Shank (XBLA)
Shank (XBLA)

Wer erinnert sich nicht an die 90er Jahre, als RTL Plus mit dem großen Samstags Action Kino pünktlich um Mitternacht diverse B-Movies mit namhaften Schauspielern wie Michael Dudikoff regelrecht zelebrierte. Hauptrezeptur: Harte Kerle, willige Frauen, Kanonen und Gewalt, dazu ein Drehbuch dessen Story sich grundsätzlich in einem Wort beschreiben lies „Rache“. Würde Cannon Films ein Videospiel produzieren, wäre Shank wohl das Resultat.

Die 80er waren eine sehr simple Zeit, unverwundbare Helden die immer einen lockeren Spruch auf den Lippen haben, selbst wenn sie unter Dauerfeuer stehen. In diese Fußstapfen tritt auch Shank, den man am ehesten als ein uneheliches Kind zwischen Rambo und Jason Voorhees bezeichnen kann. Seine Freundin wurde von einer recht illustren Klischee-Riege an Antagonisten getötet. Shank, der fälschlicherweise für tot gehalten wurde, Regel Nummer Eins : immer nach der Leiche suchen, sinnt natürlich auf Rache, wie könnte es auch anders sein.

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Brawler-Fans fühlen sich bei Shank direkt heimisch. Man bewegt sich von links nach rechts und nietet im Alleingang sämtliche Gegner um, die mal so gar nicht in das politisch korrekte Bild passen. Denn hier darf man sich mit Macheten, Kettensägen, Granaten und Schrotflinten gegen die obligatorischen Handlanger der Marke „Stereotyp“ zur Wehr setzen. Egal ob Mann, Frau oder Hund, alles lernt die Kettensäge kennen. Vor ein paar Jahren wäre dies noch ein typischer Index-Kandidat gewesen. Trotz des relativ überschaubaren Waffenarsenals, herrscht eine gewisse Flexibilität was „Crowd-Control“ angeht. Einfaches ballern mit der Uzi ist nicht selten ein sinnloses Unterfangen, da Gegner gekonnt ausweichen und das Feuer eröffnen. Hier gilt es dann von dem Combo-System Gebrauch zu machen. Das heißt: sich den Feind im Würgegriff schnappen und eine Salve Blei ins Gesicht zu jagen oder eine Granate in den Mund zu stecken. Während dieses Finish-Him Move ist man glücklicherweise semi-unverwundbar, die einzigen Feinde die einem dann zu Nahe kommen können sind die Hunde, die immer für ein paar Cheap Hits gut sind. Am Ende jedes Abschnitts darf man sich dann einen Showdown mit einem Boss liefern, die offensichtliche Referenzen an diverse Filme wie Pulp Fiction oder Kill Bill darstellen. Sei es ein Sado-Maso Lederfreak oder ein Priester mit Raketenwerfern.

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Nicht nur die Gegnerauswahl bediente sich fleißig am Actionkino der 80er Jahre, sondern auch die Level als solche sind diversen Lokalitäten nachempfunden, die man häufig als Handlungsort benutzte. Dschungel, Kartell-Villa und Kühlhaus sind nur ein paar der Orte, an denen man sich austoben kann. Wie schon erwähnt wird in Shank nicht gerade zimperlich mit den Feinden umgegangen, Endbosse verlieren grundsätzlich ihre Köpfe oder anderes und während der einzelnen Abschnitte badet man häufig in rotem Lebenssaft. Verwunderlich dass dieses Spiel ungekürzt auf dem deutschen Xbox-Marktplatz erhältlich ist, denn Kriterien für eine Indizierung sind hier in der Tat gegeben. Allerdings kann es auch sein, dass der comichafte und extrem überzogene Stil für die nötige Distanz sorgt.

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Musikalisch wird allerdings nichts geboten, denn die Musik, sofern man sie denn mal hört, passt nicht zum Geschehen auf dem Bildschirm, da sie eher an einen Western erinnert. Hier wären billige Retortensounds aus den 80ern weitaus passender gewesen und hätten das Gesamtpaket dementsprechend abgerundet. Erwähnenswert sind die Boni in Form von Art Works oder Masken, die man gekoppelt an bestimmte Vorraussetzungen freischalten kann. Auf Normal ist Shank sehr schnell durchgespielt und keine große Herausforderung. Wer den Nervenkitzel spüren will, sollte den Hard-Modus ausprobieren, der seinem Namen alle Ehre macht. Hier gibt es keine Checkpoints mehr während der Level. Egal wo man stirbt, man fängt immer wieder am Anfang des Levels an. Wer dann noch nicht genug hat, darf sich mit seinem besten Freund in guter Buddy-Manier im Coop-Modus auf den Rachefeldzug begeben, denn zusammen lässt es sich einfacher Rache schwören und jeder braucht jemanden der einem den Rücken deckt.

Shank ist eine sehr radikale aber sympathische Hommage an das Action-Kino der Michael Dudikoff Ära, solide und ansprechend inszeniert.

Ganz schön brutal und hart kommt Shank daher. Verwunderlich dass solch eine Gewaltorgie ungekürzt auf dem deutschen Marktplatz erhältlich ist, denn hier werden Köpfe abgerissen und Kettensägen als Waffe benutzt bis zum Geht-Nicht-Mehr. Shank macht einfach Laune, wenn man mal wieder einen stressigen Tag in der Uni oder im Job gehabt hat. Verschiedene Kostüme und Art Works zum freispielen garantieren einen moderaten Wiederspielwert.
Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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