Gothic Retrospektive: Gothic 2 – Die Nacht des Raben

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Gothic Retrospektive: Gothic 2 – Die Nacht des Raben
Gothic Retrospektive: Gothic 2 – Die Nacht des Raben
Publisher:Developer:Release-Datum:Genre:USK:

In einer Zeit, bevor uns die Hersteller mit DLCs überschwemmten, gab es noch ordentliche Add-Ons. Die haben dann zwar ein paar Euro mehr gekostet, dafür haben sie das Hauptspiel auch beträchtlich erweitert. Von dieser Gattung ist Die Nacht des Raben, die 2003 erschienene Erweiterung zu Gothic 2. Eine komplett neue Spielwelt und Story wird zwischen dem ersten und zweiten Kapitel hinzugefügt. Neue Waffen und Gegner sowie alte Bekannte aus Gothic 1, die im Hauptspiel noch fehlten, warten auf den namenlosen Helden, der in alten Tempeln und Gräbern nach und nach die Geschichte einer erloschenen Zivilisation im Tal der Erbauer, eines bisher unbekannten Teiles der Insel Khorinis, aufdeckt und dabei die Pläne des Erzbarons Raven, ebenfalls ein alter Bekannter aus der Kolonie, durchkreuzt.

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Im Tal der Erbauer treffen wir auf neue Gegner und stöbern durch die Ruinen einer erloschenen Adanoskultur.

Im Tal der Erbauer treffen wir auf neue Gegner und stöbern durch die Ruinen einer erloschenen Adanoskultur.

Einziger Nachteil ist der Fakt, dass ein neues Spiel begonnen werden muss. Denn Die Nacht des Raben fügt sich nahtlos in die Handlung des Hauptspiels ein und ist daher nicht mit alten Savegames aus Gothic 2 kompatibel. In der Gold-Edition wird das Add-On aber ohnehin gleich mitinstalliert.

Relativ früh im ersten Kapitel treffen wir auf NPCs, die dem Ring des Wassers angehören. Glücklicherweise für uns handelt es sich dabei zumeist um alte Bekannte aus dem Neuen Lager der Kolonie, die weiterhin den Wassermagiern dienen, und dem Helden daher ein paar Geheimnisse offenbaren können.

Vatras ist der Vertreter der Wassermagier in Khorinis und führt uns in den Ring des Wassers ein. Es lohnt sich, ihm tagsüber während seiner Predigten zuzuhören. Denn die Götter, von denen er berichtet, sind ein wesentlicher Teil der Story und des täglichen Lebens praktisch aller NPCs im Spiel.

Vatras ist der Vertreter der Wassermagier in Khorinis und führt uns in den Ring des Wassers ein. Es lohnt sich, ihm tagsüber während seiner Predigten zuzuhören. Denn die Götter, von denen er berichtet, sind ein wesentlicher Teil der Story und des täglichen Lebens praktisch aller NPCs im Spiel.

Nachdem wir einige Quests in Khorinis erledigt haben, können wir uns der Expedition in das abgelegene Tal Jharkendar anschließen. Denn dort haben wir eine Rechnung offen. Der Anführer der Banditen, die den Tempel im Sumpf übernommen haben, ist der Erzbaron Raven, der für die Steckbriefe des Helden verantwortlich ist, die auf der Insel überall auftauchen und uns das Leben schwer machen.

Neben den Banditen gibt es im Tal der Erbauer noch eine Gruppe von Piraten. Mit denen müssen wir uns gut stellen, um einen Zugang zum Banditenlager zu bekommen. Die Story ist zwar recht linear, aber trotzdem verdammt gut. Und das liegt an einem Stichwort:

Worldbuilding! Denn Fantasy lebt nicht nur von der Handlung und den Charakteren, sondern vor allem auch von der Welt, die diese bevölkern. Die Nacht des Raben erweitert vor allem den Mythos um die drei Gottheiten Innos, Adanos und Beliar. Innos und Beliar bilden eine klassische Dichotomie, Licht und Schatten, Mensch und Bestie, Leben und Tod. Adanos, der Gott des Wassers, ist der Bewahrer des Gleichgewichts und tritt hier erstmals in eine aktivere Rolle. Die alte Kultur der Erbauer waren Anhänger Adanos‘ und fielen seinem Zorn zum Opfer, nachdem sie von einem Artefakt des Bösen – der Klaue Beliars – verführt wurden. Adanos ließ eine große Flut über das Tal kommen, um dem Einfluss Beliars Einhalt zu gebieten. Eben jenes Artefakt, das der Grund für den Untergang einer ganzen Zivilisation war, ist nun kurz davor in Ravens Hände zu fallen. Erst vor diesem Hintergrund wird die Bedrohung so richtig deutlich.

Nach dem Sieg über Raven kann der Held entweder die Klaue behalten oder sie Saturas übergeben, der sie dann im Meer versenkt, um die Welt vor ihrem Einfluss zu schützen. Zwar gibt es in den späteren Kapiteln bessere Waffen, aber durch den erhöhten Schwierigkeitsgrad ist sie für das Mid-game aufgrund des Zusatzeffekts, der Blitze auf unsere Feinde niedergehen lässt, doch recht nützlich.

Nach dem Sieg über Raven kann der Held entweder die Klaue behalten oder sie Saturas übergeben, der sie dann im Meer versenkt, um die Welt vor ihrem Einfluss zu schützen. Zwar gibt es in den späteren Kapiteln bessere Waffen, aber durch den erhöhten Schwierigkeitsgrad ist sie für das Midgame aufgrund des Zusatzeffekts, der Blitze auf unsere Feinde niedergehen lässt, doch recht nützlich.

