Deadpool
Deadpool

Deadpool, wer kennt ihn nicht? Die verkannte Seele, der Söldner mit der großen Klappe und der Notgeilheit eines American Pie Alumni. Wir haben uns in das Anarcho Spiel geworfen und wurden von Gags, Gewalt und Referenzen regelrecht beerdigt.

Kommen wir zur Story, Deadpool, gelangweilt vom stetigen im Schritt kratzen will sich verwirklichen und schickt ein Drehbuch voller Ideen an High Moon Studios, die ein Videospiel über, mit und von ihm machen sollen. Budget soll natürlich keine Rolle spielen. Verständlicherweise ist man bei High Moon Studios nicht wirklich darauf erpicht, ausgerechnet Deadpool ein eigenes Videospiel zu geben, denn ein Deadpool ist eben kein zugkräftiger Wolverine. Nach einem Telefonat und einem bombigen Geschenk an die High Moon Chefetage ist dann aber alles klar und wir dürfen uns mit Deadpool in sein eigenes total absurdes Abenteuer stürzen.

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Was man in Deadpool so macht? Nur den ganz alltäglichen Wahnsinn durchleben und dabei eine Spur aus Blut und Gekröse hinter sich lassen. In Deadpool geht es trotz Comicoptik recht hart zur Sache. So schnetztelt sich unser unsterblicher Held mit der großen Klappe in bester Hack n Slay Manier durch sämtliche Level des Spiels. Hierbei gibt es neben einem schweren Angriff noch die schnellen Stakkatoangriffe, die zwar weniger Schaden machen, aber dafür den Feind in eine Spirale aus Prügel ziehen können, ohne Gegenwehr versteht sich. Dazu ist es ebenfalls möglich Schußwaffen einzusetzen und Gegner auf Distanz zu halten. Hierbei ist es gerade für ein Hack n Slay Spiel erstaunlich, dass Kopftreffer tatsächlich mehr Energie abziehen, als Körpertreffer. Normalerweise ist es gerade bei Hack n Slay Spielen so, dass Feuerwaffen nur zur Crowd Control eingesetzt werden und es keinen Unterschied macht ob Kopf oder Körpertreffer.

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Stilsicher gilt es auch, Comboketten zu erreichen. Warum sind Combos wichtig? Weil Deadpool Upgrades braucht. Upgrades kosten Geld und Geld gibts nur durch aufsammeln von DP Coins oder aber durch das erreichen von langen Comboketten. Hierbei ist das Spiel sogar recht fair, was die Auslegung einer Combo angeht. Man kann in einer Kette auch von Schüssen getroffen werden, ohne dass dies ein direktes Abbrechen zur Folge hätte. Dies ist insofern fair, als dass es doch meistens in anderen Hack n Slay Spielen frustrierend ist, wenn man eine sehr hohe Combo erreicht, nur um dann von dem letzten 1% Lebensergie Gegner mit einem Schuss aus der Hüfte wieder auf 0 gesetzt zu werden. Deadpool als ewiger Untoter hat einen weiteren Vorteil, der sich Teleportation nennt. Ist man einmal von einer Masse an Kanonenfutter umringt, ist es möglich sich durch einen beherzten Teleportationsmove aus der Gefahrenzone zu bringen. Hat man allerdings genug Momentum erlangt, welches durch kreative Combos ansteigt, so ist es möglich einen Powermove zu machen, der meistens alle beteiligten Feinde vernichtet oder aber kritischen Schaden zufügt.

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Die Level sind ähnlich wie die Storyline sehr auf Comicoptik und Eigenart gepolt. Um das zu erklären muss man sich ein klein wenig mit der Terminologie in diesem Bereich auskennen. Um ein kleines Beispiel zu nennen, häufig passiert es, dass Deadpool oder die Level selber die sogenannte Fourth Wall durchbrechen. Deadpool kann zum Beispiel mit dem Spieler während eines Bossfights sprechen um diesen entscheiden zu lassen, was passiert. Dadurch ist gerade der Spielablauf nicht monoton gehalten. Auch entscheiden sich einzelne Areale auf einmal mitten im Gefecht dazu, komplett ins Gegenteil zu laufen. Wer hätte schon damit gerechnet, um sein Leben zu kämpfen, nur um dann mit Kühen und Animefiguren in einem riesigen Schuh über eine Insel zu fliegen? Wobei derlei Aktionen noch recht harmlos sind, denn der Humor in Deadpool ist einzigartig und herrlich überzogen, wie man es bis dato noch nie bei einem Spiel gesehen hat. Wobei auch hier manche Witze recht hart sind, denn Comicnerds die noch bei Mami im Keller leben und keinen Job finden (Original Wortlaut), kommen hier nicht sonderlich gut weg.

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Wie man schon an der Story erahnen kann, nimmt sich High Moons Deadpool zu keiner Zeit selber ernst und setzt vollends auf brachialen Anarcho Humor, der erstaunlicherweise sehr häufig ins Schwarze trifft. Wir reden hier mal nicht von Jokes der Marke „Körperflüssigkeiten“ sondern von den zahlreichen Referenzen, die teils recht clever in den Spielverlauf eingebaut wurden. Diese Form von Metajokes nimmt gekonnt die Spielewelt auf den Arm und lässt keine Gelegenheit aus, noch einmal einen draufzusetzen. Nehmen wir mal ein paar exemplarische Szenen im Spiel, die wirklich gut gelungen sind. In einer Passage ist Deadpool dazu genötigt, eine Tür zu öffnen, nur um festzustellen, dass die Gegner dahinter anfangen wie eine dümmliche KI gegen die Wand zu rennen, während die Grafik allerlei Fehler hat. Dieses Problem wird natürlich mit einem Anruf bei High Moon Studios und einem kleinen Check für den benötigten Patch gelöst. Als Spieler, der schon ein wenig länger im Geschäft ist, muss man hier herzlich lachen. Eine andere sehr gute Szene, Hallo Double Fine Studios, lässt kurzfristig das Budget für das Spiel ausgehen, da zuvor viel zu viel Geld in die Grafik und Explosionen gesteckt wurde. Dadurch muss Deadpool in 8-Bit Optik ein paar Dungeons erforschen bevor das Spiel wieder in 3D Grafik wechselt.

Von diesen humorvollen Einlagen gibt es sehr viele zu bestaunen und als Spieler erwartet einen tatsächlich hinter jeder Ecke eine neue total absurde Situation, die aber Spaß macht.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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