The Escapists

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The Escapists

Auch wenn wir nicht gerne eingesperrt sind, üben Gefängnisse eine schaurige Faszination auf uns aus. So ist Alcatraz zum Beispiel

auch heute noch eine Touristenattraktion, um die sich viele Legenden ranken. Das was uns Menschen an Gefängnissen wirklich interessiert, ist die Möglichkeit eines erfolgreichen Ausbruchs. The Escapists lässt die Spieler in die Rolle eines Ausbruchkönigs schlüpfen. Wir haben uns die Seife und die Zahnbürste geschnappt und uns hinter schwedische Gardinen begeben.

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Wenn wir uns Serien wie Prison Break ansehen oder in Filmen wie Die üblichen Verdächtigen an unseren Fingernägeln knabbern, liegt das an der konstanten Anspannung, die wir haben, wenn wir dem oder den Helden bei ihrem Ausbruch zuschauen. Das einzige Problem an Serien und Filmen ist, dass sie zwar mitreissen, wir aber nur die passive Rolle des Zuschauers einnehmen, der notfalls ganz entspannt zum Kühlschrank gehen kann um sich einen Snack für Zwischendurch zu kredenzen. Hier setzt The Escapists an, welches uns in die Rolle des Ausbrechers versetzt.

The Escapists ist ein Titel, der als Ein-Mann Projekt umgesetzt wurde. Unter dem Namen Moudly Toof bringt Chris Davis seine ganz eigene Interpretation des Jail Escape Genres zu Tage. Dabei wird nicht auf graue und depressive Töne gesetzt, sondern auf eine sehr angenehme 16-Bit Retrografik. Auf den ersten Blick mag dies kurios erscheinen, da gerade Gefängnisse kein Quell der Heiterkeit und Farben sind. Durch die Vielzahl von Gimmicks und Spielelementen, wirkt die 16-Bit Optik allerdings sehr passend und auch stimmig. Man kommt nicht umher festzustellen, dass hier sehr gute und saubere Arbeit geleistet wurde.

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Da in The Escapists der Ausbruch das oberste Ziel darstellt, hat das Spiel gewisse Feinheiten zu bieten. Statt einem Weg das Gefängnis zu verlassen, ist es möglich auf sehr vielen verschiedenen Wegen einen erfolgreichen Ausbruch durchzuführen. Wenn man es geschickt anstellt, spaziert man sogar zum Haupttor heraus. Hier sind dem Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt. Je nach eigenem Gusto kann man auf Gewalt aufbauen, indem Wachen ausser Gefecht gesetzt werden, oder man lässt andere für sich arbeiten und nutzt die Gunst der Stunde um zwischen die Ritzen zu schlüpfen.

Um die Ziele zu erreichen, ist es nötig einen auf Michael Scofield (Prison Break) zu machen. Das heisst im Klartext, man beschafft sich die nötigen Ressourcen und nähert sich so der Freiheit Stück für Stück. Hier merkt man, dass in The Escapist richtiges Herzblut steckt. Das Crafting System ist sehr intuitiv und plausibel gehalten. So ist selbst einem Laien direkt klar, was man aus einem Stück Seife und einer Socke basteln kann. Um fortschrittlichere Gegenstände zu basteln, ist es nötig, den eigenen Charakter ähnlich wie in RPGs, mit besseren Stats zu versehen. Kraft kann man durch Muskeltraining verbessern, Intelligenz durch die Nutzung des Internet.

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Wie bereits erwähnt besteht der Reiz von Ausbrüchen vor allen Dingen in der Planung. Hier sei die Serie Prison Break (erste Staffel) besonders hervorgehoben. Ähnlich wie in der Serie, ist der Schlüssel zum Erfolg Vorsicht und Finesse. Tagesabläufe im Gefängnis sind straff organisiert und zu festen Zeiten gibt es bestimmte Events, denen man nicht fernbleiben sollte. Der morgendliche Appell nebst Zählung oder der Freigang seien hier erwähnt. Diese Routine ist aber auch gleichzeitig, sofern man das Spiel ernsthaft spielt, auch eine große Hilfe. Denn ist einem der Tagesablauf bekannt, hilft diese Struktur dabei mögliche Schwachstellen in der Organisation zu finden.

Die anderen Insassen dienen hier dem höheren Ziel oder der Zweckerfüllung. Manche Gefangenen bitten einen darum, bestimmte Aufgaben zu erledigen, die vom klauen bis zu verprügeln eines anderen Häftlings reichen. Für solche Aktionen verdient man Geld, welches man wieder in Items investieren kann, die man für den Ausbruch benötigt. Hier kann man dann auch die Entscheidung treffen, bestimmte Aufgaben nicht anzunehmen und so dafür zu sorgen dass der Insasse dadurch ins offene Messer läuft. Die Gegenstände die man im Laufe dieser Gefälligkeiten erhält, sollte man aber sehr schnell benutzen, da in unregelmäßigen Abständen kleine Zellenrazzien durchgeführt werden. Wird man dann mit heißer Ware erwischt, heisst es entweder Knüppel ins Gesicht oder Einzelzelle.

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Ich muss gestehen, dass ich The Escapists als Spiel wirklich mag. Die vielen kleinen Details und Möglichkeiten, einen Ausbruch zu planen halten mich konstant bei Laune und lassen mich immer wieder abwägen, ob ich jetzt eher defensiv oder offensiv vorgehen soll. Wenn einem dann der Ausbruch erfolgreich gelingt, setzt ein gewisses Suchtverhalten ein, es beim nächsten Mal auf eine andere Art und Weise zu versuchen. Dazu hat man dank der verschiedenen Gefängnisse auch gleich eine weitere Möglichkeit.

Wirklich negative Punkte sind eher spärlich gesät. Das größte Manko sind verdeckte Texttafeln, die meistens dann auftreten, wenn viele Figuren zur gleichen Zeit etwas sagen. Da dies meist nur Einzeiler sind, kann man diesen Umstand getrost verschmerzen. Zum anderen würde ich The Escapists sehr gerne auf der PS Vita oder dem 3DS sehen, denn genau für solche Handhelds ist das Spiel wie geschaffen.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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