Fable 3
Fable 3

Albion, ein Reich voller Mystik, Magie und Fantasy. Doch selbst eine idyllische Welt, wie diese, bleibt nicht vom Fortschritt verschont. Und nachdem wir Albion das letzte Mal gerettet haben, sind auch schon 50 Jahre vergangen. Unser alter Held hat abgedankt und hinterlässt einen seiner Sprösslinge auf dem Thron. Doch der neue König ist alles andere, als ein leuchtendes Vorbild und beutet die Bevölkerung aus und verdonnert selbst Kinder, zur Arbeit, in den hiesigen Fabriken. Fabriken??? Oh Ja, denn Albion ist nun im Industrie-Zeitalter angekommen. Aber bitte keine falsche Scheu. Fable 3 wird Ihnen jetzt keine mechanischen Ungetüme als Feinde entgegen schleudern. Bei den anzutreffenden Gegnern bleibt Fable 3 nämlich auf dem Boden der Tatsachen und wirklich viel neues erwartet uns hier nicht. So sind natürlich wieder hohle Männer, werwolfartige Balverine und Räuber dabei. Viele neue Gegner-Typen kommen dabei allerdings nicht hinzu, lediglich in der Wüsten-Region, später im Spiel, erwarten uns hier vier neue Feindbilder: Sandfurien und drei Schatten-Monster. Doch ab und zu kommt es auch vor, dass Gegner sowohl im Nah- als auch im Fernkampf mit einem Finisher abserviert werden und dabei schaut man schon nicht schlecht, denn da ist Fable 3 sehr erwachsen und zeigt, das es auch mal brutal zugehen kann.

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Apropos Wüste! Diese ist den Entwicklern wirklich besonders gut gelungen. Man spürt förmlich die drückende Hitze und die blendende Sonne auf der Rüstung. Bei der Atmosphäre bekommt man direkt Durst. Ansonsten wirkt die Landschaft, wie schon im Vorgänger doch recht glaubwürdig und zaubert auch Winter- sowie Wald und Stadt-Kulisse glaubhaft idyllisch dar. In Sachen Grafik muss man hier allerdings keinen Meilenstein Eye-opener erwarten, denn alles in allem wirkt Fable 3 doch eher wie ein Fable 2.5. Man hat eine gute Basis genommen und diese noch ein wenig verbessert. So fällt sofort auf, dass das gesamte Spiel ohne Inventar daherkommt. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt dass ich den Start Button drückte um ins Inventar zu kommen doch da ist etwa völlig anderes: „Der Unterschlupf“. Dies ist wohl die beste Neuerung im Vergleich zum Vorgänger. Der Unterschlupf, den unser Vater uns freundlicherweise hinterlassen hat, ist nämlich ein begehbares Inventar! So gibt es einen Hauptraum mit einer Karte, von wo wir uns immer und jederzeit, in die von uns bereits gereisten Regionen, teleportieren können. Oder man verwaltet hier seine gekauften und/oder vermieteten Immobilien. Diese werden neuerdings aber auch einmal Reparatur-bedürftig und verfallen nach einiger Zeit. Verständlich wenn da kein Mieter mehr für bezahlen möchte. Allerdings gestaltet sich der ganze Immobilien Markt früher oder später doch recht mühsam, denn eine Funktion um alle Gebäude in unserem Besitz auf einmal zu reparieren gibt es leider nicht.

Weiter geht es in die Waffenkammer. Hier werden alle unsere erbeuteten Waffen aufgebahrt. Von Schwertern und Hämmern, bis hin zu Pistolen und Gewehren über Zauber ist alles fein säuberlich hier zu finden. Ein neues Feature ist hier das einige Waffen sich „entwickeln“ können, je nachdem welche Voraussetzungen von der Waffe gefordert werden. So gilt es mal 300 hohle Männer zu erledigen um künftig mehr Schaden bei solchen zu machen oder 30 Quests zu absolvieren, um mehr Gilden-Siegel zu bekommen!

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Moment! Was sind denn Gilden-Siegel? Gilden Siegel sind die neue Art der Erfahrung im Spiel. Für besiegte Feinde, absolvierte Quests oder für die Zuneigung der Bevölkerung regnet es dieses Mal Gilden-Siegel, mit solchen kann man dann auf der sogenannten „Sieges-Straße“ Truhen öffnen um den Charakter weiterzuentwickeln. So verbessert man unter anderem den Nahkampf, den Fernkampf oder die Zauberei. Oder wollt ihr lieber lernen zu rülpsen, zu furzen oder gar zu tanzen? Kein Problem dann kauft ihr einfach eine Truhe mit neuen Ausdrucksmitteln für euren Helden.

