Videospielkultur vs. Realität: Eine Ausstellung sorgt für Klarheit

Miguel Bethke
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Sponsor Nintendo lädt Spieler aus aller Welt ein, sich online mit Ausstellungsbesuchern zu messen

Spaß haben, spielen, kreativ sein, womöglich neue Freunde und mehr gewinnen und zugleich sein Wissen erweitern: extralife – eine Ausstellung zur Videospielkultur im Kunsthaus Nürnberg vereint jetzt das Angenehme mit dem Nützlichen. Vom 9. Oktober bis 22. November wirft sie einen ungewohnten Blick auf das Phänomen Videospiel. In fünf Ausstellungs-Räumen geht sie der Frage nach, wie dieses Phänomen Kunst und Kultur beeinflusst und seinerseits davon beeinflusst wird. Der Kurator Dr. Patrick Ruckdeschel beschränkt sich dabei nicht auf die trockene Theorie. Vielmehr eröffnen sie den Besuchern vielfältige Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Sie können sich beispielsweise in Wii U-Spiele stürzen und an globalen Online-Turnieren teilnehmen, die Hauptsponsor Nintendo ausrichtet. Die Besucher können Bilder bestaunen, die mit Hilfe der TV-Konsole Wii U entstanden sind und selbst solche Bilder erschaffen. Und nicht zuletzt können sie dank eines umfangreichen Rahmenprogramms noch tiefer in die junge Kunstform Videospiel eintauchen.

„Videospiele sind eines der faszinierendsten Medien unserer Zeit“, sagt Kurator Dr. Ruckdeschel. „Sie sind nicht nur eine Kunstform mit ureigenen Ausdrucksformen und atemberaubender Ästhetik, sondern auch ein lebendiger Bestandteil unserer Gesellschaft und Kultur.“ Bis November haben die Besucher des Kunsthauses die Chance, dieser Wechselwirkung auf die Spur zu kommen. Extralife befasst sich mit der Ästhetik und der Anziehungskraft von Videospielen ebenso wie mit ihren Erzählweisen und ihren Spin-Offs in der eigenen Subkultur, mit ihren Grenzen, aber auch mit ihrer Grenzenlosigkeit in Zeiten des Online-Gamings via Internet.

So überspringt extralife im Raum „Competition & Connection“ ganz bewusst die Mauern des Kunsthauses. Dessen Besucher können sich dort mit Videospielern aus aller Welt verbinden und sich packende Wettkämpfe mit ihnen liefern. Die Online-Turniere finden u.a. in den Nintendo-Spielen Super Mario Maker, Mario Kart 8, Art Academy Atelier und Super Smash Bros. für Wii U statt. Wer keine Gelegenheit hat, nach Nürnberg zu reisen, kann dennoch an den Wettbewerben teilnehmen. Im Nintendo-Netzwerk Miiverse informiert Nutzer Zockrates über die Turnier-Termine. Es gibt tolle Preise zu gewinnen, die selbstverständlich auch weltweit zugestellt werden.

Im Raum „Multivision: Ästhetik und Strahlkraft künstlicher Welten“ erwartet die Besucher eine 20 Meter breite, halbkreisförmige Riesenleinwand. Sie versetzt sie mitten hinein ins Universum der Videospiele mit seinen Farben, seiner Musik, seinen Rhythmen – kurz: mit seiner äußeren Schönheit. Ein magisches Erlebnis.

Mit den ganz eigenen Erzählweisen von Videospielen, in denen die Spieler zugleich Publikum und Akteure sind, befassen sich die Ausstellungsmacher im Raum „Interaktion und Narration“. Und im Raum „Jenseits des Spielrahmens“ finden die Besucher Antworten auf die Frage: Wo endet das Spiel und wo geht es über in die Realität?

Um Phänomene, die nicht zum eigentlichen Videospiel gehören, aber von ihm initiiert werden, geht es im Raum „Spin-Offs und Subkultur“. Dazu gehören etwa das Thema Cosplay, die Let’s Play-Videos und andere Kreationen der Videospiel-Community. Mit dieser Community können die Besucher in diesem Raum direkt Kontakt aufnehmen: Sie können eigene Zeichnungen im Miiverse hochladen oder mit den 60 Künstlern in Verbindung treten, deren mit Hilfe von Wii U geschaffene  Zeichnungen die Wände des Kunsthauses schmücken.

Über die Ausstellung hinaus hat das Team um Dr. Ruckdeschel ein breitgefächertes Rahmenprogramm zum Thema Videospielkultur zusammengestellt. Es umfasst Vorträge, Workshops, Filme und interaktive Theaterstücke. Genauere Informationen dazu gibt es auf der Seite www.networks15.de.

Ob man ein passionierter Videospieler ist oder jemand, der sich einfach nur über ein gesellschaftlich und kulturell relevantes Thema informieren möchte, ob es um Wissen geht oder darum, ein wenig Spaß zu haben – der Besuch von extralife lohnt sich in jedem Fall. Auch für alle, die es nicht ins Kunsthaus Nürnberg schaffen und an den Online-Turnieren teilnehmen.

Extralife – eine Ausstellung zur Videospielkultur

Kunsthaus
Königstraße 93
90402 Nürnberg

Dauer: 9. Oktober bis 22. November 2015

Öffnungszeiten: So u. Di-Sa: 10:00 – 18:00 Uhr; Mi: 10:00 – 20:00 Uhr

Infos: www.kunstkulturquartier.de/kunsthaus/ausstellungen/aktuell/

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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