Animal Crossing: amiibo Festival

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5

Mittelmäßig

Animal Crossing: amiibo Festival
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Publisher:Developer:Release-Datum:Genre:USK:

An Animal Crossing scheiden sich seit dem europäischen Erstling, der 2004 für den Gamecube erschien, die Geister: Während die einen immer wieder gerne in die sorgenfreie Knopfaugen-Welt eintauchen, wo sich Fuchs und Igel noch gute Nacht sagen, bemängeln die anderen das stets gleichbleibende und etwas eintönige Spielkonzept, das in den Ablegern auf DS, Wii und 3DS nur vereinzelt Neuerungen mit sich brachte. Mit Animal Crossing: amiibo Festival für die Wii U wechselt Nintendo vom bisherigen Genre der Simulation zum virtuellen Party-Brettspiel, setzt auf Multiplayer-Spaß für bis zu vier Spieler und bringt im Zuge des toys to life-Hypes ganze acht neue amiibo begleitend zum Spiel. Ein mutiger Schritt in die richtige Richtung oder eine Pseudo-Innovation die keiner braucht?

Animal Crossing: amiibo Festival ist das erste Nintendo-Spiel, das amiibo nicht unterstützt sondern zwingend voraussetzt. Gleich zu Spielbeginn werdet ihr gebeten, einen amiibo auf den NFC-Kontaktpunkt eures Wii U-Gamepads zu setzen, sonst startet das Spiel nicht. Aus diesem Grund wird das Spiel auch nur zusammen mit den beiden amiibo Melinda und Moritz verkauft. Mit den aus den Vorgängern bekannten Charakteren Tom Nook, Björn, K.K Slider, Karlotta, Tina und Rosina sind noch sechs weitere amiibo separat erhältlich. Das Figurendesign ist, wie bei den bisher erhältlichen amiibo, sehr detailliert und liebevoll ausgefallen. Das Spiel ist auf vier Spieler ausgelegt; spielt ihr alleine, sind die übrigen drei Figuren NPCs im Design des typischen Animal-Crossing-Bewohners, den ihr in den anderen Teilen der Reihe steuern durftet.


Die neuen amiibo

Das aus den Vorgängern gewohnte Dorf ist nun nicht mehr frei begehbar, sondern wurde, ähnlich wie bei „Mensch ärgere dich nicht“, zu einem Spielbrett umfunktioniert. Zum Würfeln müsst ihr nun jedesmal den amiibo mit dem Gamepad in Verbindung bringen, was wir etwas nervig finden.

Eine Spielrunde entspricht einem Tag, am Ende des Spiels ist ein Monat um. Mit anderen Worten: Ein Spiel dauert 75 Minuten, ihr könnt euch aber auch für ein fixes Zeitlimit zwischen 30, 45 oder 60 Minuten entscheiden und das Spiel kann jederzeit pausiert werden.

Sobald ihr auf dem Spielbrett auf ein Feld zieht, wird ein kurzes Ereignisfilmchen eingeblendet und ihr erhaltet Glückspunkte, die ihr benötigt um zu gewinnen. Wie viele das sind, wird per Zufallsprinzip entschieden, je nachdem auf welchem Feld ihr landet. Im Grunde könnt ihr dabei nur ab und an entscheiden in welche Richtung ihr laufen wollt, alles Weitere geschieht von selbst. So müsst ihr lediglich alle paar Minuten mit eurem amiibo das Gamepad berühren und anschließend als Zuschauer dem Geschehen beiwohnen, was sich so anfühlt, als würdet ihr ein langweiliges Let’s play ohne Kommentar anschauen – erst recht, wenn ihr gegen NPCs spielt, deren Spielzüge ihr dann ebenfalls minutenlang tatenlos verfolgen müsst. Praktisch: So habt ihr beim Spielen immer eine Hand frei um zu essen, euch zu rasieren oder nebenbei eine Doktorarbeit zu verfassen. Spaß beiseite – übliche Animal-Crossing-Aufgaben wie Angeln, Bäume schütteln, Tiere fangen gibt es nicht. Alles, was ihr in den anderen Spielen der Reihe erlebt habt, alles was ihr selbst gespielt habt existiert in Animal Crossing: amiibo Festival lediglich in den Ereignisfilmen, und ihr seid zum Zusehen verdammt. So interessiert es herzlich wenig, dass während des Spiels der für das Franchise übliche Jahreszeitenwechsel erfolgt, euch eine Wahrsagerin die Karten legt oder ihr ab und zu Rüben verkaufen dürft, um Extrapunkte zu erhalten – sämtliche Zusatzfeatures machen das Spiel nicht interessanter oder gar spannender sondern wirken verblüffend sinnfrei und langweilig. Im Prinzip könnt ihr gar nicht beeinflussen, wer gewinnt, da es hier weder um Können noch um Geschicklichkeit, sondern um reinen Zufall geht. Und seien wir ehrlich – am Ende gewinnt nicht derjenige von euch, der die meisten Punkte gesammelt hat, sondern der es geschafft hat, sich am längsten wachzuhalten. Auch wenn es hart klingt: Spielspaß, Partyfeeling, Spannung und Interaktivität sucht ihr hier vergebens. Selten habe ich es erlebt, dass ein Partyspiel im Multiplayer-Modus keinerlei Aufwertung erfährt, sondern genauso langweilt als würde man alleine spielen. Dass einige Figuren immer wieder Sätze wie „das hat so viel Spaß gemacht!“ bringen, ist an Sarkasmus kaum zu übertreffen.

