Bioshock Infinite
Bioshock Infinite

Schon gleich am Anfang fühlen wir uns heimisch. Mit einen Ruderboot werden wir zu einem Leuchtturm gebracht. Dort steigen wir in eine Kammer, die uns direkt in die Wolken katapultiert. Mit der Mission, ein junges Mädchen zu finden und sie auf das Festland zu bringen, in der Tasche, machen wir uns auch gleich mit der neuen Umgebung vertraut. Die Einwohner sind unübersehbar maßlos religiös gestimmt. Und so müssen wir uns einem Ritual unterziehen, welches wohl jeder Besucher Columbias durchmachen muss. Anstatt uns in Reinheit zu taufen, werden wir halb ertränkt und erwachen inmitten einer Stadt frommer Fanatiker, die einen Propheten nacheifern.

Es erwartet uns eine belebte und freundliche Stadt, die vor Lebenslust nur strotzt. Auf einen Jahrmarkt angekommen, probieren wir alle Attraktionen aus und lernen nebenbei noch den Umgang mit Waffen und Plasmiden. Als wir dann noch bei einer Auslosung als glücklicher Gewinner hervor gehen, scheint alles perfekt. Leider haben wir uns zu früh gefreut. Die Einwohner Columbias scheinen sehr rassistisch zu sein, sodass wir als Gewinn ein gemischtrassiges Pärchen mit unserem Gewinnerball bewerfen dürfen, nur um deren öffentlichen Demütigung wegen. In Bioshock können wir immer wieder Entscheidungen treffen, die unseren Spielhergang beeinflussen. So auch in dieser Situation. Wir werden nun als Eindringling enttarnt und der Kampf beginnt.

Bioshock Infinte Screenshot 01
Nach und nach finden wir neue und bessere Waffen und trinken wahllos jede Flüssigkeit und erhalten somit verschiedene Kräfte, wie es auch in den Vorgängern der Fall war, nur dass wir uns dort alles in die Vene gespritzt haben, was nur ging. Mit einer Waffe in der rechten und die Möglichkeit diverse Plasmide mit der linken Hand abzufeuern, machen wir uns auf den Weg, Elisabeth aus ihrem Käfig zu befreien.

Nachdem wir sie nach einiger Zeit in unsere Obhut bringen können, entpuppt sie sich als nützliche Zeitgenossin. Der lange Aufenthalt in ihrem Gefängnis hat sie mit Büchern lesen verbracht. Sie lernte Wissen, von denen sie dachte, es nie anzuwenden zu müssen, was uns aber nun zu Gute kommt. Neben Schlössern knacken, unterstützt sie euch im Kampf und wirft euch Geld, Medipacks und Munition zu. So könnt ihr euch während eines Gefechtes auf das Wesentliche konzentrieren. Später kann Elisabeth dann noch Risse in der Umgebung öffnen. Entweder sind diese für die Missionen wichtig oder unterstützen uns in Gefechten. So gibt es entweder Gesundheits- oder Munitionskisten, Deckungen, Geschütze, fliegende Kampfmaschinen oder anderes nützliches Zeug, zwischen denen wir hin und her aktivieren können wie wir nur lustig sind. Leider gibt es in Bioshock Infinite keine Verbandskästen, die wir mit uns mit schleppen können, dafür werden wir aber eben durch Elisabeth unterstützt. Und es gibt ja immer noch wie gewohnt, herumliegende Snacks und Automaten, bei denen wir unseren Gesundheitszustand verbessern können.

Bioshock Infinte Screenshot 05
Und wie bewegt man sich auf einer riesigen fliegenden Wolkenstadt, mit benachbarten kleineren Inseln fort? Mit einem Luftschiff? Nein, das überlassen wir den Gegnern. Da Columbia alles andere als altbacken ist, gibt es die Möglichkeit, dass wir uns auf Schienen bewegen. Wir in einer Achterbahn rasen wir, nur mit Hilfe eines magnetischen Hakens durch die Luft und erreichen so Gegenden, die wir sonst unberührt lassen müssten. Dieser Haken ist sogar im Nahkampf sehr effizient, aber mehr wollen wir an dieser Stelle nicht erraten. Eines sei jedoch gesagt, es wird blutig. Denn Bioshock Infinite kommt 100% uncut auf den Markt.

Bioshock Infinte Screenshot 02
Bioshock Infinite ist eines der Spiele, die emotional packen und einfach nicht mehr loslassen. Es ist selten, dass es ein Spiel schafft, mich zu einem Spammer werden zu lassen. Ich habe gefühlt jedem Freund und jeder Freundin, die im Bereich Videospiele aktiv sind, regelrecht dazu genötigt, sich Bioshock Infinite zuzulegen.

Die Messlatte, welche an den dritten Teil der Bioshock Reihe gesetzt wurde, war im Vorfeld immens hoch und die Erwartungen korrelierten mit utopischen Wünschen und Ideen. Das Endprodukt schafft es, diese hohen Erwartungen nochmals zu überbieten, denn Bioshock Infinite funktioniert auf allen Ebenen wie ein Schweizer Uhrwerk. Schaut man sich die Spielmechanik an, schießen und leichte Rätsel lösen, sollte man zuerst annehmen, einen traditionellen Shooter ohne Tiefgang vor sich zu haben. Dieser Schein trügt gewaltig, denn statt nur einem Spiel, hat man es bei Bioshock Infinite mit mindestens drei verschiedenen Spielen zu tun.

Bioshock Infinte Screenshot 03
Jeder Schwierigkeitsgrad verändern das Spielerlebnis drastisch. Startet man das Spiel zum Beispiel auf Easy, so kommt man recht gut mit etwas Nahkampf und Dauerbeschuss durch die einzelnen Abschnitte. Auf normal dagegen ändert sich das Bild gewaltig. Stehlen, morden und schießen ohne Verstand führen zu einem schnellen Tod und einem Unverständnis, was gerade falsch lief. Auf Normal ist es daher schon essentiell, in gewissen Situationen bestimmte Plasmide einzusetzen, um die Situation zu entschärfen und zu überleben.

Allerdings ist das wahre Sahnestück und die maximale Bioshock Infinite Wahrnehmung durch den 1999-Modus gegeben. Dieser erinnert an gute alte Zeiten, in denen fehlerhafte Entscheidungen zu einem verfrühten Spielabbruch führten und man permanent das eigene Handeln abwägen musste.

Bioshock Infinite ist jetzt schon ein sehr heißer Anwärter auf den Game of the Year Award und wir haben gerade mal März respektive April.

Bioshock Infinte Screenshot 04
Ein weiteres interessantes und herzergreifendes Detail im Spiel stellt den Nebencharakter Elisabeth dar, die irgendetwas an sich hat, was einen als Spieler in den Bann zieht und man ihr einfach nur stundenlang zuschauen oder zuhören möchte. Dabei wird hier weder auf übertriebenen Sex Appeal gesetzt oder auf naives Dummchen. Nein Elisabeth ist ein Nebencharakter mit Tiefe und sehr vielen Facetten, der kontinuierlich das Gefühl aufkommen lässt, dass man für dieses Mädel bis ans Ende der Welt rennen würde, was clever gelöst wurde, da die Lösung der Story geradezu perfekt passt. Ich möchte hier nichts verraten, aber man fühlt sich am Ende sehr gut.

Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

Kennwort verloren