Medal of Honor: Warfighter

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Medal of Honor: Warfighter
Medal of Honor: Warfighter

Herzlich Willkommen zu einer neuen Runde „lass uns doch mal einen Militärshooter machen, denn darauf stehen die Zocker total“. Mit Medal of Honor Warfighter soll die Tradition des Medal of Honor Franchises um einen zweiten Reboot erneuert und sogleich fundiert werden. Der obligatorische Schuß in den Ofen oder eine würdige Umsetzung des Thema Krieges. Das erfahrt ihr in unserem Test.

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STOP! Post IT Time

Was fehlt fast allen Shootern? Richtig Herz und Emotion. Mit Medal of Honor Warfighter soll diesem Umstand endgültig dem Garaus gemacht werden. Ihr spielt einen Soldaten, der natürlich ein Familienvater ist, sich aber nun zwischen den Fronten in einem Krieg befindet, den es scheinbar nicht zu gewinnen gibt. Schwelende Krisenherde und Feinde die nichts zu verlieren haben. Egal ob zu Wasser oder zu Land, man muss sich dem Feind stellen. Aber das Gewissen? Und die eigene Familie. All diese Fragen werden in fast schon penetranten Videosequenzen alle 30 Minuten abgespult. Falls jetzt jemand fragt „ Wie wo ist der Rest der Story?“ dem muss ich sagen, DAS ist die komplette Story. Wer sich Tiefgang erhofft, dem sei hier gesagt die Story ist so flach, sie würde im 30er Pack unter meine Schuhe passen und hätte immer noch Luft nach oben.

Das Elend hört leider nicht auf, denn Medal of Honor Warfighter ist ein extrem banales und zusammengeflicktes Machwerk, bei dem selbst ein Soldier of Fortune Payback wie die Auferstehung Jesus daherkommt. Sämtliche Kampagnenelemente scheinen einem Brainstormingprozess entflohen zu sein, bei dem jeder Mitarbeiter aufgefordert wurde, irgendwas auf einen Post It zu schreiben, was er oder sie cool findet. Statt dramaturgische Übergänge, wurde dann wohl scheinbar im Losverfahren ein Post It an den nächsten gehangen und so eine Alibi, Verzeihung nicht existente Story erschaffen, die sich von miesen und vorhersehbaren Elementen zur nächsten Peinlichkeit hangelt, dass man unweigerlich auf die Frage „ Was spielst du gerade“ mit einem „Ähhh My Horse and Me 2“ antworten würde. Als Spieler findet man keinerlei Bezug zum Spiel selber, da sämtliches Material einfach unfertig und unpräzise wirkt.

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Gimme, gimme gimme Moorhuhn, i like the Hühner to shoot

Es bleibt dem Spieler auch keine Zeit irgendwie warm zu werden, denn dafür sorgen die wirklich fatalen AI Aussetzer auf beiden Seiten. Die Feinde, die Somali Piraten, sind strunz dumm und selbst das Wort Kanonenfutter beschönigt hier noch das Dilemma. So poppen Feinde sprichwörtlich vor dem Lauf der Knarre auf, nur um sich im Schützenfest Modus umholzen zu lassen. Moorhuhn ist ein Dreck dagegen, soviel ist sicher. Vergleichbar ist dieses Spielgebahren wohl mit den frühen 90er Arcade Light Gun Shootern, bei denen die ewig gleich aussehenden Feinde nur dazu dienten abgeballert zu werden. Aber immerhin hats damals echt Spaß gemacht. Es Gnade euch Gott, sofern ihr eine Deckung suchen solltet, die leider schon von eurem Squad gescriptet wurde. Denn dann heißt es einfach nur zieh Leine und ihr werdet aus eurer Deckung herausgekickt. Natürlich nicht ohne vom Kanonenfutter ordentlich durchsiebt zu werden. Das macht zwei Mal Spaß, danach schmeisst man den Controller gegen die Wand und meldet sich im EA Forum an um zu flamen.

