The Witcher 2: Assassins of Kings – Enhanced Edition

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The Witcher 2: Assassins of Kings – Enhanced Edition

Es ist noch nicht lange her, dass wir die Ereignisse in Vizima und die Verschwörung des Großmeisters der flammenden Rose aufgedeckt und den „Salamandra“ das Handwerk gelegt haben.
Und erst vor kurzem, haben wir König Foltest’s Ableben durch einen Assassinen vereitelt. Fortan stehen wir dem König immer zur Seite, als Bodyguard und als „Glücksbringer“, wie der König uns gerne selbst betitelt.

Wir sind mitten in einer Belagerung der Burg der „La Valette“, als es erneut passiert und wir nicht rechtzeitig zur Stelle sein können, um dem König erneut das Leben zu retten. Schlimmer noch, der wahre Täter entkommt und wir werden des Königsmordes bezichtigt. Uns erwartet sicher der Galgen, doch ein Mann will unsere Version der ganzen Geschichte hören. Dieser Mann ist Vernon Roche, Anführer der Spezialeinheit der blauen Röcke. Die folgenden Ereignisse rund um die Belagerung, können wir in verschiedenen Episoden schildern und nachspielen. Es steht uns völlig frei, welchen Teil der Geschichte wir zuerst erzählen wollen. So beginnt der fulminante Einstieg in den Prolog vom neuen Abenteuer Geralt’s dem Hexer, oder auch „Gwynbleidd – der weiße Wolf“. Der nun vor vielen wichtigen Entscheidungen steht, die alle Auswirkungen haben werden. Denn es geht nun darum, den wahren Königsmörder zu finden und zu stellen, um seinen eigenen Namen wieder reinzuwaschen.

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Eine Stimmung für sich

Es dauert nicht lange, bis man merkt, dass man hier in eine glaubhafte, epische Geschichte voller politischer Intrigen und Verschwörungen, in einem finsteren Fantasy-Spektakel geworfen wird, bei dem allen voran, die große Akteure dieser Geschichte gut aussehen. Man spürt, welch eine unglaubliche Liebe zum Detail der Spielwelt, der Schauplätze und der Kostüme gesteckt wurde. Jeder Schauplatz ist mit einem sehr glaubhaften Leben und einer knisternden Stimmung belebt worden. Ein Spaziergang durch den Wald ist genauso atmosphärisch, wie den Leuten auf den Marktplatz beim Mittagsplausch oder in der Taverne zu lauschen. Dabei kann man dann auch eine der besten Grafiken erleben, die ein Xbox360 Spiel je gesehen hartigen Charaktere glänzen. Was vor allem an den wirklich guten Sprechern (sowohl in der englischen als auch in der deutschen Version) liegt. Die Charaktere wirken immer glaubwürdig und man sieht ihnen ihre Emotionen auch an. Aber das Spiel lässt nicht nur diat. Allein die Licht- und Schatteneffekte die durch das Laubdach eines Baumes wirken, sind wirklich sensationell gelungen. Hinzu kommt eine Musikuntermalung, die sich immer gut der jeweiligen Situation anpasst.

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Die Technik hinter dem Hexer

Man muss schon zugeben, dass die Steuerung auf der Konsole wirklich gut gelungen ist, auch wenn man sich anfangs etwas überfordert fühlt. Aber nach einer Eingewöhnung geht selbst der Kampf gegen eine Gegnergruppe wunderbar flüssig von der Hand und Geralt agiert zudem herrlich genau. Es mag sein, dass sich der eine oder andere von den altbackenen Menüs und dem Inventar abgeschreckt fühlt, aber kein Grund zur Panik, denn ich sage immer: „Lieber gut kopiert, als schlecht erfunden!“. Denn die Menüs erfüllen ihren Zweck und sind – nach einiger Eingewöhnung – durchaus praktikabel. Auch die Ladezeiten während des Spielens sind angenehm kurz geraten. Nur bei einigen Gebäuden und vor allem beim Ableben Geralt’s, kommen längere Ladezeiten vor. Die bereits angesprochene gute Grafik, hat auch nur ein paar kleine Fehler, die aber durchaus zu verkraften sind und das Gesamtbild nicht trüben.
Denn sowohl Charaktere, als auch die Landschaft, sehen wirklich fantastisch aus und vermitteln eine unglaublich realistische, stimmige Atmosphäre. Auch wenn einem hier und da manchmal eine gewisse Weitläufigkeit des Geländes vorgegaukelt wird, sind die Levelabschnitte im jedem Akt dennoch ausreichend groß ausgefallen. Man kann sich im Wald auch gerne mal verlaufen. Zudem ist die hiesige Flora und Fauna auch bei Tag- und Nacht aktiv und wandelt sich je nach Tageszeit. Einzig die Übersichtskarte hätte man besser gestalten können oder zumindest mit der Möglichkeit diese beschriften zu können.

