Resident Evil Operation Raccoon City

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Resident Evil: Operation Raccon City (kurz RE: ORC) ist am Start und spaltet die Fachpresse wieder einmal in zwei Lager. Die einen hassen das Spiel und drücken niedrigste Wertungen raus, während andere sich bemühen objektiv über den neuesten Resident Evil Ableger zu berichten. Eines vorweg: Am Ende der Review werde ich noch kurz meine persönliche, rein subjektive Meinung zum Thema „schlechte Wertungen für RE ORC“ kundtun.

In Resident Evil: ORC dürfen Spieler zum ersten Mal richtig in die Fußstapfen der Umbrella Corporation treten. So verkörpert man im neuen Ableger die Elite Crew rund um Hunk, die sich USS nennt. Aufgabe der USS ist es, in Raccoon City sämtliche Beweise zu vernichten, die auf das Mitwirken der Umbrella Corporation schliessen lassen. Als sekundäre Mission gilt es, Überlebende, die schwätzen könnten, effizient aus dem Leben zu holen, notfalls durch das komplette Zerstören der noch vorhandenen Infrastruktur. Da aber im Resident Evil Universum niemand irgendwem trauen kann, nicht einmal der eigenen Oma, sofern diese Aktien der Umbrella Corporation hält, während man selber den STAARS angehört, wird das USS Squad recht schnell mit Verrat und Betrug konfrontiert.

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ORC ist ein reines Multiplayerspiel. Zwar kann man die Campaign auch alleine mit Bots spielen, aber dies macht weitaus weniger Spaß als mit drei kompetenten Mitspielern S Rankings zu holen. Die Hauptstory ist untergliedert in einzelne Abschnitte, die sehr Arcadelastig einem bestimmten Schema unterliegen. Zu Beginn startet ihr unter diffuser Feindbelagerung von Zombies respektive Special Forces, die euch sehr hart zusetzen können. Auf der Hälfte der Mission werdet ihr dann vor Aufgaben gestellt, die vom Überleben eines Hinterhalts bis zum Finden einer Schlüsselkarte reichen können. Mehr sollte man nicht verraten, da gerade defensive Missionen mit altbekannten Mutantenfreunden aufwarten können. Denn trotz der journalistischen Häme, gibt es sehr viele interessante Referenzen und Cameos im Spiel zu sehen.

Vor dem Beginn einer Mission kann man erworbene EXP Punkte in Special Skills investieren, die jeweils auf eine bestimmte Charakterklasse zugeschnitten sind. So kann man für eine gewisse Zeit unsichtbar sein oder aber Gegner imitieren und von hinten abmeucheln. Dadurch gewinnt ORC einen kleinen taktischen Reiz, auf den ich später zurückkommen werde. Waffen können ebenfalls freigeschaltet werden, was aber nicht sonderlich interessant sein sollte, da Munition im Spiel selber recht großzügig bemessen ist und man diese in allen Ecken finden kann. Daher sollten sich Spieler primär darum kümmern, ihre Special Skills sinnvoll upzugraden.

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Feinde setzen sich im Spiel aus eben Zombies zusammen, die mittlerweile das Prädikat „heimtückisch“ verdienen, denn mittlerweile haben die Madenteppiche sogar gelernt, wie man USS Soldaten von hinten angreift oder ganz linkisch von links und rechts flankiert. Daher sollte man sich nicht nur auf einen Zombie versteifen, sofern man sich diesen gegenüber sieht, denn die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass eben genau dieser Zombie als Ablenkungsmanöver dient, um dann von hinten angefallen zu werden. Die zweiten, sehr häufig auftretenden Gattungen sind Spezialeinheiten, die sich in Sachen Radikalität ebenfalls nichts schenken und sich nicht zu schade sind, dem Spieler in den Rücken zu treten und mit einem feinen Messerhieb nachzusetzen.

