Die Geschichte der Animes

Hannah Gottfried
Manga & Anime

Animes kennt fast jeder, sei es Pokémon oder Sailor Moon, aber wie hat das alles überhaupt angefangen?

Der wahrscheinlich älteste japanische Trickfilm entstand schon 1907. Darin zu sehen ist ein junger Matrose. Dieser schreibt etwas auf eine Tafel, dreht sich dann um und begrüßt die Zuschauer. Spätestens 1912 boomte die Produktion japanischer Trickfilme. In Japan wurden hauptsächlich britische, französische oder amerikanische Kurzfilme ausgestrahlt und daraufhin begannen japanische Zeichner ihre eigenen Kurzfilme zu produzieren.

Seitaro Kitayama war einer der ersten Anime-Pioniere, und dieser spielte wohl auch die wichtigste Rolle in der Geschichte der Animes. Sein Kurzfilm „Pfirsichjunge“ war der erste japanische Trickfilm der auch außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne gezeigt wurde.

Kitayama gründete 1921 das erste japanische Trickfilmstudio mit dem Namen „Kitayama Eiga Seisaku-sho“. Dort produzierten er und sein Team nicht nur Unterhaltungsfilme, sondern auch Kurzfilme für Ausbildungs- und Lehrzwecke.
In diesem frühen Stadium der Anime-Produktion wurde häufig mehr Wert auf genaue Darstellung gelegt als auf flüssige Bewegungsabläufe. Der Stil war traditionell japanisch gehalten und häufig wurden klassische asiatische Sagen geschildert.shot0040

 

In den Dreißiger Jahren wurde dann auch der erste Film vertont. In den USA war es zwar Gang und Gebe dass Tonfilme verwendet wurden, in Japan war dies zu diesem Zeitpunkt aber noch zu kostspielig und setzte sich erst Mitte der Dreißiger Jahre durch.
1937 entstand dann der erste farbige Kurzfilm „Katsura Hime“.

In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Produktionen der Anime-Studios dann verschärft kontrolliert und man wurde dazu angehalten, viel Wert auf die japanische Nation und die kulturellen japanischen Elemente zu legen. Deshalb war es kein Wunder, dass der größte Auftraggeber der Studios das japanische Militär war.
Nach Kriegsende beschränkte sich die Trickfilmindustrie wieder auf Kurzfilme, diese wurden jedoch scharf von der Besatzung der alliierten Truppen kontrolliert. Es wurde darauf geachtet, fortan nur noch Demokratie in den Filmen darzustellen.

Der erste animierte Nachkriegsfilm in Spielfilmlänge hieß„Hakujaden“ wurde 1956 von dem nun populären Toei Animation Studio produziert und kam 1958 in die japanischen Kinos. Toei Animation schickte diesen Film sogar als Beitrag für ein Festival in Venedig ein und bekam einen Preis.

Nun interessierten sich auch internationale Firmen für die Animes. Daraufhin brachten diese etwaige Animes wie „Magic Boy“ in die ausländischen Kinos. Dieser war übrigens 1961 auch der erste Anime der in Deutschland gezeigt wurde.

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Die darauffolgenden Jahre entstand eine Wechselwirkung von Einflüssen zwischen den ausländischen Trickfilmen und den japanischen Animes, die viele Zeichner, darunter auch Miyazaki, prägten.
In den Siebziger Jahren entstanden dann die ersten Animes die sich nicht nur an Kinder richteten. Zur selben Zeit wurde auch „Heidi“ produziert, die uns allen sehr gut bekannt sein sollte. 1974 entstanden dann in Zusammenarbeit mit dem ZDF unter der Leitung von Hiroshi Saito drei weitere sehr bekannte Animes: „Wickie und die starken Männer“, „Biene Maja“ und „Pinocchio“.

Das sogenannte „Goldene Zeitalter der Animes“ folgte dann in den Achtziger Jahren, zu diesem Zeitpunkt kamen nämlich die ersten Original Video Animations auf: Filme und Serien die direkt über Videokassetten vertrieben wurden. So wuchs auch die Beliebtheit bei ausländischen Fans, da ihre geliebten Animes nun leichter verfügbar waren. Was aber noch wichtiger ist: Es entstand eine Subkultur in Japan, die sogenannten „Otakus“. Otakus waren spezielle Fans mit einem leichten Hang zu Fanatismus, und diese waren bereit, sehr, sehr viel Geld für ihre Leidenschaft auszugeben.
In den Achtziger Jahren entstanden auch heutige Anime-Größen wie „Ranma ½“, „Akira“ und „Dragon Ball“.
Ein Jahrzehnt später kamen dann „Sailor Moon“, „Pokémon“, „Digimon“ und weitere sehr bekannte Animes.

Doch nicht nur die Beliebtheit der Anime-Serien wuchs, auch die Beliebtheit der Anime-Filme, wie sich am Beispiel von „Prinzessin Mononoke“, „Ghost in the Shell“ oder „Chihiros Reise ins Zauberland“ zeigt.
Letzterer gewann neben einem Oscar auch einen Goldenen Bären und seitdem sind Animes nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken.

Hannah Gottfried
Videospiele- und Anime-Fan der ersten Stunde auf der Suche nach dem Sinn des Ragequits.

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