Harter Tobak

Man sollte sich von einer Altersfreigabe ab 16 Jahren nicht täuschen lassen: The Witcher 2 ist ein hartes Spiel, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet!
Geralt ist nie zimperlich im Umgang mit seinen Gegnern. Bei betäubten Gegnern, die wir mit einem magischen „Aard“-Zeichen vorher kampfunfähig gemacht haben, kann es recht blutig werden. Denn in den gut inszenierten Finishing Moves, die in einigen Cutscenes filmreif umgesetzt werden, kennt der Hexer kein Erbarmen und keine Grenzen. Die Feinde werden regelrecht hingerichtet, auf verschiedenste, brutale Arten. Später ist dies auch in Gruppen möglich. Geralts Wortschatz ist in manchen Dialogen zudem ziemlich derb und dreckig. Und das ist gut so, denn es passt einfach zu dem Charakter. Alles andere würde fehl am Platze wirken und an seiner Glaubwürdigkeit nagen.

Und selbstverständlich gibt’s einige Sexszenen in The Witcher 2, die mehr nackte Haut zeigen, als man es etwa von Bioware-Spielen („Dragon Age“ oder „Mass Effect“) normalerweise gewohnt ist. Hier kann sich Bioware gerne noch ein ganze Scheibe abschneiden! Diese schönen Momente sind aber nie explizit oder gar pornographisch, die hiesigen Sittenwächter dürfen also ganz beruhigt aufatmen. Trotzdem eine Warnung: Mehrmals behandelt die Story nicht nur ernste Themen wie etwa Rassismus, sondern auch sexuellen Missbrauch. Natürlich ist der Spieler nie aktiv in solche Handlungen eingebunden und die Entwickler gehen auch angemessen ernst damit um, doch das heißt nicht, dass solche Inhalte für jeden Spieler leicht zu verkraften sind.

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Des Hexer’s neue Kleider

Mit der neuen Enhanced Edition bekommt der zweite Teil von „The Witcher“ nun im Vergleich zur vorherigen Version auch einige neue Elemente und Neuerungen mit auf den Weg:

Zum einen wären da das neue Tutorial, das es vorher nicht gab. Für Freunde von besonderen Herausforderungen, wurde ein neuer Schwierigkeitsgrad, der sogenannte „Dark-Mode“ eingeführt, der sich vom Grad her an den „Insane“ richtet, aber dieses mal auch mit der Möglichkeit zu speichern und zu laden. Was auch bitter nötig ist, denn allein ein Schlag in den Rücken Geralt’s reicht aus, um den „Game Over“ Screen zu erblicken. Als Belohnung im „Dark Mode“ winkt dafür aber auch in jedem Kapitel ein sogenanntes „Dark Set“, das zudem auch noch extrem teuer zu erwerben ist. Dafür sind diese Sets aber die mächtigsten Items, die man herstellen kann. Und das spiegelt sich auch in deren Werten wieder.
Natürlich enthält die Enhanced Edition auch samtliche DLC´s, die es vorher nur für Vorbesteller gab und auch 2 neue Quests, die ebenso nur als DLC erhältlich waren.
Das neue Intro, das extra für die neue Version angefertigt wurde, ist absolut sehenswert und fulminant in Szene gesetzt worden. Hinzu kommen noch mehrere Minuten neuer Sequenzen, sowie der komplett neue Epilog und etwas mehr Content und Quests im letzten Akt, wo natürlich auch neue Charaktere und Locations eingebaut wurden.
Und zum Schluss noch den „Arena“ Modus. Für alle, die gern in knackigen Kämpfen eine Herausforderung suchen, ist dies genau das richtige. In insgesamt 30 Gegnerwellen, gilt es, euer Kampfgeschick unter Beweis zu stellen. Nach jedem Kampf gibt es Gold und man kann sich neu ausrüsten oder auch Kampfgefährten anwerben. Und dann heißt es wieder, auf in den Kampf und sich mit anderen Spielern im Highscore messen.

