NBA Live 16

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8.3

Sehr gut

NBA Live 16
NBA LIVE16 Review
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NBA Live 16 (Review)

Auf dem Basketballfeld scheinen die Grundlagen immer der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Wie gut ihr dribbeln, werfen und Defense spielen könnt entscheidet immer darüber, ob ihr gewinnen oder verlieren werdet. Genau das wird dem Spiel NBA Live 16 zum Verhängnis. Die auffällige Präsentation und die interessanten neue Spiel-Modi können nur so weit gehen, wie es das steife und verzögernde Gameplay erlaubt.

Und wie bereits erwähnt – die Präsentation ist ziemlich auffällig. Angeknüpft an die grafischen Verbesserungen aus dem letzten Jahr, kommt NBA Live 16 optisch weiterhin gut daher, vor allem aus der Nähe. Die aktuellen Haut-Texturen und die verbesserte Beleuchtung lassen die Spieler realistischer aussehen. Dabei  macht es aber leider den Anschein, dass nur die größten Namen durch den Voll-Gesichtsscanner im Spiel verewigt wurden. NBA Stars wie Lebron James und Russell Westbrook sehen fantastisch aus – einige Spieler erscheinen dagegen ein bisschen verfremdet. Bestes Beispiel sind die Gesichtszüge von Anderson Varejao (von den Gesichtszügen her ein ganz anderer Mensch wenn Ihr mich fragt). Darüber hinaus scheint es so, als wurden nur einige wenige Körper-Typen für alle Spieler verwendet, daher sehen die Spieler von der Statur her fasst gleich aus. So ist Kevin Durant im wirklichen Leben eher dünn und schlaksig, aber in NBA Live 16 kommt er schon fast bullig daher.

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Präsentationen hatten bei den EA Sports Spielen schon immer eine hohe Priorität – bei NBA Live 16 ist es nicht anders. Die ESPN-Lizenz wurde extrem gut genutzt, sodass das Gefühl entsteht, man verfolge gerade eine Live-Übertragung im Fernsehen. Das bunte Treiben der Matches füllt die realistisch aussehenden Arenen, die mit EA-Scanning-Technologie erschaffen wurden. Wieder einmal kommen die Kommentare der Kommentatoren eher langweilig rüber, was an den ständigen Wiederholungen liegt. Das hört sich völlig unnatürlich und vielmehr wie aus einem Skript vorgelesen an – ziemlich spannungsarm.

Leider beginnen die Hauptprobleme mit NBA Live 16 bereits unmittelbar nach dem Tipp-off. Zu Beginn bewegen sich die meisten Spieler untereinander in gleichbleibenden und mit steifen, Cartoon-ähnlichen Animationen. Es ist schon recht störend zuzusehen, wie schlecht sich ein gut aussehender Charakter bewegt. Noch schlimmer sind die spürbaren Signal-Verzögerungen, durch die sich die Bedienelemente träge anfühlen, was leider zu frustrierenden Turnovers (Ballverlusten) führen kann.

image.imgDiese Turnovers sind schlampig und katastrophal, weil sich die Defense in NBA Live 16 wie ein nachträglicher Einfall der Entwickler anfühlt. Die Vorteile, die Ball-Handler über Verteidiger haben, sind so signifikant, dass es fast schon sinnlos erscheint, Defense zu spielen. Man muss quasi nur drauf warten, dass der Gegner einen großen Fehler macht. Die Schultertaste L2 gedrückt zu halten, soll eurem Verteidiger helfen, den Gegenspieler besser zu bewachen – dies erweist sich aber leider als unwirksam, da eure Kontrahenten einfach widerstandlos an euch vorbei laufen können ohne sich dabei scheinbar großartig anstrengen zu müssen. Selbst Spieler mit hohem Defensiv-Attribut wie Iman Shumpert können so im Kampf um den Korb kontinuierlich geschlagen werden. Der demoralisierende Anblick meiner Teamkollegen, wie sie so herumstehen und beobachten müssen, wie das gegnerische Team den Ball in den Korb reinstopft bzw. dunkt, ist unglücklich.

Da das Defensive-Spiel weder effektiv ist noch Spaß macht, entsteht eine Art Shootout-Atmosphäre: ich muss meinem Gegner einfach die offenen Schüsse gewähren – mit dem Wissen, auf der anderen Seite hoffentlich beantworten zu müssen. Wenn ein Wurf daneben geht, fühlt es sich richtig Käse an. Die sechs Meter großen Point Guards bekommen ständig mehr Rebounds als die Center-Spieler und selbst wenn ihr in perfekter Position steht, image_2.imgwird sich jemand anderes schlagartig die Kugel sichern bzw. wegschnappen.
Aber nicht jeder Aspekt des Gameplays ist schlecht, da doch ein paar sehr deutliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger NBA Live 15 zu vermelden sind. Der neue Schuss-Meter zum Beispiel ist ein viel sauberer und einfacherer Weg, den Ball Richtung Korb zu werfen. Nachdem Ihr die Schießtaste losgelassen habt, bekommt ihr eine Prozent-Anzeige über dem Kopf des Schützen angezeigt, durch die ihr die Erfolgswahrscheinlichkeit erfahrt. Auf der Grundlage, wie Ihr vom Timing her den Schuss angenommen habt, dient es auch als kleiner Hinweis auf etwaige Fehler. Zu verstehen, wie man richtig schießt, war noch nie so klar. Das Ausführen des Pick’n‘ Rolls funktioniert recht gut: einfach die L2 Taste gedrückt halten; so signalisiert ihr einem Teamkollegen, sich vom Gegenspieler zu lösen und lasst ihr die Taste los, befehlt ihr ihm damit, Richtung Korb zu ziehen oder sich für einen offenen Schuss zurückzulehnen.

