Kolumne: Japanischer Videospielmarkt in der Krise?

Miguel Bethke
Kolumnen

„The Worst Japanese Sales Week In a Long Time“ titelte unlängst Kotaku in einem Artikel zu den aktuellen Verkaufscharts der Videospiele in Japan. Diese schlechteste Verkaufswoche seit langer Zeit ist weder übertrieben, noch eine Bagatelle. Vielmehr sollte man sich fragen, ob der japanische Videospielemarkt nicht in einer tiefen Sinnkrise steckt. So wurden in der Woche vom 11. bis zum 17. Mai insgesamt nur 235.000 Spiele im Handel verkauft (digitale Verkäufe nicht einberechnet). Schaut man sich diese Zahlen in einem Vergleich an, so fällt auf, dass im Vergleich zur Vorwoche, der Verkauf um ganze 60% gesunken ist.

Vergleicht man diesen Zeitrahmen mit dem des letzten Jahres, zeigt sich ein ähnlich ernüchterndes Bild, auch hier ist der Absatz um knapp 61% zurückgegangen. Die Schuld nun den Spielern in die Schuhe zu schieben oder sich auf die Wirtschaftskrise zu berufen, wäre in diesem Fall eine Form der Realitätsverweigerung. Schaut man sich nämlich an, welche Titel es in die Top 10 geschafft haben, kommt man unschwer um die Tatsache herum zu fragen, ob der Markt mit einen Titeln nicht einfach übersättigt ist. (Quelle : M-Create)

10. Dying Light (PS4) – 3,252 Einheiten
9. Pokémon Omega Ruby and Alpha Sapphire (3DS) – 3,648 Einheiten
8. Xenoblade Chronicles X (Wii U) – 4,236 Einheiten
7. Bravely Second: End Layer (3DS) – 5,260 Einheiten
6. Mario Kart 8 (Wii U) – 5,405 Einheiten
5. Borderlands Double Deluxe Collection (PS4) – 6,922 Einheiten
4. Girls Mode 3 (3DS) – 7,422 Einheiten
3. Minecraft: PlayStation Vita Edition (PS Vita) – 11,303 Einheiten
2. Puzzle & Dragons: Super Mario Edition (3DS) – 13,844 Einheiten
1. Final Fantasy X/X-2 HD Remaster (PS4) – 15,913 Einheiten

Diese Verkaufszahlen zeigen einen Trend, dem man sich bis dato nur allzu gerne verschlossen hat; westliche Spiele die mittlerweile Qualitäten und einen Standard erreicht haben, den die japanische Videospieltraumfabrik in den 80ern und 90ern inne hatte. Ein Titel wie Dying Light, der untypisch für den japanischen Markt ist, schafft es sich in denTop 10 zu verbeissen. Auf der anderen Seite wird ein Titel wie Mario Kart 8 signifikant von Borderlands überholt, was ebenfalls keine Selbstverständlichkeit ist, schliesslich ist gerade Mario Kart ein weltweites Zugpferd in Sachen Verkaufsmobilisierung.

Analysiert man die Genres der einzelnen Titel, fällt auf, dass trotz der Vorliebe für RPGs, gerade westliche Spiele mit RPG Anleihen oder Spielmechanik sich langsam aber sicher gegen ihre japanische Konkurrenz durchsetzen können. Ein Aspekt, der zur Klärung herangezogen werden kann, ist der japanische Mobile Gaming Markt. Dieser hat schon vor der Erfindung des iPhone für reichlich Umsatz und Spiele gesorgt. Da erst kürzlich Konami bekanntgegeben hat, sich verstärkt dem Mobile Gaming Sektor zu widmen, würde es nicht verwundern, wenn andere Prestigeentwickler diesem Konzept ebenfalls folgen werden.

Ein gewisser Paradigmenwechsel lässt sich nicht verleugnen. Videospiele werden zwar immer noch gerne im Wohnzimmer gespielt, allerdings nähern sich Smartphone Spiele in schnellen Schritten einer Qualität an, die sich nicht mehr vor Handheld oder Konsolenspielen zu verstecken braucht.

 

 

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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