Schön ist es auch wenn noch offensichtlich lebende Feinde von euren Teammates als KIA (Killed in Action) oder umgekehrt tituliert werden. Sollte dies der Fall an Schlüsselstellen sein, dürft ihr gleich mal einen Reload machen, bevor das Spiel anfängt einen Gamefreeze zu vollführen. Während das ballern wie zu erwarten funktioniert, mehr oder weniger, sorgen unzählige der bereits erwähnten Bugs dafür, dass zu keiner Zeit so etwas ie Atmosphäre aufkommen will. Wer kann schon auf einen picardschen Facepalm verzichten, wenn Teammates und Feinde durch die Deckung feuern können, während man selber nichtmals durch dichtes Gras einen Treffer landen kann.

Um noch einmal am Patchwork System anzusetzen, seien ein paar Dinge erwähnt, die man mittlerweile schon zu dutzenden gesehen hat.
Verfolgungsjagd zu Fuß durch ein Slum/Elendsviertel/Favela etc? CHECK
Motorisierte Verfolgungsjagd (aber nur ganz kurz)? CHECK
Türen und Deckungen in Slow Motion aufbrechen? CHECK
Explosionen die die Stimmung anheizen sollen? CHECK

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Billige Anmachversuche und mangelnder Spaß

Medal of Honor Warfighter ist das Paradebeispiel für ein Spiel, welches sich penetrant anbiedert, aber dabei gnadenlos versagt. Man kann diesen Versuch Seitens EA wohl am ehesten mit folgender Situation vergleichen. Ihr seid eine hübsche Frau und wollt euch einen Kaffee genehmigen. Auf einmal dackelt ein penetranter Kerl an euren Tisch, mit gegeelten Haaren und strunzdummen Gesichtsausdruck und er fängt an seinen ganzen Charme aufzubringen „ Hey Puppe kann ich dir einen Kaffee spendieren, du bist die Frau meiner Träume“ Ihr seid angewidert und überlegt ob ihr die Kuchengabel in die Hand rammen wollt oder doch lieber den heißen Kaffee ins Gesicht kippen wollt. Letztendlich entscheidet ihr euch für Möglichkeit 3, resigniert und lachend von dannen ziehen.

Medal of Honor Warfighter hätte ein wirklich gutes Spiel werden können, hätte man sich nicht nur auf Versatzstücke eingelassen, die halbgar und beinahe lächerlich wirken. Als roter Faden dient hier eben nicht ein Shooter der sich nicht von der Masse abhebt, sondern ein Spiel welches all das falsch macht, was man im Shooter Bereich eben falsch machen kann. Angefangen bei den Feinden, die zugeben absolut unspektakulär und austauschbar sind. Man hat es dieses Mal ja nichtmals geschafft eine kleine Kontroverse im Vorfeld loszutreten um das Geschäft anzukurbeln. Man sollte mir nicht unterstellen ein Snob zu sein, was Shooterkost angeht. Ich kann sehr wohl meinen Spaß mit Hirn aus und Gewehr an Spielen haben, sofern sie einer Linie treu bleiben und sich nicht dafür schämen das zu sein was sie sind. Bei Warfighter hingegen versucht man ein ernstes Thema emotional und unpathetisch in Szene zu setzen, was aber am Ende gnadenlos scheitert. Denn wenn man realistisch ist, dann gibt das Thema Somalische Piraten oder Krisenherde auf der ganzen Welt mehr her als nur die üblichen Schießbuden Optik.

Ebenfalls ein glatter Fehlschlag ist der Multiplayer Modus, der ebenfalls hier und da zusammengewurschtelt wirkt. Stellenweise hockt man länger im Auswahlmenü als im eigentlichen Spiel, da viele Spieler schon nach kurzer Zeit einen Rage Quit hinlegen, da auch hier einige Bugs das Spielvergnügen trüben.

Von Denise Meyer

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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