Wasteland 2: Directors Cut Test

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9.1

Großartig

Wasteland 2: Directors Cut Test
Wasteland 2: Directors Cut Test
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Die Mutter aller dystopischen Rollenspiele erhält ihre Konsolenportierung; stilsicher im Director´s Cut. Wir haben uns Wasteland 2 angesehen und uns mit den Texas Rangers in wilde Schlachten gestürzt.

Im letzten Jahr erschien Wasteland 2, als Kickstarter-finanziertes Projekt, auf dem PC. Der Titel, der – nicht ohne wenig Vorschusslorbeeren – ein totgeglaubtes Genre wiederbeleben sollte, schlug ein wie eine Bombe und feierte Erfolg, sowohl bei den Kritikern als auch bei Spielern. Eine Gruppe von Spielern hingegen ging allerdings bis dato leer aus; die Konsoleros. Doch damit ist nun Schluss, denn Wasteland 2 rockt nun auch endlich Next Gen Konsolen.

Wasteland 2 Screen 3

Postapokalyptische Szenarien beflügeln schon immer die Fantasien von Spielern. Die Idee, als einziger Überlebender durch eine kaputte Welt zu laufen und dem Verfall der Zivilisation zuzuschauen, sorgt sowohl für einen wohligen Angstschauer als auch für ein Gefühl der Erhabenheit; schliesslich hat man bis jetzt überlebt. Das Spiel beginnt mit einer sehr authentischen Eröffnungssequenz, die von ihrem Ambiente her an Mad Max erinnert und einen gewissen Trash-Charme versprüht. Man übernimmt daraufhin die Rolle eines Rangers, der sich natürlich noch bei General Vagas beweisen muss. Der Charakter, den man verkörpert, entspricht entweder einem vorgefertigten, oder aber man kann sich selber eine Spielfigur erstellen, welche durch diverse Attribute abgebildet wird, die formal vielleicht unwichtig erscheinen, im Spiel selber aber ihre Daseinsberechtigung erhalten. Mein Charakter ist weiblich, hört auf den Namen Veronika, ist Buddhistin und trägt passend zu einem Rucksack einen Rock und Boots. Der Erstellung einer Spielfigur sind in Wasteland 2 kaum Grenzen gesetzt.

Wasteland 2 Screen 2

Interessant wird der Editor, wenn es darum geht, Attribute auszubilden, die das Überleben in den Wastelands sichern sollen. Hierbei ist nur eine sehr begrenzte Anzahl an Punkten verfügbar, die man weise auf verschiedene Zweige verteilen sollte. Man sollte sich Zeit lassen, denn alle Entscheidungen können im Verlauf der Geschichte von einem Vorteil zum Todesurteil mutieren. Zum Beispiel ist ein Schrotflintenkönig zu Beginn vielleicht das Nonplusultra, wenn es aber um filigranere Dinge geht, wie in Dialogen zu überzeugen, nutzt es eben nichts wenn man sich nur artikulieren kann wie ein Bauer auf dem Dorffest nach 5 Kurzen. Wasteland 2 macht einfach mehr Spaß, wenn man sich wirklich die Zeit nimmt, um jeden der selbsterstellten Figuren so auszuarbeiten, dass man im Kollektiv durch Teamwork diverse Aufgaben lösen kann.

Dass sich Wasteland 2 vor den guten alten Retrozeiten verneigt, wird zu Beginn des Spiels sichtbar. Hier steht statt Checkpoints und Action erstmal das aufmerksame Lesen von Informationen im Vordergrund. Aufmerksam lesen ist hier nicht nur eine hohle Phrase, sondern essentiell für das Spiel selber. Zum einen, weil die Geschichte spannend ist und zum anderen, da wichtige Informationen in Textpassagen versteckt sind. Diese Infos, wenn man sie gelesen hat, bringen andere Dialogmöglichkeiten auf den Schirm. Man merkt gerade an diesen spieltragenden Elementen, dass InXile hier eine klare Linie verfolgt und Fanservice im Auge hat. In den Dialogen und den zu lesenden Texten wird auch schnell klar, dass ein sehr schmaler Grad zwischen zwei Entscheidungen liegen kann – pielt man den Klugscheisser oder küsst man den Hintern vom Dialogpartner. Jede Entscheidung beeinträchtigt den weiteren Spielverlauf. Gerade als Konsolenspieler sollte man dankbar dafür sein, eine pure klassische PC-Spieleerfahrung auf Konsole machen zu können.

Wasteland 2 Screen 1

Die Spielerfahrung in Kämpfen läuft in der Iso-Perspektive rundenbasierend ab. Hierbei hat jede Figur der Truppe einen gewissen Rahmen an Aktionspunkten zur Verfügung, die gegen Aktionen eingetauscht werden können. Die Handlungen reichen von Bewegung über Kampf, bis zu speziellen und filigranen Aktionen wie Heilung oder in Deckung gehen.

Abstriche muss man auf der grafischen Seite machen. Die Spielfiguren sehen von oben betrachtet eher wenig detailreich und leicht steril aus. Die Umgebung allerdings wirkt authentisch und sieht sehr gut aus. Zur Ehrenrettung sollte man allerdings erwähnen, dass der grafische Aspekt bei einem Titel wie Wasteland 2 bestenfalls drittrangig ist. Für mich eine erfrischende Erfahrung. Kommen wir nun aber zu den Punkten, die den Directors Cut im Speziellen ausmachen.

Im Directors Cut befindet sich ein komplett überholtes neues Voice Acting, das definitiv stimmiger daherkommt als zu Beginn. Grafische Veränderungen ziehen sich ebenfalls durch das gesamte Spiel. Hierbei wurden einige Details stark verbessert, aber andere Veränderungen entschärfen ein klein wenig das dystopische Flair. Hier seien Pflanzen und Gräser erwähnt, die es ab und an zu sehen gibt, statt nur grauer und brauner Flächen. Diese Details werden allerdings nur Spielern der ersten Stunde auffallen.

wasteland 2 screen 4

Das größte Lob stellt die Umstellung von Tastatur auf Gamepad dar. Hier hat man bei InXile hervorragende Arbeit geleistet. Nach einer sehr kurzen Eingewöhnungszeit funktioniert das Handling sehr gut und geht ebenfalls leicht und intuitiv von der Hand. Gilt es eine bestimmte Aktion auszuführen, Computer hacken oder Schlösser knacken zum Beispiel, kann durch Druck auf die Schultertasten ein Aktionsrad herbeigeholt werden. Dinge wie Inventarmanagement funktionieren ebenfalls auf diese Art und Weise. Durch die Schultertasten switcht man zwischen den einzelnen Akteuren der Party hin und her. Dabei ist von der Schnelligkeit her kaum ein Unterschied zur Charakterauswahl am PC festzustellen.

Neu hinzugekommen sind die sogenannten „Quirks“ – kleine sehr spezielle Charaktereigenschaften, die bestimmte Einflüsse auf den Spieler haben, negative und positive. Aber auch hier gilt, dass man wirklich vorsichtig sein und Kosten und Nutzen definitiv abwägen sollte. Auch das Precision-Aiming, welches man aus der Fallout-Serie kennt, findet sich im Directors Cut wieder.

Wasteland 2: Directors Cut ist die ultimative Wasteland 2 Version, die man selbst dann spielen sollte, wenn man das Grundspiel vor einem Jahr bereits durchgespielt hat. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Gut

  • Dichte Atmosphäre
  • Sehr langes Spielvergnügen

Schlecht

  • Teilweise schwer
9.1

Großartig

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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