Lucius 2 – The Prophecy

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Lucius 2 – The Prophecy
Lucius 2 – The Prophecy

Lucius 2 startet in der Tradition alter Slasher Serien. Das heißt, dass die Handlung unmittelbar an den Vorgänger anknüpft und die Geschichte um unser Psychokind so weiter erzählt. Um den Tenor des Spiels gleich zu verinnerlichen, startet man in einer Einrichtung für mental instabile Personen, oder um es politisch unkorrekt zu sagen „Willkommen in der Klapsmühle“. Hier gilt es, sich den Weg durch die Körper der Erwachsenen zu bahnen, die ja sowieso nie die lieben Kinder verstehen wollen. Erwachsene sind halt so gemein.

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Was sich vom Prinzip als bitterböse und moralisch fragwürdig kategorisieren lässt, funktioniert in Lucius 2 leider nicht. Das namensgebende Balg im Spiel wirkt wie ein Faultier auf Diazepam und hat ebenso viel Charme. Deswegen ist es fast unmöglich, mit Lucius eine gewisse Verbindung einzugehen, da im Verlaufe des Spiels die Anteilnahmslosigkeit des Anti-Helden vergleichbar ist mit einem Menschen, der eine Null Bock Haltung fährt. Und genau das nervt auf die Dauer.

Da helfen dann auch die im Spiel vorkommenden Upgrades der Höllenkräfte nichts, denn diese sind weder besonders spektakulär noch richtig programmiert. In Lucius 2 treten nämlich genau die Programmierfehler auf, die wir alle schon in der Playstation Ära für endgültig erledigt hielten; Objekte die in einer Wand verschwinden und so das Spiel zum Neustarten zwingen. Interaktionen mit Gegenständen kommen einem Münzwurf gleich, bei dem Kopf bedeutet, dass das Spiel mit einem Bug daher kommt, während Zahl dafür eintritt, dass man einfach nur von der dummen KI frustriert wird.

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Die Gegner, oder nennen wir sie lieber kopflose Hühner, agieren so schlecht, dass man sich zwangsläufig die Frage stellt, ob das Klapsmühlen Personal bei der Elektroschock Therapie selbst die besten Kunden sind. Beispiel für eine vollkommene hirnlosigkeit der NPC lässt sich daran festmachen, dass man eine Falle vor den Augen einer Person baut und diese packt dann noch mit purer Absicht in den Stromkreis und wird geröstet. Frei nach dem Motto „Wenn du dein Ohr nahe genug auf die Herdplatte drückst, kannste deine Dummheit riechen“. Falls ihr das nicht glauben solltet, eine Gegenfrage: Würdet ihr einen Kaffee trinken, in den ein Kind mit mentalen Problemen eine merkwürdige Substanz kippt? Wenn ja, dürft ihr euch beim Darwin Award anmelden.

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Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann man Lucius 2 einfach nicht mehr sonderlich ernstnehmen. Das letzte Fünkchen Seriösität geht spätestens dann verloren, wenn das Spiel zu einem dieser mehr oder weniger witzigen „XYZ-Simulatoren“ verkommt. Wie auf Schienen wandeln, ist da noch eine sehr schmeichelnde Bezeichnung für Lucius und seine Opfer. Würde man hier den Ton ausschalten und 160BPM-Musik über das Spielgeschehen legen, hätte das ganze Spiel den Style eines 90er Jahre Techno-Musikvideos.

Der Gewaltgrad beim Tod der NPC kann ebenfalls nicht wirklich überzeugen. Zwar geht es recht blutig und gemein zur Sache, aber die mangelhafte Programmierung schmeisst dem Spielspaß auch hier wieder einen Stock zwischen die Beine. Wie soll man sich auf psychologischen Horror einstellen, wenn die Leichen anfangen zu zucken und zu tanzen oder manchmal auch durch die Tür verschwinden unter den Augen anderer NPC, die Lucius dann sogar noch grüßen?

Im direkten Vergleich zum Vorgänger ist Lucius 2 ein desaströser Rückschritt, der so ziemlich an allem kränkelt, was einem Spiel das Genick brechen kann. Mit anderen Worten, spart euch Lucius 2 und spielt lieber den Vorgänger, wenn es denn mordende Kinder sein müssen.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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