prinzip des Crowd Teasers unterlag. Man will ja besonders erwachsen sein, wenn man es dem Duke mit seinem eher sexistischen Humor mal so richtig geben kann. Sehr häufig las man dann ja auch so euphemistische Umschreibungen wie „Worst Game of all time“ „Größte Enttäuschung“. Für mich eher langweilig, da man als imdb.Pro User ja unter fast jedem Film diese Taglines lesen kann.

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Darf ich einfach mal in die Runde fragen, was man von einem Titel erwartet, dem über eine Dekade sehr übel mitgespielt wurde und der so ziemlich alles mitgemacht hat, was in der realen Welt fast schon unmöglich zu überleben ist? Die Ironie ist scheinbar ebenfalls nicht erfasst worden, denn wir erinnern uns an die letzte und finale Releaseverschiebung, welche von sämtlichen Fans nicht gar mit dem üblichen „Wääääähhhhhh Boykottieren wir diese Arschgeigen, die verarschen uns doch nur“ quittiert wurde. Stattdessen wurde diese kleine Aktion als das gewürdigt, was sie eigentlich war, nämliche eine Hommage an Dukes Leitmotiv „ Always bet on Duke“ welches man hier mit einem Augenzwinkern verstehen muss. Denn nun erhielt dieser Running Gag ein allerletztes Mal seinen großen Auftritt um danach endgültig die Ära „Duke Nukem Forever: Its done when its done“ zu beenden.

Ein weiterer Kritikpunkte in etlichen Reviews, oder wie man es auch nennen mag, war der Multiplayer, welcher Achtung Zitat „Nichts neues bietet ausser Deathmatch und Capture the Flag“. Diese Aussage hat mich persönlich stutzig gemacht, denn genau diese Leute sagen bei jedem Call of Duty wie „Ach so toll der Multiplayer doch ist“. Ganz genau, denn Capture the Flag und Deathmatch sind hohe philosophische Hintertürchen die einen geradezu wahnwitzigen Gamerorgasmus hervorrufen. Der Multiplayer in Duke Nukem Forever ist ein Multiplayer wie jeder andere auch. Hier werden wohl bei keinem Spiel Räder neu erfunden, damit muss man sich abfinden und sollte gerade diesen Aspekt nicht als Kritikpunkt auffassen, denn im Vergleich zu anderen Titeln wurde hier immerhin der Duke Humor in den Multiplayer involviert. Es mag schon sein, dass bei mir eine gewisse Fanboy Penetranz die Oberhand beim schreiben der Zeilen gewonnen hat, aber wenn man ganz ehrlich ist, jeder Konsolenspieler, der den Duke mag, hätte sich doch glatt einen PC für diesen Titel gekauft.

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So kann ich abschliessend nur sagen, dass ich die 10 Punkte aus voller Überzeugung gebe, weil ich Duke Nukem Forever als genau das sehe, was es ist; ein soziokulturelles Phänomen, welches die Kindheit und fast ein halbes Leben lang der Begleiter von vielen Spielern weltweit war, die bis zum Release immer zu diesem Titel gehalten haben. Ausserdem hat der Titel einfach irgendwo einen gewissen Charme, den man einfach nicht in Worte fassen kann. Vielleicht hat der Duke auch nur so schlecht abgeschnitten, weil sich nun viele Leute vielleicht zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht haben, dass wir alle älter werden und 14 Jahre eine Hausnummer in Lebensjahren darstellt. Mein Appell ist simpel; geben wir dem Duke einfach die Ehre die er aus Sicht von 14 Jahren Entwicklungszeit verdient hat, denn wir werden wohl zwei Dinge nie mehr erleben, zum einen nie wieder ein Millenium und zum anderen, nie wieder einen Titel, der über eine Dekade Entwicklungszeit benötigt.

In diesem Sinne „Always bet on Duke“.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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