Gothic Retrospektive: Gothic 1

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8

Sehr gut

Gothic Retrospektive: Gothic 1
Gothic Retrospektive: Gothic 1
Publisher:Developer:Release-Datum:Genre:USK:metacritic:

Gothic, eine Erfolgsgeschichte „Made in Germany.“

Es war einmal, im letzten Jahrtausend, in einer sagenumwobenen Stadt namens Bochum, dass sich vier junge Recken zusammenfanden, dereinst gewappnet mit PC und Keyboard Geschichte zu schreiben. Die Helden gründeten eine Gemeinschaft, genannt Piranha Bytes. Dies ist ihre Geschichte.

15 Jahre ist es nun her, dass der Kult-Klassiker Gothic die Herzen deutscher Rollenspieler einnahm. „Willkommen im Lager,“ lautet der erste Satz, den der Spieler zu hören bekommt. Danach gibt’s nen Schlag ins Gesicht. Dreckig sollte das Spiel sein, so war stets die Aussage der Entwickler. Denn in Gothic übernehmen wir die Rolle eines namenlosen Helden, der in die Gefängniskolonie von Khorinis verbannt wird, um magisches Erz zu schürfen, das der König von Myrtana für seinen Krieg gegen die Orks benötigt.

Einst wollten die Magier mithilfe einer magischen Barriere die Gefangenen unter Kontrolle halten. Doch der Schuss ging mächtig nach hinten los. Die Barriere geriet außer Kontrolle, die Gefangenen übernahmen die Kontrolle und die Magier sind nun selbst eingeschlossen. Na ja, immerhin gibt die Barriere einen hübschen Effekt ab.

Manch einer kann Minuten damit verbringen, der magischen Energie zuzuschauen, während sie über den Himmel zuckt.

Manch einer kann Minuten damit verbringen, der magischen Energie zuzuschauen, während sie über den Himmel zuckt.

Also gibt es nur eins, wieder raus aus diesem Drecksloch. Zwar haben die Erzbarone, die Anführer des Alten Lagers, einen netten Deal mit dem König geschlossen (Annehmlichkeiten gegen Erz), doch der einfache Gefangene hat’s nicht leicht. Es gibt genug Typen, die einen mit Freude umhauen, nur um ein paar Brocken Erz, das auch als Zahlungsmittel benutzt wird, mehr in der Tasche zu haben. Übermut und Leichtsinnigkeit werden schnell bestraft. Schutzgeld an die Wachen des Lagers nicht bezahlt? Braucht man sich auch nicht wundern, dass einen der nächstbeste Dieb umhaut und ausraubt, wenn man ihn mit den Worten „Hey, Arschloch!“ im Dialogmenü anspricht. Denn es bedarf schon einer gewissen Investition an Erfahrungs- und Lernpunkten, um zunächst auch nur mit den schwächsten Monstern und NPCs fertig zu werden.

Zunächst müssen wir uns einem der drei Lager anschließen, denn alleine kommt man in der Kolonie nicht weit. Neben dem Alten Lager, das von Erzbaron Gomez und den Feuermagiern angeführt wird, gibt es da noch das Neue Lager, in dem die Wassermagier mithilfe des ehemaligen Generals Lee versuchen, die Barriere zu Fall zu bringen. Wer eher auf einen alternativen Lebensstil abfährt, kann sich auch dem Sumpflager anschließen. Da stinkt’s zwar und überall hat’s Viecher, dafür gibt’s mit dem Sumpfkraut wenigstens was zu rauchen.

Egal welchem Lager man sich nun anschließt, kann man sich auf Nah- und Fernkampf sowie auch auf Magie spezialisieren. Hier zu sehen: Ein Templer des Sumpflagers.

Egal welchem Lager man sich nun anschließt, kann man sich auf Nah- und Fernkampf sowie auch auf Magie spezialisieren. Hier zu sehen: Ein Templer des Sumpflagers.

