Atelier Meruru – The Apprentice of Arland

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Atelier Meruru – The Apprentice of Arland
Atelier Meruru – The Apprentice of Arland

Vorsicht, Suchtgefahr! Wenn man erstmal in das Atelier Meruru Universum abgetaucht ist, kann man den Controller definitiv nicht mehr aus der Hand legen! Zu sehr ist man erpicht darauf, alle Zutaten für neue Zaubertrank-Rezepte zu sammeln, um neue Items zu synthetisieren. Und nebenher läuft die Geschichte natürlich auch noch weiter und Zeit habt ihr sowieso keine…

Zur Story

Fangen wir von vorne an: Wir befinden uns in dem kleinen, schnuckligen Königreich Arls. Hier lebt Prinzessin Meruru, die ihr Leben am Hof stinklangweilig findet. Es zieht sie mehr nach draußen vor die Mauern des Schlosses, wo sie vermeintliche Abenteuer erleben kann. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, eine Alchemistin zu werden wie ihr großes Vorbild Totori, weil sie sich dadurch mehr Abenteuer erhofft. Aus diesem Grund besucht sie diese Totori, eine Alchemistin aus Arland, die bereits im Vorgänger-Game zum Zuge kam. Totori nimmt sich Meruru an und möchte der Prinzessin die Grundlagen der Alchemie näher bringen. Jedoch ist Merurus Vater strikt gegen das berufliche Vorhaben seiner Tochter. Deshalb setzt er ihr eine Frist von 3 Jahren, um sich zu bewähren. Meruru soll nun dabei helfen, dass Arls Teil von Arland wird. Hierzu muss der Einfluss des kleinen Königreichs maximiert werden, d.h. es müssen neue Einrichtungen gebaut werden und die Bevölkerung muss wachsen. Meruru soll außerdem durch ihre guten Taten an Popularität gewinnen, was Arls in gutes Licht rückt.

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Wie Meruru durch ihr Handeln während des Spiels abschneidet, erfährt man regelmäßig in der Zeitung. Dort werden die wichtigsten Ereignisse der letzten Tage zusammengefasst und es gibt einen Überblick über den bisherigen Entwicklungsstand. Drei Jahre hat man also Zeit, d.h., jeden Schritt, den man macht, jede Synthese, die man macht… bei allem vergehen die Tage nun wie im Flug und man sollte aufpassen, dass man nicht zu viele unnütze Aktionen tätigt. Denn je nachdem, wie weit der Fleck auf der Weltkarte entfernt liegt, den ihr aufsuchen wollt, braucht man mehrere Tage, um dorthin zu reisen. Wenn also in diesem weit entlegenen Dorf ein Bewohner Migränemittelchen benötigt, sollte man vorher sicher gehen, dass man zur Erfüllung dieses Quests genug von diesem synthetisiert hat. Man will ja schließlich nach Verstreichen der 3 Jahre nicht von seinem Vater aufs Brot geschmiert bekommen: „Ich hab’s dir ja gesagt…“.

Charaktere

Wie so viele niedliche Protagonistinnen im Japan-RPG Bereich ist auch Meruru quirlig, aufrichtig und ein wenig tollpatschig. Ihre beste Freundin ist Keina, die zugleich ihre Dienstmagd ist. Keina ist der typisch ruhige, verschlossene Gegenpol zu Meruru. Der dritte Charakter, der zu Beginn an euer Team vervollständigt, ist Lias, der etwa im selben Alter ist, wie Meruru und Keina. Sein älterer Bruder Rufus, den er aufgrund seiner zur Perfektion neigenden Art vergöttert, ist Butler und verantwortlich für Merurus Ausbildung. Rufus ist dementsprechend meist Ansprechpartner für die Aufgaben, die Meruru erledigen muss.
Aus den Vorgänger-Spielen dürfen natürlich Rorona und – wie oben schon erwähnt – Totori nicht fehlen. Rorona ist die Meisterin von Totori, diese wiederum nun die Lehrerin von Meruru. Das Wiedersehen mit Rorona ist allerdings anders als erwartet, soll aber an der Stelle nicht verraten werden. Nach und nach ist es möglich, sein Team mit anderen Charakteren zu ersetzen. Je nach erreichtem Level kann das schon ganz hilfreich sein. Es gibt noch viele weitere Personen, die euch im Spiel begegnen. Auf jeden Fall wird sehr viel Wert auf den Storypart gelegt, denn es gibt ständig Zwischensequenzen mit Dialogen, in denen ihr die Charaktere besser kennenlernt, etwas über ihre Vergangenheit erfahrt oder darüber, wie sie zueinander stehen. Das ist sehr wichtig, da das Spiel ansonsten nur wenig Tiefgang hätte. Ebenso die Frage, wer auf wen steht, heizt die Neugier enorm an, wenn einem die Charaktere erst einmal ans Herz gewachsen sind. Nichtsdestotrotz werden hier enorm viele Klischees bedient.

