Mass Effect 2
Mass Effect 2

Von Carsten „DiGGa“ Meyer

Endlich dürfen Playstation 3 Besitzer in den Hochgenuss dieses fantastischen Franchises kommen. Doch eines vorweg. Da Mass Effect nicht für die Playstation 3 erscheinen ist, gibt es hier auch schon die erste und markanteste Änderung gegenüber der Xbox360 und PC Version. Nach dem sehr dramatisch in Szene gesetzten Intro erhalten Playstation 3 Spieler die Vorgeschichte in Comicform präsentiert. Dieser erklärt die Vorgeschichte sehr ausführlich und leitet uns in die Storyline von Mass Effect ein. Man kann sogar in diesem Comic die gröbsten Entscheidungen aus dem Vorgänger treffen und so darüber entscheiden, mit wem man eine Beziehung hatte oder wen man zum Sterben zurück gelassen hat.

All diese Entscheidungen haben Konsequenzen und wirken sich nachhaltig auf das spätere Spielerlebnis in Mass Effect 2 aus. Es ist natürlich bedauerlich, dass die neue Mass Effect Fan-Gemeinde so auf einen Teil der Story aus dem Vorgänger verzichten muss. Aber glaubt es, Ihr werdet eine nervige Fahrt mit dem sogenannten „Mako“ auf der Planeten-Oberfläche sicherlich nicht vermissen.

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Nachdem wir also die erste kleine Enttäuschung verarbeitet – und uns die Tränen aus dem Gesicht gewischt haben, geht es nun weiter mit der nicht ganz obligatorischen Charakter-Erstellung. Man hat ein wenig an den Klassen gefeilt und die Skills überarbeitet. Als PC oder Xbox360 Spieler hätte man hier seinen Charakter einfach importieren, aber auch wieder neu anpassen können.

Kaum aus dem Schlaf gerissen, werden wir auch schon unsanft in das Tutorial geworfen. Denn die Station, auf der wir erwachen, wird gerade angegriffen und wir müssen zusehen, dass wir uns unserer Haut erwehren und überleben. So machen wir unsere ersten Schritte und merken recht zügig, dass man das Tempo bei den Shooter-Einlagen deutlich angezogen hat. Das Ganze geht nun so rasch wie in einem „Gears of War“ von Statten. Deckung suchen, ballern und nachladen. Und hier wird der Mass Effect 1 Veteran auch schon aufhorchen: Nachladen?! -So etwas gab es bisher nicht, denn die Waffen sind im alten System noch ohne Munition ausgekommen, dafür aber der Überhitzung zum Opfer gefallen.

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Zudem kann man nun auch gezielt auf Körperteile schießen, um so in etwa einem Mech die Beine weg zu pusten. Dann wird dieser zwar vielleicht noch über den Boden kriechen, aber er büßt dafür an Tempo ein. Schneller geht es aber, indem man sich nur auf den Kopf der Gegner konzentriert. Das spart Munition und es ist schneller Ruhe im All. Wer allerdings von den Gegnern überfordert wird, der kann das Geschehen jederzeit pausieren, um den Gefährten diverse Befehle zu erteilen. So kann man Feinde zum Beispiel taktisch in die Zange nehmen und das lustige Assi-Dreieck spielen. Im Waffenarsenal befinden sich natürlich der gute alte Granatwerfer, ein Raketenwerfer, aber auch allerlei exotisches Folterwerkzeug. Bei den dicken Kalibern ist aber zur Vorsicht geraten, denn allzu oft kleckert man zu gern damit rum und dann ist die Munition aufgebraucht. Kommt ziemlich schlecht bei heftigen Feuergefechten. Denn diese spezielle Munition muss separat gesucht werden und ist in der Mass Effect 2 Welt ziemlich rar.