Aber man kann ja nicht nur Moos ansetzen. Die Story von Gothic ist definitiv eines der größten Qualitätsmerkmale. Deswegen sei hier auch nicht zu viel vorweggenommen. Die Hauptstory ist linear in Kapitel unterteilt. Wer gerne à la Skyrim abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs ist, wird allerdings auch genug Nebenquests und interessante Orte in der Kolonie vorfinden.

Doch die Story alleine macht noch nicht das Erlebnis. Es bedarf guter Charaktere, um eine Erzählung mit Leben zu füllen. Während der Held in der Kolonie unterwegs ist, um das Geheimnis um die Barriere und die Verwicklung eines uralten Erzdämons zu lüften, bekommt er tatkräftige Unterstützung von einer kleinen Gruppe – bestehend aus dem Bogenschützen Diego, dem jungen Magier Milten (beide aus dem Alten Lager), dem Söldner Gorn aus dem Neuen Lager und dem Novizen Lester aus dem Sumpflager. Hier entwickelt sich im Laufe des Spiels eine Freundschaft, die die Teilung der Lager überwindet.

Die Vorgeschichte um Milten, Diego, Lester und Gorn wird übrigens in einem Comic des Egmont Ehapa Verlages erzählt. Durch die damals geringe Auflage heute ein echtes Sammlerstück.

Die Vorgeschichte um Milten, Diego, Lester und Gorn wird übrigens in einem Comic des Egmont Ehapa Verlages erzählt. Durch die damals geringe Auflage heute ein echtes Sammlerstück.

Grafisch merkt man dem Spiel sein Alter durchaus an. Charaktermodelle sind recht kantig, Texturen haben eine sehr geringe Auflösung, auch wenn es mittlerweile Mods gibt, die etwas Abhilfe schaffen. Ein weiterer Punkt, an dem sich die Geister scheiden, ist die Steuerung. Diese erfolgt rein über die Tastatur, ist wenig intuitiv und im Kampf oft recht hakelig. Für die Puristen nur eine weitere Herausforderung des ohnehin schon knackigen Schwierigkeitsgrades, der sich auch nicht ändern lässt. Andere stört es einfach nur. Wer sich also nicht sicher ist, kann sich in der kostenfreien Demo ein Bild vom Spielgefühl machen.

Trotzdem schafft es Gothic immer wieder die richtige Atmosphäre aufkommen zu lassen. Zu Beginn des zweiten Kapitels gibt es sogar einen In-Game-Auftritt der Mittelalterrockband In Extremo.

Trotz des Alters ist Gothic auch heute noch einen Blick wert für diejenigen, die Freude an einer gut umgesetzten Fantasy-Spielwelt, ausgeklügelter Handlung und glaubhaften Charakteren haben. Das Systempack von World of Gothic bringt das Spiel auch auf neuesten Rechnern mit Windows 10 zum Laufen. Und selbst wer nicht die nötige Zeit hat, um so tief in die Welt einzutauchen oder wer keine Lust hat, sich mit der Steuerung auseinanderzusetzen, kann immer noch auf die Fan-Verfilmung des Spiels von T.M.T Production aus dem Jahr 2006 zurückgreifen.

Die Jungs von Piranha Bytes unterstützten damals übrigens dieses Projekt mit zusätzlichen Soundclips der Synchronsprecher. Die Community wählte, welchem Lager sich der Held im Film anschloss. Hier findet ihr den Download-Link: http://www.worldofgothic.de/dl/download_246.htm

So fing damals alles an. Zehn Jahre an Gothic-Content sollten noch folgen. Im Zuge dieser Retrospective-Reihe werden wir noch alle diese Einträge in die Annalen von Gothic abhaken, vom Original bis zum Fall of Setarrif. Bleibt dran! Mein nächste Artikel zu Gothic II, dem vielleicht beliebtesten Teil der Reihe, wird bald folgen.

Gut

  • große, frei erkundbare Spielwelt
  • ausgereifte Story
  • lebendige Charaktere
  • düstere Atmosphäre

Schlecht

  • Steuerung aüßerst gewöhnungsbedürftig
  • angestaubte Grafik
8

Sehr gut

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