Mit den Punkten die ihr erspielt habt schaltet ihr Gesichtsausdrücke und Outfits für eure Figur frei. Zudem erhaltet ihr Glückstickets, mit denen ihr die Stadt umgestalten könnt, womit ihr jedoch nur die Umgebung während des Brettspiels optisch verändert, was im Prinzip auch niemanden interessiert. Erst viel später könnt ihr mithilfe der Glückstickets endlich auch sechs Minispiele freischalten. Über eines müsst ihr euch hierbei im Klaren sein: Während ihr in Mario Party nach jedem Zug auf dem Spielbrett Minispiele zocken dürft, müsst ihr euch in Animal Crossing: amiibo Festival durch zahlreiche Brettspielrunden quälen, bei denen ihr wie bei einem Let’s play lediglich Zuschauer seid, damit ihr schließlich Inhalte freischalten könnt, in denen ihr dann tatsächlich auch mal spielen dürft. Es ist uns ein Rätsel, was sich Nintendo dabei gedacht hat. Auch haben die verschiedenen amiibo keine speziellen Funktionen oder Fähigkeiten und dienen lediglich dazu, dass ihr mit eurem Lieblingscharakter spielen könnt – alleine der persönliche Geschmack entscheidet, welchen amiibo ihr euch kauft. Des Weiteren könnt ihr aufgrund des amiibo-Zwangs keine alternativen Steuerungsmöglichkeiten wie die Wiimote oder einen Classic Controller verwenden, sondern seid auf das Wii U Gamepad angewiesen.

Neben zwei amiibo liegen dem Spiel auch drei Karten bei, die genau wie die amiibo mit elektronischen Chips versehen sind und mit dem NFC-Punkt des Gamepads verbunden werden müssen. Jede Karte steht dabei ebenfalls für einen der Animal-Crossing-Charakter. Im Minispiel „Luftballon-Insel“, das nach etwa zwei Runden Brettspiel freigeschaltet wird, wählt ihr einen Stadtbewohner aus (uns ist es schleierhaft weshalb hier die amiibo nicht verwendet werden können) und haltet die Karten ans Gamepad. Entfernt ihr die Karten, fällt die Spielfigur auf Luftballons, die ihr so zum Platzen bringt. Leider ist auch dieses Spiel vollkommen sinnfrei und Spielspaß sucht man aufgrund der gewöhnungsbedürftigen „Steuerung“ (Karte ans Gamepad halten und wieder wegziehen) vergebens. Vielmehr wirkt es so, als habe Nintendo mit allen Mitteln den Einsatz der Karten, die primär für Animal Crossing: Happy Home Designer auf dem 3DS gedacht waren, auch auf der Wii U erzwingen wollen, was leider gründlich misslungen ist. Um alle weiteren Minispiele freizuschalten, müsst ihr euch stundenlange Brettspielpartien antun – was sich in keiner Weise lohnt, da die Spiele fast alle die seltsame Karten-„Steuerung“ verwenden und genauso wenig Spaß machen wie das Brettspiel.

Das Brettspiel

Leider kann auch die putzige Präsentation nicht über ein fehlendes Spielkonzept hinwegtäuschen. Während die bekannten Gute-Laune-Instrumentals das Geschehen angenehm untermalen, gibt es statt einer Sprachausgabe Textkästen und dazu leider extrem nervige Sounds, die das Quasseln der Figuren imitieren sollen.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Videospiel so viel zugesehen und so selten auch nur eine einzige Taste gedrückt zu haben – wer schon damals über zu wenig Interaktion in Heavy Rain geschimpft hat, erleidet bei amiibo Festival einen Herzinfarkt. Und wenn ich ehrlich bin, gilt das auch für alle anderen Wii U-Besitzer und selbst für Animal-Crossing-Fans. Letztere kaufen sich lieber Animal Crossing: Happy Home Designer für den 3DS; Sammler stellen sich die amiibo in die Vitrine. Wer auf Brettspiele steht und ein Wii U-Partyspiel möchte sollte sich jedoch lieber Mario Party kaufen. Dass Nintendo für Animal Crossing: amiibo Festival auch noch den Vollpreis verlangt, macht uns mehr als sprachlos.

Gut

  • liebevolle Präsentation

Schlecht

  • Spielspaß nicht vorhanden
  • unfassbar passives Spielkonzept
  • sinnfreier amiibo- und Karteneinsatz
  • spaßbefreite Minispiele mit seltsamer Steuerung
  • nerviger Sound
5

Mittelmäßig

Laura Szabo
Zockt seit 1988, begann mit einem Atari ST und einem Sega Game Gear. Hält Silent Hill für das ideale Reiseziel und die Ocarina für das schönste Instrument. Braucht regelmäßig neue Regale für neue Bücher, Comics, Filme, CDs und Games.

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