Resident Evil Revelations (3DS)

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Resident Evil Revelations (3DS)

Zugegeben, Resident Evil ist eines meiner Jugend-Steckenpferde. Zombies gehen bei mir ja grundsätzlich immer und wenn dann auch noch überzeichnete Muskelprotze und Models in feinem Zwirn, Knarre wedelnd gegen die Stinker aus der Gruft ins Felde ziehen, bin ich zumeist verliebt.

Ähnlich wie auch Silent Hill, wurde allerdings auch Resident Evil so ziemlich heruntergewirtschaftet, dass man sich als Fan der Erstlinge teilweise extrem verarscht vorkam. So waren Resident Evil 4 und 5 zwar durchaus gute Spiele, nur hätte man sich den Titel Resident Evil auch sparen können. Klar bin ich mir darüber bewusst, dass es genug Fans gibt, besonders jüngere, die gerade Teil 4 und 5 besonders toll finden. Weil hier ja die richtig fette Action abgeht und man schon zu Beginn die Predator Action Deluxe Waffen am Start hat. Und wir wissen ja alle, Rätsel und kleine Kopfnüsse, das mögen unsere Pasquales und Schakkelines nicht so.

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Alleine aus dieser Frustration heraus, bescherte uns Capcom dann die Resident Evil 5 Gold Edition, bei der erstaunlicherweise der Nightmare DLC besser und atmosphärisch überzeugender war, als das Hauptspiel selber. Natürlich musste sich Capcom daher den Fanprotesten entgegen sehen, warum denn dieser DLC genau das ist, was man sich als Resi Fan gewünscht – aber nicht bekommen hat. Hier kommt dann der neuste Ableger für den Nintendo 3DS daher und beschert uns genau das, was jeder, der das folgendes Zitat versteht „Jill Sandwich“, erhofft hatte.

Resident Evil: Revelations ist einfach eine Wucht und für mich jetzt schon der Top Titel des Jahres 2012 im Bereich „Handheld Gaming“, da wird es Metal Gear Solid Snake Eater 3D recht schwer haben. Nur um etwaigen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wir haben Resident Evil Revelations mit dem dafür vorgesehenen Circle Pad Pro gespielt und werden daher nur vereinzelt auf das Spielen ohne Circle Pad Pro eingehen.

Resident Evil Revelations spielt zeitlich im Jahre 2005, also genau zwischen den Zeitlinien zu Resident Evil 4 und Resident Evil 5. Nach dem vermeintlichen Fall der Umbrella Corporation wurde die BSAA, Bioterrorism Security Assessment Alliance gegründet um gegen sogenannte Biological Weapons ein Gegengewicht zu liefern. Die Terroristenvereinigung Il Veltro, die sich auf biologische Massenvernichtung spezialisiert hat, sah dies indes als Affront. So führte besagte Terrorgruppe einen biologischen Anschlag gegen ein neu gegründetes Utopia aus, in der Hoffnung so die Menschheit zu eliminieren. Dass die Bösen immer so dumm sein müssen, denn wenn die Mehrheit der Weltbevölkerung tirbt, wer backt dir denn dann dein Brot oder repariert dein Auto oder bringt dir Post? Die genauen Beweggründe und wer oder was hinter Il Vestro steckt, das solltet ihr allerdings selber im Laufe des Spiels herausfinden.

Resident Evil Revelations ist vor allen Dingen eines, eine Neuinterpretation alter Survival Horror Elemente und integriert teilweise auch weniger bekannten Features und Hintergründe aus dem Resident Evil Universum sowie aus diversen anderen Genreexoten. So spielen manche Passagen in Revelations auf einem Luxusliner, der von seiner Optik her an Titanic erinnert in Kombination mit Silent Hill Elementen. Wobei hier eigentlich nur ein Game Boy Advance Titel als Idee herangezogen wurde. Denn das Prinzip „Zombie meucheln auf hoher See“ ist nicht erst seit Cold Fear ein Thema, sondern wurde in Resident Evil Gaiden schon ausgeschöpft, wenn auch etwas zu bunt und ungruselig.

