Killzone 3
Killzone 3

Wie aus der Lethargie gerissen, schütteln uns die ersten Minuten bei Killzone 3 regelrecht durch und zeigen uns, dass selbst die Jahre zwischen Killzone 2 und dem Nachfolger nicht zu einer Deeskalation im ISA gegen Helghast Konflikt geführt haben. Wunden und Erlebnisse werden in Gedanken verworren, denn Killzone 3 knüpft gnadenlos an die Ereignisse aus Killzone 2 an. Ähnlich wie Organismen schlauer werden, haben auch die Helghast die Rückschläge zur Neuformierung genutzt um noch erbarmungsloser zu werden. Dieser Konflikt wird härter, dreckiger und aussichtsloser.

Sofern man die Killzone bis dato als zusammenhängende Trilogy aus cineastischer Sicht klassifizieren würde, kann man mit Fug und Recht behaupten dass gerade Teil 3 den Klimax markieren will. Denn zu Beginn stürzt man nach einer atemberaubenden „Helikopter“ Sequenz vor den Toren des Helghast Imperiums ab und ist von da an komplett auf sich und den traurigen Rest des Teams angewiesen. Killzone 3 will hier allem Anschein nach politisch motiviert erscheinen, denn gerade im dritten Ableger werden die Referenzen zum NS Regime sehr deutlich, allerdings in verfremdeter Form. So erinnern die Gebahren der Antagonisten an die uns bestens bekannten kranken Despoten der Weltgeschichte. Nebst gnadenloser Selbstüberschätzung. Damit diese Parallelen allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger erscheinen, griff man hier auf den schon aus Starship Troopers bekannten Comedy Effekt zurück. So sind die Parallelen zum NS-Regime erkennbar, aber durch eine nicht mehr all zu düstere Story mit einem Gewissen Distanz Effekt behaftet.

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An was man allerdings nicht gespart hat und somit ein regelrecht reales Ambiente in einer Sci-Fi Welt geschafft hat, ist das Handling der Waffen. Anders als in den uns bekannten Shooter Größen bei denen man mal eben zwei Schrotflinten, einen Raketenwerfer und eine Minigun tänzelnd über das Schlachtfeld schleppen kann, hat man bei Killzone 3 jederzeit das Gefühl, die Waffen lägen schwer und authentisch in der Hand. Somit entwickelt sich hier auch gleich der positive Kernaspekt, der über einige Unstimmigkeiten oder Storyunterentwicklungen hinweg trösten kann. Man erlebt ein reales Kriegsszenario mit all den Facetten, die ein regulärer Soldat durchlaufen könnte. Das Waffenhandling ist akkurat aber nicht übersensibel. Selbst zielen erfolgt mit einer leichten Verzögerung, die aber dank der KI sowie des Spielekontext eher positiv auffällt und zu Beginn noch den Puls nach oben schnellen lässt.

Selbst der Nahkampf hat seine Reize aus radikaler Sicht. In den Wirren des Gefechts kann man Verzweiflungsnahkämpfe begehen, bei denen man die Gegner per Mini Quick Time Event über die Klinge springen lässt. Diese Moves operieren vom Standard Genickbruch nebst knacken bis zu einem sehr fiesen Augenzerquetsch Move, der wohl sensiblen Naturen an die Nieren gehen könnte. Trotz dieser Gewaltspitzen wirken diese Moves nicht belustigend oder befriedigend sondern vielmehr unterstreichen sie die ziemlich harten Überlebenskampf gegen eine radikale auf Hass gepolte Übermacht.

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Killzone 3 ist allerdings viel zu einfach, nicht nur für Anfänger. Daher ist das wirklich sehr gut umgesetzte Deckungsfeature nicht sonderlich spieltragend. Zwar sind Gegner nicht dumm und kontern mit diversen Aktionen die von kurzzeitigem Granatenbeschuss bis zu Ausräuchern reichen, aber große Sorgen um den Gesundheitszustand muss man sich zu keiner Zeit machen, da die vorhandenen Waffen locker ausreichen um in bester John Rambo Manier eine ganze Einheit Helghast umzuholzen. Hieraus resultiert auch das zweite sehr große Problem. Killzone 3 ist sehr schnell durchgespielt. Mit sehr schnell meine ich sehr schnell, ein geübter oder moderater Ego-Shooter Spieler kann und wird Killzone 3 locker in vier bis maximal fünf Stunden abgeschlossen haben. Für solch eine AAA-Produktion ist dies daher kaum nachvollziehbar denn alles andere im Spiel stimmt einfach.

Die Umgebungen sind zu Beginn relativ unspektakulär aber entfalten im Laufe des Spiels ihre wahren Stärken, seien es Hallenkomplexe, die endlich einmal nicht in Endlosschleife an den Spielern vorüber ziehen, stattdessen mit Detailverliebtheit glänzen oder aber fast schön apokalyptisch anmutende Außenareale in denen die Helghast noch dämonischer wirken als ohnehin schon. Auch die kurzen Jetpack Sequenzen sind wunderbar in den Gesamtkontext integriert, wirken aber wieder einmal wie ein Coitus Interuptus, denn man kann diese Jetpacks nur an wenigen Stellen benutzen und bevor man richtig loslegen will, wird man sprichwörtlich wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.

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Killzone 3 sollte man als Experiment ansehen, den Multiplayer attraktiver anzupreisen. Killzone 3 besteht aus zwei Komponenten, die zu einem Gesamtwerk zusammen finden. Denn normalerweise sind Multiplayer Modi eher eine nette kleine Dreingabe um ein Spiel noch etwas länger am Leben zu halten, siehe zum Beispiel Assassins Creed Brotherhood. Bei Killzone 3 dagegen sieht dies anders aus. Den Multiplayer Bereich hätte man fast schon als eigenständiges Spiel vermarkten können. Hier werden alle Vorzüge, die vorher exklusiv den PC Spielern vorbehalten waren zu einem neuen niveaulichen Hoch versammelt.

Als wichtigster Punkt sei hier die Clan Funktion genannt. Denn nun kann jeder seinen Clan gründen und so gegen andere Clans antreten. Wir sind auch vertreten mit dem Tag TVGC nur falls jemand Interesse haben sollte. Dieser Modus macht ähnlich viel Spaß, wie man es vorher von zum Beispiel Counter Strike kannte, denn statt oberflächlichem Teamgedanken der Marke Ja-gut-wir-sind-eine-Zweckgemeinschaft-um-zu-gewinnen geht es hier wirklich darum, per Zusammenhalt und Absprachen andere Clans zu dominieren. Hier hat man bei Guerilla in weiser Voraussicht gehandelt, denn diese Art von Multiplayer kann sehr wahrscheinlich zu einem festen Standard etabliert werden, nebst Leaderboards und speziellen Clan Events. Die restlichen Multiplayer Modi sind die Standardkost, Deathmatch und Warzone.

Killzone 3 ist schnell, dreckig und hart. Das totalitäre Sci-Fi Setting wirkt glaubhaft und kann auch von der optischen Seite überzeugen. Einzig der Punkt Langlebigkeit wirkt sich negativ auf die Endwertung aus. Denn das Produkt mag stimmen, aber die Dauer nicht. Allerdings kann man Killzone jetzt schon attestieren, als Franchise ebenfalls in der Zukunft funktionieren zu können.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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