White Knight Chronicles 2

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White Knight Chronicles 2

Wer sich ein wenig mit der Spielehistorie der Softwareschmiede Level 5 befasst hat, der wird feststellen, dass hier einiges anders ist, als bei der Konkurrenz. Seien es die Professor Layton Titel, welche das Thema Kinderrätsel nett und ansprechend verpacken oder aber die Dragon Quest Serie, welche durch ihre Dragon Ball Optik reichlich Fans an Land ziehen konnte. So fällt White Knight Chronicles ebenfalls in die Kategorie „Was muss ich eigentlich machen hier“.

Anders als bei der Final Fantasy Reihe, wo jeder Titel alleine gespielt werden kann und keinerlei Vorgängerwissen benötigt, geht White Knight Chronicles in die entgegengesetzte Richtung. Hier wird von Level 5 ein gewisser Franchise Lokalpatriotismus vorrausgesetzt. Denn um überhaupt zu begreifen was eigentlich los ist, ist es absolut wichtig den Vorgänger gespielt und vor allen Dingen abgeschlossen zu haben. Die Ereignisse in White Knight Chronicles 2 schliessen nämlich an den Vorgänger an. Vergleich mit Halloween und Halloween 2, die ja auch direkt hintereinander spielen. Da man sich dieses Umstands wohl auch bei Level 5 bewusst war und White Knight Chronicles als Franchise plant, kommt es daher auch nicht gerade ungelegen, dass der Erstling ebenfalls auf der Blu-.ray zu finden ist. Sogar in einer geremastered. Ein zusätzlicher Boost aus Marketingsicht, da der Erstling leider nicht von vielen Spielern dankend aufgenommen wurde.

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Die Story liest sich wie ein Leitfaden aus dem Buch „Wie erstelle ich eine RPG Geschichte „ für Anfänger. Wie immer geht es um Missgunst im Adelsgeschlecht und das obligatorische „Ich will die Welt erobern“ des Antagonisten. Grazel, so der Name unseres Widersachers bedient sich einer uralten gottgleichen Macht um Schande und Elend über das Königreich zu bringen. Statt aber mit einer Armee dem guten Grazel einen Denkzettel zu verpassen, werden wir und unsere kleine Stereotypenclique auf diese Mission geschickt. Alles also Routine für Rollenspielkenner.

Direkt zu Beginn wird klar, warum der Erstling mit auf der Scheibe ist. Denn als Spieler hat man die Möglichkeit, direkt das Spiel zu starten, mit sämtlichen Ausrüstungsgegenständen aus dem Erstling, sofern man diesen gespielt hat. Wer sich daher nicht die Frustration antun möchte, etwas leicht unterlegen zu sein, der sollte einfach mit dem Erstling starten und sich hinterher freuen, einen so leichten Einstieg in den Nachfolger geschenkt zu kriegen. Alle anderen, die auf ein langes Vorgeplänkel keine Lust haben, dürfen sich am Charakter Editor versuchen, bei dem man sich den eigenen Helden nach Wünschen zusammenstellen kann. Da der Editor aber eher einem steifen britischen Teezeremoniell ähnelt, wird wohl niemand großartig mit den zahlreichen Funktionen spielen, sondern direkt auf weiter drücken, um endlich ins Hauptspiel zu kommen. Hier wurde offensichtliches Potential verschenkt.

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Das Kampfsystem ist im Vergleich zum Vorgänger bestenfalls marginal verbessert worden. Die Kämpfe finden in Echtzeit statt, sind aber zu konservativ inszeniert worden. Effekthascherei oder großes Final Fantasy Spektakel sucht man hier vergebens. Attacken mit Waffen werden sehr dezent untermalt und wirken hier leicht kraft – und saftlos. So drischt man in die Gegner ein, als sei dies eine Pflichtveranstaltung in der Schule. Das gleiche gilt für sämtliche Zaubersprüche, deren Namen sich dramatischer anhören, als sie auf dem Bildschirm ausgeführt werden. Warum Level 5 hier nicht die Performanceschraube übertaktet hat, ist ebenfalls ein Rätsel und wirkt verwirrend, da zum Beispiel Levelumgebungen und Charakterdesigns sehr gut umgesetzt wurden und die Essenz eines waschechten Japan-RPG einfangen können.

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Das große Problem an diesem recht interessanten RPG Titel ist der fast schon drohende Hang zur Seriösität. White Knight Chronicles will einfach ernst genommen werden, sowohl von der Story als auch vom Gesamtkonzept. Das konservative und unspektakuläre Gekämpfe auf der einen – und eine im Vergleich großartige Backstory auf der anderen Seite sorgen für einen spielinternen Disput und Geschwanke in der Zielgruppe. Die Ernsthaftigkeit findet ihren Höhepunkt in den sehr erwachsenen Dialogen die über weite Strecken einen gewissen Witz vermissen lassen. Daher ist White Knight Chronicles ein Old School Rollenspiel für diejenigen, der fernab von Gaakt Final Fantasy Helden und verstrahlten Wastelandern, einfach mal wieder ein klassisches Rollenspiel spielen möchten, welches sich genau darauf beschränkt, woraus es ankommt; eine ernste und langlebige Story.

White Knight Chronicles 2 ist nicht mehr und nicht weniger als ein klassisches storyorientiertes Rollenspiel für Erwachsene. Jeder der bunte Krach Bumm Effekte sucht, ist hier an der falschen Adresse. Wer sich allerdings mal wieder richtig in eine Story hineinversetzen will, sollte White Knight Chronicles 2 in die Playstation 3 Library aufnehmen.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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