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Dank dieser klaustrophobischen Umgebung und dem knarzenden Schiffsgebälk, wirkt die alte Survivalhorror Steuerung sogar Adrenalintreibend. Das Schema „Resi“ wurde beibehalten, so läuft man immer noch nicht automatisch, sondern muss mit leider oftmals kleinen Verrenkungen einen Button betätigen, damit unsere Helden hier aus den Pötten kommen. Da die Gegner recht gut zu Fuß unterwegs sind, manchmal auch viel zu schnell für einen faulenden Kadaver, sollte man die ersten Gänge der Kampagne tatsächlich dafür nutzen, sich mit der Sprintfunktion sowie den Evasive Moves vertraut zu machen. Denn genau diese ist eines der wichtigsten Elemente in Resident Evil Revelations. Häufig kann und sollte man Gegner einfach austricksen, indem man Jills schönen Körper per Sprint an Gefahren vorbei bewegt. Wie man sieht, True to the Core Survivalhorror.

Erwähnenswert ist hier ebenfalls, dass man das Survivalhorrorprinzip zwar erhalten hat aber gewisse Finessen eingebaut hat, wie der Möglichkeit, im gehen zu schiessen. Glaubt es oder nicht, aber der Rückwärtsgang mit Feindbeschuss wird eure Aktion der Stunde werden. Leider sieht es eben nicht so gut aus, wenn man ohne Circle Pad Pro spielt, denn da ist Ausweichen sehr häufig ein Glücksspiel mit den Chancen gegen euch. Habt ihr dazu noch große Pranken oder filigrane Dirigentenhände, solltet ihr jeden Raum mit noch mehr Vorsicht betreten und die Waffe in den Anschlag nehmen. Daher oberste Priorität, besorgt euch das Circle Pad Pro.

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Grafisch gesehen ist Resident Evil Revelations zumindest in meinen Augen einfach traumhaft. Dieses Attribut benutze ich nicht allzu oft. Die Zwischensequenzen sind sexy und sorgen endlich dafür, dass ich eben nicht permanent angenervt bin, wenn ich Kinderspiele spielen muss, die sich nur auf bunte Farben beschränken oder aber auf ewige Hüpf und Einsammel Aktionen. In den Sequenzen wirkt Revelations wie ein Titel, der durchaus auf einer Xbox360 oder Playstation 3 laufen würde. Im Spiel selber darf man von weitaus verbesserter 3D Grafik ausgehen, die nicht auf nervige „Gimmick“ Spirenzchen abzielt, sondern den 3D Effekt dazu benutzt, euch einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen. Ja so ein toter Matrose der euch vor die Füße fällt ist in 3D schon erschreckender als in 2D mit Klötzchenpixelgrafik.

Ebenfalls hoch erfreut dürfen Fans des typisch japanischen Humors sein, denn diesen bietet Revelations in gesunder Dosierung. So nimmt sich das gesamte Spiel zwar recht ernst, aber nicht ohne dabei mit einem Augenzwinkern subtile Anspielungen und Selbstreferenzen zu zelebrieren. „Warte irgendwo habe ich doch mein Manual……ach hier ist es“ und dazu die typisch japanische Dragonball Z Pose, das ist pures Qualitätsgold.

Ach bevor ich es noch vergesse zu erwähnen, Resident Evil Revelations verfügt über eine komplett deutsche Sprachausgabe, das heisst dass einige dann nicht mehr rumheulen müssen „Ist ja nur englisch drauf mit deutschen Untertiteln, ich lese doch nicht so gerne, in der Schule reicht mir das völlig“. Die Synchro ist erstaunlicherweise sehr sympathisch gelungen, ich behaupte nicht Weltklasse, da ich jemand bin der Spiele primär in Originaler Synchronisation wie englisch oder japanisch spielt. Allerdings habe ich nie das Gefühl gehabt dass die Sprecher keine Lust an ihrem Job hatten, daher von mir ausnahmsweise mal das Prädikat „deutsche Synchro ist Top“

Capcom ist hier ein AAA Titel gelungen der dem 3DS tatsächlich helfen kann eine breitere Käuferschicht zu erreichen. Hut ab Capcom, Hut ab.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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