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Alleine trinken mach keinen Spaß

Und genau deshalb, hat der Hexer auch immer ein paar alte Kameraden um sich, wie zum Beispiel sein alter Bardenfreund Rittersporn, oder auch sein zwergischer Kumpel Zoltan Chivay. Und natürlich seine Geliebte und Zauberin Triss Merigold. Aber auch neue Gefährten wie Vernon Roche, oder auch der Anführer der elfischen Scoia´tel Iorveth. Viele Questreihen begehen wir auch mit NSC-Gefährten, die immer gut reagieren und auch nicht an bestimmten Punkten hängen bleiben, oder KI Aussetzer haben. Aber Partner sind auch gut, um zum Beispiel eine Wache abzulenken, damit wir uns in den Hinterhof schleichen können, denn auch Stealtheinlagen gibt es einstweilen. Habt ihr keinen Partner der euch hilft, dann gilt es aus diversen Dialogoptionen zu wählen, wie zum Beispiel das allseits beliebte Einschüchtern oder aber auch das Überzeugen mithilfe eines magischen Zeichens. Sonst bleibt immer noch der Angriff.
Vor allem aber, macht es oft Spaß, die verschiedenen Möglichkeiten einer Questreihe auszuprobieren, oder aber das Spiel komplett noch einmal zu erleben. Denn ein zweiter Durchlauf macht durchaus Sinn! So muss man sich am Ende des ersten Aktes bereits entscheiden welcher Schlüsselperson ihr folgen wollt. Und somit richtet sich das nachfolgende Geschehen auch sehr stark an diese Entscheidung. Viele Quests gibt es nämlich nur auf einer bestimmten Seite und somit auch andersherum. Und bei insgesamt 15 (!) verschiedenen Endsequenzen wird dadurch der Wiederspielwert erhöht und das Spielerlebnis erweitert.

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Brot und Spiele

Zudem gibt es dann auch noch diverse Minispiele wie zum Beispiel das Würfelpoker, Armdrücken oder aber auch „Orens“ vorrätig um die „Huren“ zu bezahlen, die Geralt natürlich nicht übersehen kann. Die Minispiele sind nicht zu schwer und lockern die Stimmung immer wieder auf, ohne fehl am Platze zu wirken, oder gar überflüssig zu erscheinen.
Wer danach trotzdem einen leeren Geldbeutel zu beklagen hat, der kann sich ja die Materialien für einen Trank, oder auch ein paar Wurfmesser zusammensuchen und diese herstellen lassen und verkaufen. Denn Rohstoffe und Kräuter lassen sich überall finden und einsammeln. Es gibt übrigens niemanden den es stört, wenn ihr sein Haus um ein paar Besitztümer erleichtert. Das mag zwar nicht realistisch sein, aber es bremst den Spielspaß nicht. Haben wir eine Rune gesammelt oder hergestellt, können wir damit unsere Schwerter, oder aber auch unsere Kleidung verbessern, je nachdem welche Eigenschaften einem vom Spielstil her besser passen.

Bei dem Stufensystem haben sich die Entwickler auch auf eine solide Basis geeinigt, denn mit genügend Erfahrungspunkten steigt man eine Stufe auf und kann pro Stufe einen Talentpunkt in einen von vier Talentbäumen verteilen, in denen wir zwischen Hexer-Ausbildung, Schwertkampf, Alchemie und Magie auswählen dürfen.
Zusätzlich gibt es im ganzen Spiel auch noch diverse versteckte Eigenschaften zu finden. Somit kann man zum Beispiel eine Leiche eines Assassinen aus „Assassin’s Creed“ neben einem Heuwagen finden und somit die Eigenschaft „Assassine“ freischalten, die uns mehr Schaden bei Angriffen von hinten ermöglicht.

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Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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