Es ist enttäuschend, dass das Kern-Gameplay eher mangelhaft ist, denn es gibt ein paar Spielmodi, die sonst wirklich sehr speziell wären. Pro Am Live Run und Sommer-Schaltung sind Paradebeispiele hierfür: Live-Run ist einfach zu erlernen und zu spielen. Es sieht vor, dass 10 Spieler in einem Fünf-gegen-Fünf-Spiel kämpfen und bietet großen Spielspaß. Auf der anderen Seite bietet der Sommer-Spielmodus mehr ein Wir-Gefühl, da man mit Freunden in Gruppen auf verschiedenen real existierenden Basketballplätzen wie Rucker Park und Venice Beach gegen KI-Teams mit steigendem Schwierigkeitsgrad spielen kann.

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Der Spieler, den ihr in den beiden Pro Am-Modi verwendet, ist der gleiche wie euer Rising Star, EA‘s-Version von 2K‘s MyPlayer. Rising Star kehrt weitgehend unverändert zurück. Die guten und die schlechten Eigenschaften sind geblieben. Es ist immer noch spaßig, einen selbst erstellten Spieler aus dem Draft zum Superstar zu machen, aber das gewissenhafte Bewertungssystem ist in jedem Spiel nach wie vor schleppend. Es fordert euch nämlich dazu auf, egoistisch zu arbeiten anstatt als Team zu spielen. Ich fühlte mich immer wieder für die Weitergabe meiner Bälle zugunsten eines Teamkollegen, der eine bessere Position hatte als ich, gezwungen, obwohl ich selbst offen stand.

Wenn ihr eine persönliche Erfahrung machen möchtet, habt ihr die Möglichkeit, die GameFaceHD App zu verwenden, durch die ihr via Smartphone euer Bild in das Spiel übertragen könnt, um es dort zu verwenden. Ihr könnt euch quasi alá Star Trek ins Spiel beamen. Das könnte ziemlich cool sein – wenn es denn mal funktioniert. Ich war nie in der Lage, mich damit richtig aussehen zu lassen. So spielte ich mit einem voreingestellten Charakter.
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Letztendlich sind Dynasty-Modus und Ultimate Team mit wenigen bemerkenswerten Ergänzungen zurückgekehrt. Während Dynasty-Modus wie ein nackter Knochen eintönig bleibt, ist Ultimate Team immer noch eine tolle Möglichkeit, das Beste aus NBA Live 16 rauszuholen. Ihr könnt Spielerkarten verdienen, indem ihr eine der 150 + Herausforderungen antretet und die vorgegebenen Ziele erfüllt. Eine der Herausforderungen ist zum Beispiel, ein Team voll bestehend aus den letzten Free Agents (vertraglosen Spielern) oder voll mit Sixth Man (Ein Spieler der nicht in Starting Five ist, aber als erstes ins Spiel eingewechselt wird) zu schlagen. Dieses Jahr können bestbewertete Spielerkarten früher verdient werden, aber ihr könnt die Karten nur ein paar Mal verwenden, so dass es jedes Mal total aufregend ist, wenn ihr diese dann benutzt.

Neue Modi und Features machen NBA Live 16 ein wenig besser als seinen Vorgänger, aber die ziemlich plumpe Steuerung und das unsymmetrische Gameplay halten das Spiel leider noch einmal von der Perfektion fern. Einfach gesagt: wenn sich das Gameplay in einem Modus nicht richtig anfühlt, funktioniert es einfach nicht richtig – unabhängig davon, wie klug das Spiel gemacht wurde oder wie gut es aussieht. NBA Live hat also noch einen langen Weg vor sich. Wir gehen auf jeden Fall gern diesen Weg mit.

Gut

  • Sehr gute Spieldynamik
  • Viele Stars

Schlecht

  • Fehlende Features
8.3

Sehr gut

Alireza
CEO, Publisher und CMS-Spezialist. Das Thema Gaming-Inklusion von Menschen mit Behinderung wurde von ihm ins Leben gerufen. Seine Kindheit verbrachte er mit Commodore 64, SNES, Gameboy und Sega Mega Drive.

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