Die Spezialeinheiten treten in Squads auf und sind im Vergleich zu den Zombies zwar keine flankierenden Einheiten, aber sie beherrschen das Dauerfeuer nebst Granatenspammerei. Ein weiteres Problem, sofern man keine Munition für schwereres Geschütz hat und auf die Pistole angewiesen ist, ist die sehr hohe Bleiresistenz der Special Forces. Denn dank der taktischen Weste schiesst man sich regelrecht einen Wolf mit Handfeuerwaffen. Hier sollte der Trigger dann etwas höher in Richtung Kopf positioniert werden. Die dritten Gegner, auf die man treffen kann, fallen unter den Sammelbegriff BOW (Biological Weapons) wie Licker, Hunter und andere Bleischlucker.

Grafisch ist ORC ein sehr solides Kammerspiel. Die Areale sind dunkel, dreckig und trostlos. Können aber dank Wiedererkennungswert für einen kleinen „Aha“-Effekt sorgen. Denn einige markante Gebäude in Raccon City darf man erstmals betreten, auch wenn diese danach in die Luft gejagt werden oder sonstiges. Hier gilt, da die Anfangseinstellung des Spiels leider zu dunkel ist, in den Optionen den Regler für die Helligkeit sehr weit nach oben zu schrauben.

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Wie einige Leser bestimmt mitbekommen haben, hat Resident Evil: Operation Raccoon City in der Fachpresse und auf diversen Online Magazinen keinen Blumentopf gewonnen. Es wurde über miese Grafik, oberdümmliche KI und sonstige Mängel gesprochen. Ich will hier ganz bestimmt keine Wertungsdiskussion vom Zaun brechen oder bestimmten Reviewern ihre Kompetenzen absprechen, aber liebe Leser, was ist für euch ein Spiel mit einer Wertung 3 von 10 Punkten? Nach heutigem Standard ist dies ein nahezu unspielbares Spiel ohne Zwischensequenzen, ohne Story, voller Bugs etc. Ist ORC solch ein Spiel?

Mitnichten, zumindest aus meiner Sicht. Ich habe vielmehr den Eindruck als habe man bei den Wertungen teilweise die ewig gleichen Punkte nachgeplappert, um so mal wieder ein Spiel schlecht bewerten zu können und sich eventuell verlorene Integrität zurück zu holen. Denn nicht selten sieht man sich mit dem Vorwurf konfrontiert „Ihr bewertet zu gut“. Daher kommt es manchen sehr gelegen, wenn man ohne Sanktionen zu fürchten (weil jeder eine schlechte Wertung gibt) einfach mal einen Titel richtiggehend fertig machen kann und sich dabei mit negativ Wertungen förmlich unterbieten kann. Ist eine 3 oder 4 von 10 noch glaubwürdig unter diesen Aspekten?

Viele der angesprochenen Kritikpunkte sind Dinge, die bei anderen Titeln dann allerdings gerne einfach mal ignoriert werden, während man sich bei ORC förmlich auf jeden Fehler stürzt und diesen ausschlachtet. Operation Raccoon City ist kein super Klasse to da Max Titel, aber auch bei weitem kein Antispiel der Kategorie „Big Rigs“. Natürlich kommt keine Freude bei Spielern auf, sofern diese alleine mit Bots spielen. Aber genau das ist ja auch der Punkt in ORC. Das Multiplayer Erlebnis mit anderen menschlichen Spielern. Hier kann ORC nämlich tatsächlich punkten und wir geben sogar eine kleine Empfehlung, wie man das maximalste aus ORC herausholen kann.

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Schnappt euch drei Freunde, spielt das Spiel auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad und agiert taktisch. Ich hatte wirklich sehr viel Spaß mit dieser Art der Herangehensweise, da dank des sehr arcadelastigen Gameplays, das rushen auf ein S Ranking am Ende einer Mission fordernd und erfüllend zugleich ist.

Allerdings gibt es von mir sehr wohl Abzüge in der Benotung, da die deutsche Version zensiert ist. Es ist leider nicht mehr möglich, in der USK geprüften Version Körperteile abzuhacken oder Köpfe platzen zu lassen. Das ist für mich ein wirklicher Punkteabzug wert.

Ich halte es bei ORC daher wie Siskel und Ebert es bei bestimmten Filmen halten. ORC mag seine Mängel haben, aber dennoch hatte ich Spaß damit. Und am Ende des Tages kommt es nur darauf an.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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