Sunless Sea
Sunless Sea

Die Erde ist ein Dorf. Dieser Ausspruch mag in der heutigen Zeit stimmen, allerdings gab es eine Epoche, in der viele schwarze Flecken auf den Land- und Seekarten das Bild der Zeit prägten. Genau diese Zeit erleben wir in Sunless Sea, einem kleinen Geheimtipp.

Die Sonne verschwindet, das Wasser steigt bedrohlich. Willkommen auf Unterzee, der tödlichen See, die mittlerweile den halben Erdball überflutet hat und zugleich nur noch einige wenige Inseln das weltliche Bild prägen. Wer mutig ist, den erwarten Geheimnisse und viele tödliche Gefahren, die nicht nur von der dunklen See ausgehen, sondern auch von der eigenen Crew. Zeit also, in die See zu stechen und sich dem Horror zu stellen. Wem jetzt automatisch der Geruch von Seeluft in die Nase steigt, liegt hier absolut richtig. Sunless Sea ist einer der Titel, die es schaffen, eine sehr dichte und packende Atmosphäre zu vermitteln und dabei nur auf einfachste Methoden zurückgreifen. In diesem Fall sind dies; Entscheidungen die man als Spieler trifft gepaart mit der eigenen Risikobereitschaft.

Aestival

Bevor man sich dieser Aufgabe stellen kann, bedarf es allerdings einer gewissen Planung und Kalkül. Planung in Form von Mikromanagement ist einer der wichtigsten Punkte in Sunless Sea. Wie sich die Story letzendlich entwickelt und verläuft, liegt an den eigenen Entscheidungen, die man in Planungsphasen sowie in bestimmten Situationen trifft. Erweitert wird die eigene Handlungsweise durch Ressourcenmanagement. Es gilt die wenigen Rohstoffe und Hilfsmittel die zur Verfügung stehen, durch Ressourcenallokation vorausschauend einzusetzen.

Glorious

Hierzu ein kleines Beispiel, dass diese Mechanik erklärt. Entscheidet man sich dafür, den ganzen Laderaum mit Heizmaterial vollzupacken und verzichtet daher auf Proviant, wird das Schiff zwar sehr weite Erkundungsreisen vollziehen, aber die Crew entwickelt im Laufe der Seereise Panik und beginnt zu Kannibalen zu mutieren. Richtig gelesen, unter bestimmten schlechten Voraussetzungen, hat man es als Kapitän nicht nur mit der See, sondern auch mit einer meuternden Crew voller Kannibalen zu tun.

Um sich vor diesen Problemen zu wappnen, ist es nötig, einzelne Missionen zu meistern. Diese bringen mehr Personal und mehr Ressourcen ein, die dann zu weiteren Missionen führen. Aufgaben und Missionen findet man an unterschiedlichen Punkten im Spiel. Zum einen durch das andocken an unbekannten Inseln, zum anderen durch das erscheinen anderer Schiffe, die aber durchaus feindlich eingestellt sein können. Sind die Schiffe friedlich gesinnt, lohnt sich ein Blick ins detailreiche Logbuch, um Handel zu treiben und eventuell neue Crewmitglieder anzuwerben.

SeaofLilies1

Damit das Erkunden selber nicht nur in Insel hier und andere Insel dort abdriftet, unterscheiden sich die einzelnen Locations sehr stark. Bestimmte Inseln oder Orte könnte man sogar als recht bizarr und abenteuerlich einstufen kann. Inseln mit Fröschen oder Seeungeheuer die wie Aliens wirken, sind hier nur die Spitze des Eisbergs (no pun intended). Gesteuert wird das Schiff dabei per WASD, wobei W und S den Vorwärts – respektive Rückwärtsgang markieren und A und D nach links und rechts lenken. Hier ist allerdings etwas Fingerspitzengefühl gefragt, denn so ein Boot hat anders als ein Auto, einen sehr großen Wendekreis.

Durch die sehr dunkle Atmosphäre, die nicht aufgesetzt wirkt kann man sich sehr gut in die Lage eines Kapitäns hineinversetzen, der vor folgenschweren Entscheidungen steht und jederzeit das Ziel im Auge behalten muss. Wenn nur der Schein der Schiffslaterne den Nebel der See erhellt, können falsche Entscheidungen nicht nur der Crew den Kopf kosten.

Sunless Sea ist ein süchtig machendes See-Erkundungsspiel mit Lovecraft Einschlag.

 

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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