Metal Gear Solid: Snake Eater 3D (3DS)

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Metal Gear Solid: Snake Eater 3D (3DS)

Erinnert ihr euch noch an unser Unboxing Video zum Resident Evil Revelations Circle Pad Pro Bundle? Wenn nein, dann hilft euch wohl folgendes, leicht umgestelltes Zitat aus eben jenem Video weiter, bevor ihr auch nur einen kleinen Schritt in die wunderbare Welt des 3D Snake setzt. „ Um Gottes Willen besorgt Euch so schnell es geht ein Circle Pad Pro sonst weicht die Metal Gear Atmosphäre schnell dem Staubfänger Dasein im heimischen Regal“.

Vor circa acht Jahren erschien Metal Gear Solid Snake Eater für die Playstation 2 und erntete tosenden Beifall und Lorbeeren seitens der Presse sowie der Fanbase. Das Prinzip der Stealth Action wurde in Snake Eater in einer Form zelebriert, die selbst den bis dato als Klassenprimus verhätschelten Vorgänger in den Schatten stellte. Fulminante Zwischensequenzen, welche so manchen Hollywoodfilm im Dauerregen stehen liessen, subtiler Humor, Herz sowie viele kleine Details und Augenzwinkermomente rundeten das Paket um den Big Boss ab. Nun hat Konami den Schritt gewagt, einen Playstation 2 Titel auf Nintendos 3DS zu portieren und schafft es in manchen Belangen zu versagen aber gleichzeitig auch zu glänzen.

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Snake Eater 3D ist, Fans dürfen hier aufatmen, immer noch das gleiche Spiel, wie zu PS2 Zeiten. Das heißt, dass das Ausgangsmaterial weder geschändet noch umgeschrieben wurde um dem Zeitgeist des Jahres 2012 zu entsprechen. Also keine Overdone Facebook Internet Memes, die einem auf den Sack gehen und auch keine Justin Bieber Rants, die eh kein Schwein mehr interessieren ausser vielleicht irgendwelchen Internettrollen, denen mal links und rechts eine von Mami gescheppert gehört. Das einzige was man hier ergänzt bzw angepasst hat, sind Spielpassagen, bei denen man mal abgesehen vom 3D Effekt, die Hardware Eigenschaften des 3DS nutzen kann. Hier kann sich Konami sehr glücklich schätzen, dass die Schattenseiten von den positiven Aspekten überwogen werden.

Als positives Merkmal sei hier der 3D Effekt genannt, der zwar nicht an die optische Finesse und Klasse eines Resident Evil Revelations heranreichen kann. Man muss halt bedenken, dass bei einer PS2 auf 3DS Portierung immer Kompromisse in Sachen Optik eingegangen werden müssen. So hat Snake teilweise mit Kantenflimmern zu kämpfen, oder aber man hat das Gefühl, dass Snake nicht wirklich mit dem Boden verbunden ist. Dieser Effekt tritt ab und an auf, wenn man zum Beispiel durch das Gebüsch robbt und dabei Höhenunterschiede im Spiel überwinden muss. Es sieht dann fast so aus als würde Snake hier Planking betreiben.

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Erstaunlicherweise sind diese auftretenden Probleme allerdings verschmerzbar, denn der 3D Effekt ist in Snake Eater 3D überlebenswichtig. Während andere Spiele den 3D Effekt als Gimmick benutzen, kann man in Snake Eater 3D nur dann überleben, wenn man in 3D denkt und fühlt. Nur als Beispiel; waren Gegner in Camouflage auf der PS2 noch recht schnell lokalisierbar, muss man bei Snake Eater 3D stellenweise sehr genau ins Gebüsch schauen und ab und an den eigenen Kopf leicht drehen um den Feind hinter einem Grashalm auszumachen. Dank 3D heben sich selbst sehr gut getarnte Feinde vom Rest der Umgebung ab und lassen so den Puls höher schnellen. Einzig bei sehr hellen Farben, wie zum Beispiel Weiß oder beige, muss man die Augen etwas zukneifen, da bei maximaler 3D Auslastung, die Augen recht schnell anfangen trocken zu werden. Hier sieht man dann auch den eben bereits erwähnten Kantenflimmer Effekt etwas deutlicher.

