RAGE
RAGE

Mit RAGE kreiert id Software abermals einen Shooter im vollen Glanz der altbekannten Old-School Manier, ganz nach DOOM Vorbild. Nebenbei versucht sich id Software auch noch an ganz neuem Terrain, um RAGE um einige neue Facetten zu bereichern und sich so vom klassischen 08/15 Shooter abzuheben.

Alles beginnt mit dem Asteroiden „Apophis“ der anscheinend alles Leben auf der Erde zu vernichten droht. Angesichts dieser gigantischen Katastrophe verschanzt sich die Menschheit in sogenannten „Archen“. Kleinen Kryo-Überlebens-Einheiten. Diese sind mit Elitärem Personal bestückt und tief unter der Erde vergraben, mit dem Plan, die Erde nach der Katastrophe wieder neu zu bevölkern.

Der Plan scheint allerdings nicht ganz lückenlos durchdacht zu sein! Vielleicht steckt auch eine große Verschwörung dahinter? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht und habe auch bis zum Ende gerätselt, was genau passiert ist und wieso und warum alles so läuft wie es läuft, blieb mir gänzlich verwehrt. Wenn RAGE eines nicht kann, dann ist es eine großartig inszenierte Geschichte zu erzählen. Genau da sind wir auch schon am größten Negativ Punkt von RAGE; der Storyline. Hier hat man das vorhandene Potenzial nicht genutzt, was mehr als nur tragisch ist, da das Setting und die Optik zu überzeugen wissen.

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RAGE sieht wirklich sehr schick aus. Die Panorama Landschaft, die atmosphärische Endzeit-Einöde sind nur kleine grafische Highlights. Die schrägen und vor allem gut designten Charaktere können überzeugen. Es macht Spaß sich mit Ihnen zu unterhalten, denn auch die deutsche Synchronisation ist gelungen und kann sich ausnahmsweise hören lassen. Auf den insgesamt 3 Datenträgern finden sich zudem Tonspuren für italienisch,spanisch und französisch. Da kann ich es nicht ganz nachvollziehen, warum ausgerechnet die englische Original-Tonspur fehlt. Sehr schade! Aber auch eine RAGE Optik kann ins wanken geraten! Denn wer sich die Zeit nimmt und auch mal stehen bleibt, der wird schnell merken, das RAGE ein Blender ist. Denn die Texturen sind von nahem allesamt matschig und wer sich zu hastig umdreht der wird von nachladenden Texturen nicht gerade positiv überrascht. Unschön!

Aber kommen wir zu dem, was RAGE wirklich gut kann und somit id Software natürlich in den Schoß gefallen ist. Denn die hiesigen Gegner in RAGE leisten Überzeugungsarbeit. Sie suchen im Team Deckung, schießen aus der Deckung wie kleine Weltmeister und beharken uns mit Salven während einer eine Granate nach uns wirft. Sie ziehen sich auch zurück, wenn Sie keinen anderen Ausweg sehen. Die KI trumpft vor allem bei den Mutanten. Diese flinken kleinen Bastarde ducken sich unter meinen Feuersalven hinweg, hüpfen an Wände und robben über den Boden. Einer hat es sogar geschafft meiner Feuersalve zu entgehen, indem er sich mit den Beinen zwischen den Tür-Rahmen stützte, Klasse!

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Doch auch der klügsten und gerissensten KI kann ich ein Schnäppchen schlagen. Denn ich habe die Wunderwaffe gegen alle Übel dabei! Ich präsentiere: den „Wingstick“. Kein Scherz! Mit diesem Klingen-Boomerang weise ich jede Gegnerhorde in Ihre Schranken. Ein Wurf meines Wingsticks und der Bandit oder Mutant oder gepanzerte Regierungs-Soldat wird gnadenlos geköpft. Nicht nur das der Wingstick ein Zielsuchendes Geschoss ist, mit etwas Glück kommt er sogar wieder zurück! Einzig die Übergroßen Mutanten-Riesen und die schwerst gepanzerten Gegner widerstehen dem Wingstick, allerdings auch nur solang die letzteren einen Helm tragen. Bei den Riesen-Mutanten helfen nur Großkalibrige Waffen und Granaten.
Natürlich kann es sein, das sich ein Wingstick auch mal in der Stirn eines Gegners verharkt, dann kann man ihn aber auch schnell wieder einsammeln. Falls der Vorrat an Wingsticks dann doch einmal aufgrund einer riesigen Horde von Mutanten zur Neige gehen sollte, hat man immer noch die Möglichkeit sich an Ort und Stelle neue zu basteln. Macgyver und so! Das witzige daran; der Wingstick in RAGE ist nicht einmal eine eigene Waffe an sich, sondern nur eines der hiesigen Hilfsmittel. Voraussetzung für den Bau von solchen Hilfsmitteln ist natürlich zunächst einmal der Bauplan sowie die nötigen Ressourcen. Diese Ressourcen kann man überall verstreut finden oder aber auch für ein paar Dollar kaufen.