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Swirly, swirly…

Alchemie macht’s möglich: Man kann sogar künstliche Intelligenz damit erschaffen oder mächtige Zaubertränke für die ewige Jugend brauen. Aber wie funktioniert das eigentlich? Ganz simpel! Man geht in den Wald, rupft ein paar Gräser aus, und wirft diese in den riesigen Hexenkessel im heimischen Wohnzimmer. Ein paar Umdrehungen mit dem Stab durch die Suppe und voilà ist das gewünschte Item fertig. Für jedes Item, das man synthetisieren möchte, braucht man ein Rezept. Mit der Zeit und steigendem Level lernt man immer mehr Rezepte – nein, zum Glück muss man die nicht auswendig können. Für jedes zu synthetisierende Item gibt es eine Zutatenliste. Und je höher die Qualität der Zutat ist, z.B. kann ein Büschel Kräuter recht schnell verwelken und hat somit nur noch geringe Qualität, desto besser ist das finale Item, um es grob auszudrücken. Es ist auch möglich, Zutaten durch andere zu ersetzen, die eine höhere Wertigkeit haben. Als Beispiel sei hier einfaches „Wasser“ angeführt, das man durch andere Flüssigkeiten bei der Synthese ersetzen kann. Die Wertigkeit kann man am dem Rang erkennen (absteigend A, B, C…). Ob im Anschluss ein sinnvolles oder ein sogenanntes „broken Item“ herauskommt, oder einem direkt der ganze Brei um die Ohren fliegt, gehört zum allgemeinen Lernvorgang. Jedenfalls wird es mit der Zeit immer öfter notwendig, dass man zur Synthese eines Items erstmal mehrere andere Items synthetisieren muss, die dann als Zutat verwendet werden. Klingt kompliziert? Ist es aber zum Glück nicht. Außerdem bekommt man im Spielverlauf Unterstützung und die grundlegenden Items vom Beginn findet man nach einer Zeit auch schon fertig in Dungeons. Lustig wird es, eigene Kanonen und Dynamitstangen aus den banalsten Zutaten zu erstellen, die im Kampf von großem Nutzen sein können. Man sollte jedoch beim Brauen aufpassen, dass man genug Pausen einlegt, sonst fällt man leicht ins Koma, was negative Schlagzeilen in der örtlichen Zeitung bringt. Also zwischendurch ruhig mal auf die Couch legen!

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Quests

Wie oben schon erwähnt erhält man sogenannte Quests, die es zu erledigen gilt. Meist trudeln diese in Form eines Briefes bei Meruru ein. Um zu erfahren, was sie überhaupt machen soll, bringt sie diese Briefe dann zu dem Butler Rufus, der ihr den genauen Plan austüftelt, was sie zu tun hat. Meist geht es darum, diverse Items zu synthetisieren und diese dann Personen auszuhändigen, um diesen zu helfen. Nebenher kann man noch in der örtlichen Taverne verschiedene Missionen annehmen, die neben Popularität auch Geldprämien mit sich bringen. Hierfür muss man lediglich bestimmte Anzahlen von Items finden oder Monster erledigen. Diese Missionen kann man ab einem gewissen Spielstand auch für Freunde erledigen, damit das die Freundschaft zu diesen Charakteren stärkt, was einem wie so oft besonders in Kämpfen zugute kommt.
Die Dungeons bestehen oft nur aus kurzen Passagen, die mit Monstern und Items gespickt sind. Die Monster sind so programmiert, dass sie eure Nähe suchen, wenn ihr also schnell genug seid, könnt ihr sie direkt umgehen. Allerdings sollte man genug Kämpfe absolvieren, um seine Charas hoch zu leveln. Die Kämpfe laufen normal rundenbasiert ab. Wenn der Gegner attackiert, kann sich einer der Begleiter vor Meruru werfen, um sie zu schützen. Statusveränderungen wie z.B. Vergiftung können durch bestimmte Items geheilt werden. Neue Ausrüstungsgegenstände kann man u.a. beim Waffenschmied ergattern.

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Was noch…

Das erste, was ich machen musste war tatsächlich den Dudelsound leiser zu stellen. Erstens nerven besonders die Soundeinlagen, wenn der Erklärungsbildschirm erscheint. Derart schräge Töne sind ein Graus. Außerdem übertönt die BGM zu Beginn die Dialoge. Nach einer Weile wird die Musik jedoch besser.
Verglichen mit bspw. Hyperdimension Neptunia merkt man, dass das Spiel eindeutig kindgerechter ist, was ja auch die Altersfreigabe bestätigt. Man kommt sich vor als spiele man einen Anime, denn die Grafiken sind wieder einmal sehr gut gelungen und mit Liebe zum Detail gestaltet. Das einzige, was mich gestört hat war, dass der Spielablauf während der Synthese, bei der ja auch Tage verstreichen, von Zwischensequenzen unterbrochen wird, so dass man manchmal ewig braucht, bis man sein Item endlich fertig hat. Und dann muss man wieder überlegen, was man überhaupt machen muss. Außerdem kann man zu Beginn nur sehr schwer einschätzen, wie viele Tage man ohne weiteres mal „verschwenden“ kann zum Erkunden der Weltkarte. Hinterher kriegt man dann den großen Schrecken.

Ich bin jedes Mal begeistert, wenn wieder ein japanisches RPG in diesem Stil erscheint, denn es kommt hierzulande leider nicht so oft vor. Schade ist, dass trotz der USK 6 natürlich 6-jährige dieses Spiel NICHT spielen können, weil die wenigsten in dem Alter schon Englisch sprechen. Das ist natürlich ein wenig unglücklich geraten! Allen anderen, die nicht ständig blutige Zombies abschlachten müssen, kann ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen.

Von Sabine Bernd
Miguel Bethke
Chefredakteur, Vogelspinnenhalter mit Vorliebe für Strategie sowie Japano Spiele. Mag japanisches Essen und fiebert Fallout 4 entgegen.

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