Das Ambiente des Dschungel kann vollends überzeugen und sorgt dank stimmigem Natursoundtrack für ein angenehmes Mittendrin statt nur dabei Feeling. Manchmal überkommt einen sogar ein kleiner Kribbelschauer, wenn eine Schlange durch das Gebüsch geschlängelt kommt oder Bienen fast schon auf Tuchfühlung mit dem Spieler gehen. Nature you are scary!

Die anderen Hardwarefeatures des Nintendo 3DS werden in gerade noch akzeptablen Maße eingesetzt, verkommen aber zu einem Gimmick. Wir reden hier nicht vom YPS Heft mit Gimmick, sondern von reinem Selbstzweck um behaupten zu können, dass man ja die Hardware des 3DS vollends zu Nutzen gewusst hat. So wird die Gyro Sensorik für Passagen genutzt, bei denen es zum Beispiel darum geht, auf einem schmalen Absatz einen Abgrund zu überwinden oder aber irgendwo zu hangeln. Hier stelle ich einfach mal pauschal die Frage, was das eigentlich soll? Gerade bei Metal Gear Solid will ich keine kleinen sinnlos Spirenzchen haben, sondern kluge Gimmicks, die dem Spiel selber noch eine gewisse Nuance verleihen. Mich haben genau diese Passagen im Spiel, bei denen man das Gleichgewicht halten musste oder den 3DS sonst wie bewegen musste extrem genervt, da sie einfach keinen Sinn ergeben und man als Spieler einfach nur sieht dass hier nur lieblos irgendwas eingepflanzt wurde.

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Nun widmen wir uns allerdings einem ernsten Problem, welches bei Snake Eater 3D nicht nur frappierend ist, sondern gleich mit voller Las Vegas Beleuchtung auf sich aufmerksam macht. Die Rede ist vom Gameplay. Wer einmal ein Metal Gear Solid auf irgendeiner Konsole gespielt hat, wird mit der Steuerung vertraut sein, die für Anfänger teilweise als fast schon überladen daher kommt. Auf dem 3DS stehen Spieler vor einem wirklichen Problem oder aber einem Kompromiss. Entweder kauft man sich das essentielle Circle Pad Pro oder aber man nimmt diverse Spielspaßbremsen in Kauf, denn ein anderer Mittelweg funktioniert leider nicht.

Ohne Circle Pad Pro ist das Kamera nachjustieren nervig, gewöhnungsbedürftig und nicht sonderlich intuitiv. Kämpfe verkommen hier zu einem reinen Glücksspiel und enden selbst für einen Profi sehr häufig mit einem „ Snake Answer me! Snake….. SNAAAAAAKKKKKEEE“. Feinde sind nämlich sehr mobil, selbst dann, wenn sie auf ihre Patrouillenroute nur träumerisch durch den Dschungel schlendern. Visiert man hier den Kopf an, muss man die Kamera per Stop and Go Stakkato Justierung so halbwegs in Position bringen mit den A, X, Y, Z Buttons. Dann ist hoffen angesagt, denn nicht selten schiesst man dezent daneben und alarmiert mal eben alle Einheiten in näherer Umgebung. Diese haben natürlich keinerlei Probleme euch aus der Hüfte heraus auf weiter Entfernung eine Bleivergiftung zu verpassen.

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Sich dann in Sicherheit zu bringen ist fast schon unmöglich, wenn man die Kamera nicht fliessend bewegen kann und somit auf Knöpfchen beschränkt ist. Als Beispiel dient hier der etwas später zu betretende Hochsicherheitsbereich, der durch diesen Kamera Hick Hack zu einem Frustfiasko mutieren kann.

Metal Gear Solid Snake Eater 3D ist ein verdammt gutes Spiel, sofern man nur die Story und das Setting betrachtet Allerdings hat es Konami richtiggehend versaut, mir als alter Metal Gear Solid Fanboy sei dies gegönnt zu sagen, die Steuerung so anzupassen, dass sich diese intuitiver und flüssiger gestaltet als sie es jetzt tut. Daher gibt es dieses Mal zwei Wertungen. Metal Gear Solid Snake Eater 3D erhält ohne Circle Pad Pro Support 7 von 10 Punkten. Unsere Endwertung dagegen beruht auf vollem Circle Pad Pro Support.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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