Corpse Party Blood Covered (PSP)

Hannah Gottfried
Kolumnen

Es ist soweit. Ich wage mich an meine erste Visual Novel. Um es gleich vorweg zu sagen: „Corpse Party“ ist kein klassisches VN, es ist mehr Spiel als Erzählung, darauf komme ich aber später noch einmal zurück.

Corpse Party Blood Covered ist ein 16-Bit Game für die PSP und es gehört eindeutig zum Horrorgenre. Viele werden sich jetzt fragen, wie ein 16-Bit Spiel gruselig sein kann, aber es ist es. Dieses Spiel ist ein Paradebeispiel dafür, dass Grafik nicht immer das Allerwichtigste ist um eine bestimmte Atmosphäre zu erzielen. Corpse Party hat mittlerweile nicht nur in Japan eine sehr große Fangemeinde. Neben den erfolgreichen Spielen existieren noch ein Corpse Party-Manga, ein Anime und viele Soundtracks.

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Aber nun zum Anfang. Alles ist erst mal ein bisschen klischeehaft. Eine Gruppe Schüler hält sich nach einem Fest noch in der Schule auf. Es ist der letzte Tag von Mayu die kurz vor einem Schulwechsel steht. Alle sind sehr traurig darüber, aber die esoterisch angehauchte Ayumi hat da eine Idee. Im Internet hat sie eine Art Ritual gefunden, dieses wollen sie nun zum Abschluss durchführen, als Zeichen ihrer Freundschaft. Sogar die Klassenlehrerin macht mit.

Leider geht dieses Ritual unglaublich schief und die Gruppe findet sich nun in der Heavenly Host Elementary School verteilt wieder. Diese Schule wurde jedoch vor 30 Jahren abgerissen, da vier Grundschüler entführt, misshandelt und getötet wurden. Ziel der Jugendlichen ist es nun, sich wieder zu vereinen und dann gemeinsam einen Weg aus diesem Albtraum zu finden. Aus Spielersicht erfolgt dieser Versuch abwechselnd. Man spielt jeweils pro Kapitel einen anderen Charakter. Oftmals wird auf Teamdynamik gesetzt, so dass zwei Schüler ein Kapitel zusammen abschließen müssen.

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Ich schlüpfe zuerst in die Rolle von Naomi an der Seite von Seiko. Nach einer Szene können wir uns frei in der gruseligen Schule bewegen und gehen erst mal in einen zufälligen Raum. Dort befindet sich ein Geist, der auch in der Schule gefangen ist und uns sogleich einen Tipp gibt: Wir sollen nicht die Zeitung lesen, die auf dem Boden liegt. Ich höre aber ungern auf Geister, die etwas dubios daherkommen und lese daher erst recht die Zeitung. Darin steht mehr über den Mord an den Grundschülern. Plötzlich flackert das Licht und überall erscheinen Botschaften in Form von „Lass mich raus, lass mich raus!“ und „Du kannst diesen Raum nie wieder verlassen.“ Na super. Nach einigem Ausprobieren stelle ich fest, dass ich tatsächlich nicht den Raum verlassen kann und starte das Spiel neu. Dieses Mal lese ich übrigens nicht die Zeitung.

In Corpse Party muss man viele Entscheidungen treffen, die entweder zu einem guten oder zu einem Wrong End führen; im Laufe des Spiels werde ich das letztere öfters über den Bildschirm flackern sehen. Das Spiel hat wirklich eine düstere Stimmung und aufgrund der vielen Dialoge und Szenen kann man sich richtig gut in die Protagonisten hineinversetzen. Aber auch kleine, lustige Momente hat dieses Spiel zu bieten. Ich musste zum Beispiel wirklich lachen als Seiko Naomi fragt, ob sie denn die Hämorrhoiden-Creme dabei hätte, besonders da bei dem Spiel Sitzfleisch gefragt ist.

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Natürlich hat Naomi diese dabei und Seiko verzieht sich erst mal auf die Toilette. Diese würde ich übrigens niemals benutzen, dann sterbe ich lieber, weil sich mein Blut in Urin verwandelt.

Doch nach diesem kleinen Lacher kommt auch schon der erste, richtige Schockmoment. Ich klappere also die Toilettentüren ab und ja, eigentlich weiß ich, dass etwas passieren wird. Damit hatte ich aber nicht gerechnet. Nachdem Seiko gefühlte Jahre auf der Toilette verbracht hat, können wir nun endlich weiter spielen. Wir finden Leichenteile, Blutflecken, Bretter und noch mehr Sachen, die man in einer Grundschule nun mal so findet. Plötzlich verletzt Naomi sich am Fuß und die beiden suchen die Krankenstation auf. Würde natürlich jeder so machen.

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Nach einer etwas längeren Szene steuert man Naomi, die sich nun alleine auf der Krankenstation befindet. Sie möchte Seiko suchen gehen, aber die Tür ist verschlossen. Plötzlich taucht ein Geist auf. Ich merke schnell: Man darf den Geist nicht berühren, sonst ist unsere Naomi mausetot. Da kommt auch schon der erste Minuspunkt, die Steuerung ist wirklich schrecklich, man kann dem Geist kaum ausweichen. Nach gefühlten Stunden habe ich es tatsächlich geschafft, das Spiel geht weiter. Doch leider endet es mit einem Wrong End…

Also spiele ich es noch drei weitere Male und bekomme immer wieder das schlechte Ende zu sehen. Eigentlich mache ich sowas nicht, aber ich habe mir dann tatsächlich einen Walktrough durchgelesen und festgestellt, dass ich am Anfang die Zeitung hätte lesen müssen: Es ist Teil des Spiels dass man 10 Minuten in diesem Raum festsitzt und nichts tun kann.
Mit diesem neuen Wissen spiele ich das Spiel also noch einmal, und siehe da: Ich habe das erste Kapitel überstanden.

Mein Fazit: Corpse Party ist wirklich ein tolles Spiel und für Anime- und Horrorfans ein Muss. Seid euch jedoch darüber im Klaren, dass einige Dialoge und Szenen den Spielablauf bestimmen – wie bei einer Visual Novel üblich –  trotzdem ist Corpse Party mehr ein Spiel als endloses Text-Geklicke.

Wer lieber eine klassische Visual Novel zocken möchte, der kann sich Narcissu oder Katawa Shoujo runterladen. Katawa Shoujo ist ein Fanprojekt von 4chan und deswegen gibt es das Spiel kostenlos.

Ich für meinen Teil muss gestehen dass ich nicht wirklich ein Fan von Visual Novels geworden bin. Wenn ich spielen will, will ich einfach nur spielen und mich nicht eine Stunde durch Texte wühlen bevor ich etwas zur Story durch Entscheidungen beitragen kann. Erst recht nicht, wenn letztere nur aus stumpfem Geklicke bestehen.

Aber an alle, probieren geht über studieren! Und Corpse Party hat aus meiner Sicht ein imaginäres Top-Sternchen verdient.

 

Hannah Gottfried
Videospiele- und Anime-Fan der ersten Stunde auf der Suche nach dem Sinn des Ragequits.

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