Kommen wir nun zur Kleider-Kammer. Ähnlich wie die Waffen-Kammer gibt es hier alle Kleidungs-Stücke, Frisuren, Schminken und Tätowierungen für euer Alter Ego. Ihr könnt alle Kleidungsstücke (jeweils männliche & weibliche Ausführung) und Farben frei kombinieren, alles ist machbar. Ob ihr nun als Mann oder Frau ins Abenteuer startet um den König oder Königin zu stürzen. Denn je nachdem welches Geschlecht ihr spielt, sitzt entweder euer Bruder oder eben eure Schwester auf dem Thron. Und um dieses zu bewerkstelligen müsst ihr anfangs erst einmal Verbündete für eure Sache finden. Und dabei vergeht schon ein wenig Zeit. Erst wenn ihr genug Leute für eine Rebellion habt geht es dem Tyrannen an dem Kragen. Oder etwa nicht? Denn bereits am Ende der Rebellion müsst ihr die erste von ein paar wirklich schweren moralischen Entscheidungen treffen, hier punktet Fable 3 auf ganzer Linie. Denn das ist eine echte Innovation und weiß zu beeindrucken.

Aber nun folgt, was Fable schon immer ausgemacht hat: Bleibt ihr dem Pfad der Tugend treu oder werdet ihr nun selbst zu dem Tyrannen, den Ihr gerade gestürzt habt? Ihr werdet es ja selbst sehen… Wie Ihr euch auch entscheidet, selbst als König werdet ihr abseits eures Alltags am Hofe, ausziehen um weiter Abenteuer zu erleben. Doch am Ende dieses Weges lauert, was Lionhead auch beim Vorgänger Fable 2 verpatzt hat und es auch diesmal nicht schafft, ein vernünftiges Finale auf die Beine zu stellen. Kaum hat man alles getan um sich auf einen Krieg vorzubereiten, ist davon fast nichts zu sehen und nach ein paar Schritten wartet auch schon ein Boss auf uns, der lachhaft einfach daherkommt und ZACK! Ist es auch schon geschafft. Das ist zwar ein wenig mehr als das wirklich lachhafte Finale bei Fable 2, aber ein Finale, bei dem ich soviel Vorarbeit leiste und das dann so plötzlich endet, ist einfach nicht Zeitgemäß und schon gar nicht fordernd. Eine Schande, wenn man mich fragt!

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Als König brauch man allerdings richtig viel Gold. Und wenn ihr euch darum bisher nicht gekümmert habt, dann werdet Ihr ein Problem bekommen. Aber da hilft dann halt nur selbst Hand anlegen. Man kann wie bereits bekannt auch wieder die Geldbörse mit diversen Mini-Spielchen aufbessern. So stehen uns der Beruf des Schmiedes, des Bäckers und des Lauten-Spielers offen. Allerdings sind diese total langweilig und doch recht einfach und so richtig viel Kohle kommt dabei auch nicht rum. Aber vielleicht hat unser Hund ja auch mal etwas vergrabenes gefunden, dass ein wenig wertvoller ist. Denn zu viel mehr ist der Hund nicht wirklich im Stande und sagt uns netterweise auch dann bescheid, dass ein Schatz in der Nähe ist, wenn wir bereits vor der Truhe stehen. Er kann zwar auch im Kampf helfen, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn. Die Kämpfe sind aber allesamt recht einfach und selbst dann, wenn man tatsächlich mal von einer Armee übermannt wird ist dies kein Grund zur Trauer, denn man steht direkt wieder auf und verliert gerade mal den Fortschritt zum nächsten Gilden-Siegel. Also schnell zum nächsten Bauern und ihm die Hand schütteln und Voila! unser Gilden-Siegel ist wieder drin. Was zudem etwas nervt sind die doch recht langen Ladezeiten, das muss nicht sein!

Wer sich will kann auch die ganze Geschichte mit einem Freund im Co-Op Modus erleben, diesen heiraten und Kinder bekommen und sich wieder scheiden lassen, aber erst nach einer Runde Gruppensex! Denn Fable 3 setzt, wie auch der Vorgänger, wieder bei allen möglichen Sozialen Interaktionen eine ordentliche Schippe Spaß und Abwechslung nebenbei. Und ein toller Clou: Wer alles Waffen und Kostüme finden will, muss schon die Welten der Freunde nach eben denen durchforsten.

Von Carsten Meyer

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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