Watch Dogs 2 Test (Xbox One/Playstation 4)

Xbox One Test PS4 PC
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8.5

Sehr gut

Watch Dogs 2 Test (Xbox One/Playstation 4)
Watch Dogs 2 Test (Xbox One/Playstation 4)
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Hack the World and Fight the Establishment. Als Hacker geht es in Watch Dogs 2 ordentlich zur Sache, Tastaturen und Explosionen inklusive. Taucht mit uns ein in das digitale San Francisco!

Watch Dogs erschien vor zwei Jahren und sah sich als ambitioniertes Projekt von Ubisoft mit diversen Problemen konfrontiert. Neben einem sehr uninspirierten und unsympathischen Protagonisten wurde vor allen Dingen der Multiplayer-Modus kritisiert. Statt die IP aufzugeben, hat man sich die Kritik zu Herzen genommen und liefert mit Watch Dogs 2 nun ein sehr gutes Spiel ab, das zu gleichen Teilen Stealth, Action und Hacking beinhaltet. Gerade als Kind der 90er entdeckt man viele Anspielungen an Filme und Spiele.

wd2_sc1_proximity_triggerMit Marcus Holloway haben wir einen Protagonisten dessen Mission daraus besteht, das Establishment zu bekämpfen und die Ethik der Hacker zu retten. Diese Story wirkt erfrischender als der Rachefeldzug des Helden in Watch Dogs. Dabei hilft ihm das Hacker-Kollektiv DEDSEC, das ein bisschen an die Crew aus dem 90er-Jahre-Film Hackers erinnert. Kurzes Memo an euch: den Film unbedingt gucken und genießen.

Die Story entwickelt sich im Laufe des Spiels von einem Abenteuer in den digitalen Sphären San Franciscos zum unerbittlichen Kampf gegen einen Überwachungsstaat, der den Visionen einer Orwellschen Dystopie in nichts nachsteht. Das Establishment will den komplett digitalen und gläsernen Menschen etablieren. Da versteht es sich fast schon von selbst, als ethischer Hacker gegen dieses System in den Kampf zu ziehen. David gegen Goliath 2.0.

wd2_sc1_ann_fakeevidence_1465317841Um sich genügend Street Cred zu verdienen ist es nötig, in gewissen Situationen die Tastatur gegen eine Waffe auszutauschen. Besonders wenn die Waffe aus dem 3D-Drucker kommt. Der feuchte Traum von Waffennarren die keinen Waffenschein besitzen, aber dafür einen 3D-Drucker. Diese Action-Einlagen sind in Watch Dogs 2 Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite hat man ein sehr gelungenes Hacking-System. Man macht sich Informationen zunutze um so die Ziele zu erreichen oder die Aufmerksamkeit von sich zu lenken. Diese Art der Kriegsführung macht richtig Spaß und man hat die Möglichkeit, dadurch clevere Wege zu finden um ans Ziel zu gelangen. Die Schießereien hingegen sind zwar handwerklich gut gemacht, kommen aber nicht an die Klasse der Stealth-Aktionen heran.

wd2__sc3_ann_lombardchase_1465317837Es macht einfach viel mehr Spaß, den nicht tödlichen Weg zu gehen und dabei Drohnen zu benutzen um Sicherungskästen oder Ampelanlagen zu hacken. In diesen Situationen greift das Sci-Fi-Cyberpunk Flair um sich. Man hat ein wohliges Gefühl von 90er-Jahre-Hacker-Idee mit aktuellen Technik-Gadgets. Dieser Spagat ist Ubisoft mit Watch Dogs 2 auf jeden Fall gelungen. Die Feuergefechte mit Gegnern sind, wie man es von Open World Spielen erwartet, routiniert umgesetzt. Man schmeißt sich in Deckung und dezimiert die flankierenden Horden, einen nach dem anderen. Hier muss man erwähnen, dass die KI teilweise taktisch clever vorgeht. Man selbst steckt eher wenig Schaden ein und ist somit darauf angewiesen, sinnvoll Deckung zu suchen. Durch die Möglichkeit, wirklich alles zu hacken, was elektronische Komponenten in sich trägt, kann man den technischen Vorteil der Gegner für sich nutzen. So kann man zum Beispiel Drohnen oder Bomben umprogrammieren oder anhand seiner Macht zur Manipulation andere Gemeinheiten austüfteln.

wd2_screen_bounty_nudle_campus_gc_170816_920am_1471366584Das Open World-Szenario in Watch Dogs 2 ist sehr gut umgesetzt. San Francisco wirkt lebendig, organisch und vor allen Dingen nicht langweilig. Diese Lebendigkeit betrifft auch die fahrbaren Untersätze. Grundsätzlich haben Open World-Titel fast immer das Problem, dass sich Fahrzeuge schlecht bis schwammig steuern lassen. In Watch Dogs 2 haben wir mehr Kontrolle über die Autos – im wahrsten Sinne des Wortes. Durch die Hacking-Mechanik können selbst harmlos aussehende Fahrzeug zu gefährlichen Remote-Controlled-Weapons werden.

Das Hacking einzelner vernetzter Geräte verliert im Laufe des Spiels leider etwas an Fahrt, da man das clevere Konzept oft zugunsten einer Brute-Force-Taktik fallen lässt. In actionlastigen Situationen bleibt kaum Zeit die nicht tödliche Variante zu wählen und so greifen wir automatisch zu Explosionen und Waffen. Hier wäre es besser gewesen, den Actionpart des Spiels zugunsten eines erweiterten Stealth-Systems zurückzufahren. Auf der anderen Seite macht es unheimlich Spaß, dem Establishment kleine Nadelstiche zuzufügen, die zum Zusammensturz führen könnten. Die Message des digitalen Krieg gegen das Establishment wird im Spiel auf der Metaebene als auch durch diverse Referenzen zum realen Leben aufgezeigt. Ein bisschen politisch hier und da, aber ohne einen erhobenen moralischen Zeigefinger.

wd2_sc4_alt_ann_reveal_1465317840Story-Missionen in Watch Dogs 2 spielen sich glücklicherweise konstant nach Open World-Manier. Es existieren keine Schlauchlevel oder forcierte Wegpunkte, die einem die offene Welt nur vorgaukeln. Ziel von Missionen ist es zum Beispiel, Informationen zu beschaffen, die man auf verschiedenen Wegen akquirieren kann. Wobei hier der Stealth-Hacking-Weg grundsätzlich der spaßigere und clevere ist.

Watch Dogs 2 hat ein spannendes Hackingsystem, eine interessante Story und viel Humor im Gepäck. Im Vergleich zum Vorgänger hat Ubisoft eine ganze Schippe draufgelegt und bietet so einen Titel an, der mit guten 35 Stunden Singleplayer-Modus einen enormen Umfang bietet. Ebenfalls überzeugen kann die offene Welt von San Francisco und der Metahumor. Mit einem qualitativ hochwertigen Sequel wie Watch Dogs 2 sollte ein Watch Dogs 3 definitiv möglich sein.

Gut

  • Spaßige Hackerelemente sorgen für eine packende Atmosphäre
  • Offene Welt bietet viele Möglichkeiten
  • Angenehmer Humor mit Bezug zu realen Begebenheiten
  • Umfassende Story und motivierend

Schlecht

  • Geballer hätte reduzierter ausfallen können
  • Protagonist sehr leicht verwundbar, was manchmal das Spiel erschwert
8.5

Sehr gut

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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