Hideo Kojima ist eine Dramaqueen (Kommentar)

Miguel Bethke
Kolumnen

Hideo Kojima ist einer der noch verbliebenen Rockstars der Videospielszene. Ein gewisser berechtigter Personenkult ist demnach also durchaus gerechtfertigt. Schließlich hat Hideo Kojima mehr als nur einmal bewiesen, dass er gute Geschichten erzählen kann und ganz nebenbei die Messlatte nach oben setzt, was Spielmechaniken angeht. Aber gerade als Fan seiner Werke sollte man aber dennoch nicht blindlings alles gutheißen, was Kojima in Interviews vom Stapel lässt. Wir erinnern uns an das Zerwürfnis mit Konami, welches letztendlich dazu geführt hat, dass Kojima aus dem Metal Gear Solid-Universum komplett raus ist. Ganz nebenbei wurde Konami mit seiner Strategie, nur noch auf Pachinko-Maschinen zu setzen, auch gleich mit abgewatscht und Hideo Kojima durfte sich trotz Bekanntheitsgrad als Underdog sehen, der den Kampf „David gegen Goliath“ für sich entscheiden konnte.

P.T.

P.T.

Das geplante Projekt Silent Hills, welches den Begriff Horror neu definieren sollte, wurde nach der grandiosen und Aufsehen erregenden Demo P.T. ebenfalls gecancelt und Kojima war nun frei, das zu tun, was er immer schon mal tun wollte: Seiner Kreativität freien Lauf lassen. Mit Death Stranding, einem Titel der im Trailer bildgewaltig und zugleich gruselig daherkommt, meldet sich Kojima zurück. Der Trailer (mit an Bord, wie schon bei P.T.: Schauspieler Norman Reedus) hinterließ bei vielen Spielern ein wohliges Schauergefühl und man begann zu rätseln, ob mit diesem Titel ein richtiges Horrorspiel seinen Weg auf Konsolen finden wird, das sich nicht über kindische Jump Scares definiert als vielmehr eine erwachsene Story und Reminiszenzen an Resident Evil sowie Silent Hill (wir berichteten). Mit anderen Worten eine sehr hohe Erwartung gepaart mit einem Hype, wie man ihn nur alle paar Jahre mal erlebt, zuletzt bei Fallout 4 und Doom.

Kojima wäre allerdings nicht Kojima, wenn er die Hoffnungen der Spieler auf ein Horrorspiel nicht sogleich wieder im Keim ersticken würde und ganz nebenbei sein Faible für gute dramaturgisch ausgeschmückte Geschichten in die Realität umsetzen würde.

Death Stranding

Death Stranding

So gab Kojima in einem kürzlich geführten Interview bekannt, dass er wohl keine Horrorspiele mehr produzieren will. Der Grund für diese Anwandlung: Er bekommt davon Alpträume. Zudem sei Humor immer schon ein tragendes Element seiner Spiele gewesen. So wird auch Death Stranding kein Horrorspiel werden, als vielmehr ein Action-Titel mit verrücktem grafischen Ambiente. Für jemanden, der mit Silent Hill und Resident Evil aufgewachsen ist und bis heute wirklich gute Horrorspiele vermisst, ist das wieder einmal mehr eine sehr frustrierende Angelegenheit. Denn wenn einer es beherrscht, guten Horror erzählerisch umzusetzen, dann Kojima. Ein weiteres Metal Gear Solid in Death Stranding-Optik und -Universum brauchen wir nicht wirklich.

Also Hideo, sei keine Dramaqueen, es gibt Leute die von Arbeitswegen täglich mit realem Horror konfrontiert werden und diese Leute raffen sich auch immer wieder auf und machen ihre Arbeit. Deshalb fordern wir: Zauber uns mit Death Stranding ein schönes Horrospiel, gerne auch auch mit Metal Gear Solid-Elementen und alle sind glücklich. Außer vielleicht Konami, die es wohl mittlerweile bereuen dürften, dich gefeuert zu haben.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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