Wem es an dem nötigen Kleingeld mangelt der kann sich überall in den zwei grossen Städten (Wellspring und Subway Town) an diversen Minispielchen versuchen. Diese sind zwar abwechslungsreich, aber recht schnell eintönig. So gibt es das Grabstein Spiel: Das einzig und allein auf Würfelglück basiert. Sowie das Bishop (Achtung Aliens Referenz) Spielchen, bei dem man mit einem Messer zwischen den Fingern rumstochern darf. Zum Schluss noch Ragemania eine Art Miniatur-Ausgabe eines Trading Card Games. Überall im Spiel sind diverse Sammelkarten versteckt, die sich in Ragemania einsetzen lassen. Aber allzu komplex wird es nicht, da es nur zwei Werte auf der Karte gibt. Dann wären da noch die zwei großen Spiele-Arten: Zum einen das Mutant Bash TV. Die Show in der wir in bestimmten Arealen eine Horde von Mutanten niederstrecken und so ordentlich Kohle verdienen. Retroalarm garantiert.

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Und zum anderen das zweite Highlight in RAGE: Die Rennen. Dafür ist allerdings erst einmal der richtige, fahrbare Untersatz erforderlich. Ist der angeschafft kann man sich auf den Rennstrecken mit bis zu vier verschiedenen Autos mit den anderen Duellieren. Sei es allein im Zeitrennen, gegen die Uhr, in einem 3 Runden Rennen gegen die anderen 3 Teilnehmer mit und ohne Waffen, oder einer Rallye. In der Rallye gibt es keine Runden zu meistern, sondern in einer Outdoor Arena müssen 50 Punkte erreicht werden. Das geht entweder durch abfahren von bestimmten Highlight Punkten auf der Map oder durch die Zerstörung der anderen Rivalen. Durch ein Rennen gewinnt Ihr dann auch Rennschiene, die ihr beim hiesigen Mechaniker für Upgrades an euren Karren eintauschen könnt. Dann könnt Ihr euer neues, bösartiges Gefährt auch gleich in der frei befahrbaren Einöde einweihen. Dort könnt Ihr euch an den insgesamt 18 Regierungs Drohnen versuchen, die mit Sprungschanzen und ordentlich Nitro zerstört werden können. Dabei könnten euch allerdings die örtlichen Clans, die Ihr Territorium verteidigen ein Strich durch die Rechnung machen. Diese werden euch nämlich ordentlich aufs Korn nehmen. Da helfen nur Miniguns und Lenk-Raketen und aus ist der Spuk.

Ich habe Regierungs-Soldaten erwähnt? Ja stimmt! Die „böse“ Regierung ist nämlich auf der Suche nach Euch und allgemein auch nach allen Archen Bewohnern. Warum genau? Das weiß ich nicht! Und auch keiner vom Widerstand, der früher oder später auf euch zukommt, kann es euch sagen. Auch über mich weiß ich nichts. Weder den Namen noch welche Funktion ich vor der Apokalypse hatte oder warum ausgerechnet Ich dem Widerstand zum Sieg über die Regierung verhelfen soll. Auch weiß ich nicht warum die Regierung denn die „bösen“ sind. Denn jeder sagt zwar nur, dass sie „böse“ sind, aber es gibt zu keinem Zeitpunkt einen Beweis dafür. Die Regierung jagt mich auch nicht! Es gibt auch keinen Regierungs-Chef, der mir persönlich ans Leder will. Dabei wäre es wirklich erfrischend gewesen einen großen, bösen Gegenspieler zu haben!

Nicht einmal richtige, imposante Bossfights gibt es. Ok, einen einzigen, aber der ist im Vergleich mit der Konkurrenz nicht der Rede wert. Sobald die Story um den Widerstand erst einmal richtig ins Rollen kommt ist die ganze Wüsten-Soap auch schon zu Ende. Und das in einem wirklich lahmen Finale, für das ich extra noch eine große Wumme bekomme, die ich nicht einmal auspacken musste. Ich verstehe es nicht!

Von Carsten Meyer

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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