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Böse Zungen werden behaupten das Mass Effect 2 nun vollends zu einem Shooter verkommen sei. Zumal ein echtes RPG-Inventar fehlt und auch die Charakter-Entwicklung kaum jemanden vom Hocker reißen wird. Hier können lediglich ein paar Skill-Punkte auf eine Reihe von Talenten verteilt werden und ab der vierten Stufe gibt es zudem noch eine Spezialisierung. Aber dennoch bleibt Mass Effect 2 ein Rollenspiel erster Güte. Die Charaktere und die wirklich filmreifen Dialoge, die allesamt von exzellenten Synchronsprechern übernommen wurden, können mehr als nur überzeugen. In der Original Version wurden hierfür unter anderem „Martin Sheen“, „Seth Green“ und „Tricia Helfer“, um nur einige zu nennen, als Synchronsprecher verpflichtet. Sowohl die Kameraführung, als auch die Emotionen und Gesichtsausdrücke aller Personen sind exzellent in Szene gesetzt worden. Wieder einmal kann man sich bei Gesprächen für eine „überzeugende“ oder eine „aggressive“ Art entscheiden. Dieses hat immer tragende Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. Hinzu kommen allerdings ab und zu die Quick-Time ähnlichen Momente, in denen wir uns schnell entscheiden müssen, ob wir lieber ruhig und besonnen sind oder überstürzt handeln wollen, indem wir beispielsweise jemanden aus dem Fenster kicken statt mit ihm diplomatisch zu verhandeln! Es ist schon oft so emotional mitreißend, dass nicht nur mir, sondern auch den virtuellen Mitstreitern die Tränen kommen und man kann sich daher locker ein paar Stunden in Dialoge vertiefen und träumen. Langweilig wird es nie, Versprochen!

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Zwar kann die Story nicht auf ganzer Linie punkten, da sie streckenweise ein wenig im Sande verläuft, allerdings hat man dank der Truppenmanagement Funktion auch kaum Zeit der Story permanent zu folgen. Man verbringt nämlich gut und gerne zwei Drittel des Spiels alleine damit, ein Team zusammenzustellen und das Vertrauen der neuen Mannschaft zu gewinnen. Nebenaufgaben sind zudem ebenfalls großzügig verteilt. Es gibt also immer etwas zu erledigen. Die Playstation 3 Besitzer kommen zudem von Anfang an in den Genuss der bisher erschienenen Zusatz-Abenteuer in Form von DLC´s. Somit hat man Zugriff auf Kasumis gestohlene Erinnerungen, Overlord und das wirklich gute und spannende Versteck des Shadow Brokers. Darüber hinaus gibt es noch diverse andere Inhalte zum Runterladen. Einige sind kostenlos, andere Waffen-Packs oder alternative Outfits für Gefährten kosten allerdings Geld.

Ein wenig nervig könnte für einige das Scannen und Sammeln von Rohstoffen sein. Diese sind nämlich auf allen Planeten verteilt. Jedoch ist das Vorkommen der Rohstoffe bei jedem Planeten unterschiedlich. Rohstoffe werden benötigt um die hiesigen Upgrades zu finanzieren. Hier gibt es viele verschiedene Optionen zum Verbessern der Waffen, des Schadens oder aber des Schiffes.
Zum Sammeln der vier Rohstoff-Arten sind Sonden nötig, die einfach auf eine reichhaltige Stelle geschossen werden. Die Rohstoffe werden dann automatisch in unser Lager transferiert. In Zeiten von horrenden Benzinpreisen sollte man bei Mass Effect 2 ebenfalls nicht vergessen, vor einem Trip voll zu tanken. Denn Ausflüge in andere Systeme verbrauchen Treibstoff, der sich aber mit Hilfe von Credits einfach an der nächsten Tankstelle auffüllen lässt, ansonsten heißt es nämlich dann: Lost in Space!

Bioware hat wieder einmal bewiesen, das man trotz Veränderungen im Gameplay dennoch eine echte Spiel-Perle schmieden kann. Mass Effect 2 ist die wohl beste Fortsetzung aller Zeiten und zudem ein richtig tolles Erlebnis für alle Rollenspiel- und Science-Fiction Freunde.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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