Darwinia+
Darwinia+

Darwinia+ für die Xbox360 ist kaum in Worte zu fassen. Ein Spielkonzept, welches darauf basiert, eine Squad, bestehend aus Pixeln, über eine Welt zu manövrieren, die den surrealen Phantasien eines Rasenmäher-Mann entsprungen sein muss.

Taktisches Gameplay, Feindkontakt und das alles nur in C64-Optik? Ja das kann funktionieren. Darwinia+ beschränkt sich mit der Optik auf die wirklich minimalsten Pixel- und Polygon Ansammmlungen, die es bis dato gab. Allerdings wirkt dies alles niemals stupide aufgesetzt oder emuliert. Dafür sorgt der dreidimensionale Effekt, der dafür sorgt, dass Darwinia+ fast schon wie ein eigenständiger Mikrokosmos unter unserem Sofa daherkommt.

Die Story hinter Darwinia+ ist ebenso merkwürdig wie einzigartig. Denn die Welt in Darwinia ist tatsächlich eine virtuelle Realität, in welche wir hereinstolpern, als die Darwinians, welche die Bewohner dieser Welt darstellen, von einem Virus, besagte rote Schlangen, heimgesucht werden. Unser Ziel ist es, diesen Virus zu bekämpfen und das soziale Gefüge wieder in ihre richtigen Bahnen zu lenken.

Das Ziel in Darwinia+ ist ebenso wie die Optik, relativ simpel. Es gilt diverse Einheiten zu bauen, deren Fähigkeiten von Mechaniker zu Söldner reichen. Die Mechaniker sind das Schlüsselelement um die durch Wasser getrennten Inseln per Teleporter miteinander zu verbinden. Söldner sind dazu da, Feinde in Form von roten Schlangen, bestehend aus Dreick-Mustern zu zerstören und die daraus resultierenden Seelen zu benutzen um weitere Einheiten zu kaufen und gleichzeitig die Buffer der virtuellen Welt zu reparieren. Die Mechaniker setzen außer Kraft gesetzte Portale in Gang, die man dazu benutzen kann, Söldner auf die andere Insel zu schicken.

Am Ende einer solchen Mission steht dann der große, an Stargate erinnernde Teleporter, der die Einheiten zu einer nächsten Dimension befördert, die es dann durch clevere Kombinatorik ebenfalls zu knacken gilt. Neben der Optik wirkt der Sound geradezu wuchtig effektiv, denn dieser erinnert an eine Mischung aus Retro meets New Wave Klänge. Dies untermalt die gesamte Spielphysik und sorgt dafür dass man regelrecht in das kurios simple Konzept eintaucht und sich treiben lässt. Ferner sind die ersten beiden Missionen als eine Art Tutorial zu sehen, denn von der späteren Komplexität ist noch nicht sonderlich viel zu sehen und zu spüren. Hier schlummert dann auch das versteckte Potential von Darwinia+, der sehr hohe Suchtfaktor. Man ist häufig so sehr in Gedanken versunken, dass man anfängt unbewusst mit sich selber zu sprechen und tatsächlich zu überlegen wie man Einheiten platziert oder teleportiert.

Im Gegensatz zum regulären Darwinia für den PC befindet sich hier als kleiner Bonus noch Multiwinia, ein Multiplayer-Ausflug, zur Verfügung. Diese Erweiterung bietet verschiedene Spielmodi, die von Deathmatch mit cleveren Tricks bis zu Rocket Riot, vergleichbar mit dem Benzinkanister sammeln in Left 4 Dead 2, reichen. Diese sorgen zumindest bei den Leuten die diese Art Modi und Optik zu schätzen wissen für erwachsene Kampfgefechte auf hohem Niveau.

Es ist nicht möglich, Darwinia+ einem bestimmten Genre zuzuschreiben, denn es finden sich Elemente von Echtzeit-Strategie Spielen als auch von Gott-Simulationen, in denen man eine Population befehligen muss. Auf mich wirkte Darwinia wie eine Gott-Simulation auf Virtual-Reality Ebene. Für ein kleines Indie-Spiel wird hier tatsächlich eine wahnsinnig tiefe Bewusstseinsebene angesprochen. Zu Recht ein kleines Juwel, wenn auch leider im allgemeinen Tumult der bunten und flashy XBLA-Titel untergegangen.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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