Die Nacht des Raben hält neben neuen Gegenden, Quests und NPCs auch jede Menge neuer Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände für den Spieler bereit. Magier dürfen sich zudem über neue Zaubersprüche freuen. Zwei interessante Bereicherungen sind die Sprache der Erbauer, die der Held lernen kann, und ein magisches Erzamulett, das Gegenstände für uns aufspürt. Das Erzamulett ist zwar ganz nett, jedoch sollte man sich gut überlegen, wofür man die hart erkämpften Lernpunkte benutzt, denn die sind nicht unbegrenzt. Da bringt es deutlich mehr, in die Sprache der Erbauer zu investieren, denn sowohl im Tal sowie auch den alten Gegenden des Hauptspiels finden wir Steintafeln, die Attribute wie Stärke, Geschick und Lebenskraft erhöhen. Sammeln lohnt sich.

Den zusätzlichen Power Boost brauchen wir auch. Denn die Erweiterung erhöht den Schwierigkeitsgrad teilweise recht drastisch. Um beispielsweise den Canyon nahe des Piratenlagers von gefährlichen Razors zu säubern, müssen wir einiges an Hilfe organisieren und einen eigenen Entertrupp zusammenstellen. Eine Schwäche der älteren Gothic-Titel besteht darin, dass Kämpfe mit Mitstreitern immer wieder Probleme bereiten. Vor allem Magier müssen höllisch aufpassen, dass ihre Flächenzauber nicht auch die Kameraden treffen, die einen dann meist prompt selber angreifen. Oft hilft dann nur neu laden.

Gothic lebt von seiner Community. Darum richten wir hier das Spotlight auf die Mod Velaya – Geschichte einer Kriegerin. Nochmal rund 40 Stunden Gameplay mit toller Story, kompletter Sprachausgabe und bekannten Gesichtern warten auf diejenigen, die noch mehr Zeit auf der Insel Khorinis verbringen wollen.

Ganz ehrlich, viele Frauen hat’s nicht auf Khorinis. Jedenfalls kaum welche, die mehr als die 5 NPC-Standardsätze beherrschen. Velaya bietet Abwechslung mit einer weiblichen Heldin. Es handelt sich dabei übrigens um eine ehemalige Gefangene der magischen Barriere. Findige Spieler haben sie vermutlich wenigstens einmal in Gomez‘ Burg in Gothic 1 getroffen. Mit Charme, Mut und Intelligenz räumt sie die Insel gründlich auf, nachdem der namenlose Held im Hauptspiel wie ein Wirbelsturm durchgerauscht ist und steht dabei den Lara Crofts und Cate Archers dieser Welt in nichts nach.

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Velayas morgentliches Training dürfen wir in einer nett inszenierten Cutscene beobachten, ebenso wie ihr darauffolgendes Bad.

Probleme einer weiblichen Heldin: Einer der ersten Quests besteht darin, den Spanner zu fassen, der Velaya beim morgentlichen Training am Wasserfall nachstellt.

Dabei sind wir allerdings nicht die einzigen: Einer der ersten Quests besteht darin, den Spanner zu fassen, der Velaya täglich am Wasserfall nachstellt.

Velaya kann vor allem in Sachen Präsentation punkten. Cutscenes werden in der Spielengine gerendert und sind mit dynamischen Kameraschwenks verdammt gut inszeniert. Mithilfe des alten Noise-Systems, das noch in Gothic 1 zum Einsatz kam, können sogar Unterhaltungen zu dritt ausgeführt werden, während sich das Originalspiel stets auf einen Dialog zwischen dem Spieler und einem einzelnen NPC beschränkt hat.

Auf der Fanseite World of Gothic gibt es im Mod-Bereich eine große Auswahl an Titeln, die auf neuen Maps ihre komplett eigene Geschichte erzählen. Meine persönlichen Favoriten neben Velaya: Die Modifikationen Gestrandet und Piratenleben.

Natürlich gibt es neben den sogenannten Total Conversions auch eine diverse Anzahl kleinerer Mods, die das Spielerlebnis leicht verändern und somit den Wiederspielwert von Gothic 2 und DNDR zusätzlich erhöhen. So gibt es zum Beispiel Modifikationen, die Monster respawnen lassen, die Lernpunkte neu ausbalancieren oder dem Spieler die Möglichkeit geben, Gothic 2 als Dunkler Magier zu bestreiten.

Die Nacht des Raben ist eine großartige Erweiterung für ein großartiges Spiel. Wer an Gothic 2 trotz seiner Eigenheiten Spaß hatte, für den ist auch DNDR zweifellos eine Empfehlung wert. Besser noch, gleich zur Gold Edition greifen, die Hauptspiel und Erweiterung beinhaltet.

Mit Gothic, Gothic 2 und Die Nacht des Raben hatte Piranha Bytes die Herzen deutscher Rollenspieler erobert. Doch auf dem internationalen Markt fristete die Serie bestenfalls ein Nischendasein. Das sollte sich mit Gothic 3 im Jahre 2006 ändern. Größer, besser, breitenwirksamer sollte der neue Teil werden. Ob diese Zielsetzung tatsächlich auch erreicht wurde, sage ich euch im nächsten Teil des großen Gothic Retrospektive Specials!

Gut

  • alte Bekannte aus der Kolonie
  • echte Erweiterung mit diverser, neuer Spielwelt
  • größte Anzahl an Mods in der Reihe

Schlecht

  • erhöhter Schwierigkeitsgrad gegenüber dem Hauptspiel
  • Handlung ein wenig zu linear
9

Großartig

Michael Lucas
Historiker mit einem Faible for Fantasywelten, RPGs, Anime und MLP.

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