In Exilium
In Exilium

Einst ein gefeierter und geliebter König, nun ein Vogelfreier. Wenn wir eines aus der Geschichte gelernt haben, dann dass dort wo viel Sonnenschein herrscht, die Schatten nicht weit weg sind. Nachdem wir als König unserem Land eine stabile Existenz geboten haben, sorgten Intrigen und Verrat für unsere Absetzung und die Verbannung in eine gefährliche Welt, die von Monstern dominiert wird. Mit einem dünnen Hemd und einem Faustdolch bewaffnet geht es auf Rachefeldzug.

Im Land der Blinden ist der einäugige der König

Im Land der Blinden ist der einäugige der König

In Exilium ist ein interessanter Indietitel, der das Thema Dungeoncrawling aufgreift und erstaunlich gut inszeniert daherkommt. Zu Beginn startet man, anders als ein König, an einem mickrigen Lagerfeuer mit ein paar Habseligkeiten, von denen Hose und Hemd den größten Teil ausmachen. Der momentan einzige Weg aus dieser Situation führt durch einen Dungeoneingang, der uns aber direkt signalisiert „Hier nur ab Level 5 weiter, sonst folgt der rasche Tod“. Da keine Monster oder Halsabschneider auf der Map vorhanden sind, heisst es abreagieren an Kampfdummies.

Nach einigen Tritten und Schlägen gegen die wehrlosen Puppen steigt man auf Level 5 auf und der Weg in die dunklen Gemächer ist nun frei. Hier tritt dann eine Besonderheit von In Exilium hervor. Das Spiel ist vom gesamten her minimalistisch gehalten, was sich auch auf die Steuerung auswirkt und zwar positiv. Man kämpft und interagiert primär durch Mausclicks, bzw durch das gedrückt halten einer Maustaste. Das vereinfacht vor allen Dingen Kämpfe enorm, da man jederzeit bei drohender Unterlegenheit aus dem Kampf entfliehen kann.

Stetiger Fortschritt in modrigen Gewölben

Stetiger Fortschritt in modrigen Gewölben

Dies erleichtert den Einstieg für Spieler und gewährt eine faire Chance, sich zügig ein sicheres Polster an Attributverbesserungen zuzulegen, durch Level Ups natürlich. Zu Beginn sind Level Ups sehr schnell erreichbar, da Blobs und Spinnen sehr einfach zu besiegen sind und für ihre Wehrhaftigkeit mehr Exp liefern als genreüblich. Daher kann man in der ersten halben Stunde des Spiels locker Stufe 13 erreichen. Die dadurch erworbenen Punkte können, wie es üblich ist auf verschiedene Attribute verteilt werden. Empfehlenswert ist hier bis Stufe 13, ausschliesslich auf Vitalität und Stärke zu setzen. Neben dieses Hard Skills, existieren Softskills wie Zaubersprüche, die ebenfalls mit einem Mausclick aktiviert werden können.

Da die Ausführungen sehr einfach gehalten sind, werden auch Spieler, die eher wenig mit Magie anfangen können, oft auf diese Zauber zurückgreifen. Die Balance zwischen Magie und Close Combat hält sich hier die Waage. Egal welchen Weg man wählt, man hat immer eine faire Chance, den Dungeon zu überleben.

Wenn Bücher versagen, hilft nur noch das Schwert

Wenn Bücher versagen, hilft nur noch das Schwert

Was In Exilium aus der Masse an Indie Dungeoncrawler Titeln hervorstechen lässt, ist das stromlinienförmige Gameplay, das keine sinnlosen Backtracking Aufgaben auf den Spieler loslässt. Sämtliche Aufgaben oder Texteinblendungen haben direkt etwas mit dem eigentlichen Fortschritt des Spiels zu tun. Aus diesem Grund sind die zahlreichen Puzzles sehr intuitiv gehalten ohne dabei zu stark vereinfacht zu sein.

Die isometrische Sicht, die an die Klassiker des Genres erinnern, ist sehr solide umgesetzt und präsentiert sich fast durchgehend auf einem konstanten Niveau, welches man als überdurchschnittlich bezeichen könnte. Hierbei ist erwähnenswert, dass der Start des Spiels etwas langweilig wirken kann. Zu Beginn sind Dungeons und Areale die betreten werden können bestenfalls generische Genrekost, die man schon zigfach gesehen hat. Daher ist es zwingend erforderlich, dass man dem Spiel eine Chance gibt, was Spielzeit angeht. Nach dem recht zähen Anfang besucht man diverse Locations, die über Wüstengebiete auch Tempel umfassen. Jede Welt bringt dementsprechend auch ihre eigenen Monstertypen mit und zeigt was mit etwas Kreativität im Rahmen des Möglichen ist.

In Exilium ist ein interessanter Vertreter der Dungeoncrawler, der durch seine wirklich einfach gehaltene Spielmechanik für jeden zugänglich ist. Minimalismus ist hier nicht als Kritikpunkt zu verstehen, als vielmehr eine Chance, sich mit einem Genre auseinanderzusetzen, dass man bis dato vielleicht ignoriert hat. Einzig der schleppende Start des Spiels ist nicht so richtig gelungen.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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